Ich will denen zeigen, was der Dicke so drauf hat“, hatte Ade­bayo Akin­fenwa im Sommer vor sieben Jahren gesagt. Damals hatte der Hype um den, naja, dicken Stürmer von Nort­hampton Town gerade erst begonnen. 1,80 Meter groß, über 100 Kilo schwer. Das sah nicht nur auf dem Platz seltsam aus, son­dern auch auf der Kon­sole. Jeder, der zu dieser Zeit FIFA spielte, kannte den schweren Stürmer aus Eng­land – und viele lachten ein biss­chen.

Dabei ist Akin­fenwa nicht zu unter­schätzen! Er spielt bis heute, und das richtig gut. Mit seinem Team, den Wycombe Wan­de­rers, nimmt er zur­zeit an den Auf­stiegs­spielen zur zweiten eng­li­schen Liga teil. Akin­fenwa, der in den letzten Jahren nicht gerade abge­speckt hat, ist mit zehn Tref­fern und sechs Assists in der lau­fenden Saison sowohl der beste Tor­jäger als auch der beste Vor­la­gen­geber seiner Mann­schaft. Der Dicke, wie er sagen würde, hat mal wieder allen gezeigt, was er so drauf hat.

Wut und Frust statt gren­zen­loser Freude

Doch im Moment seines größten Erfolgs – die Wycombe Wan­de­rers setzten sich am Diens­tag­abend im Play-Off-Halb­fi­nale gegen Fleet­wood United durch und stehen nun um End­spiel – wurde der Mit­tel­stürmer zum Ziel­ob­jekt häss­li­cher, ras­sis­ti­scher Atta­cken. Der Mon­tag­abend war eines der High­lights meiner Kar­riere“, machte Akin­fenwa in einem Tweet am gest­rigen Tag klar. Was ein Abend der Freude hätte sein sollen, ver­wan­delte sich in einen der Wut und Frus­tra­tion. Wie ich nach dem Spiel erfuhr, hatte mich ein Ver­treter des Geg­ners wie­der­holt in abfäl­liger Weise als fetter Was­ser­büffel‘ bezeichnet.“

Er habe sich durch den Kom­mentar, ihn mit einem dunklen Tier zu ver­glei­chen, ent­mensch­licht“ gefühlt. Und Akin­fenwa machte auch klar: Völlig gleich, ob diese Sprache mit einer ras­sis­ti­schen Absicht genutzt wurde, müssen wir uns darum bemühen, uns gegen­seitig über diese Themen auf­zu­klären.“ Für ihn sei es des­halb wichtig, mit dem Vor­fall an die Öffent­lich­keit zu gehen. Sein Verein hat bereits ver­kündet, voll und ganz hinter Akin­fenwa zu stehen.

Erste Ras­sis­muser­fah­rungen mit 18 Jahren

Dabei gibt es wohl nur wenige, die gleich­zeitig so oft Erfah­rungen mit offenem Ras­sismus machen mussten und zugleich so viel Respekt gegen­über allen Men­schen aus­strahlen wie der Mit­tel­stürmer. Bereits als er 18 Jahre alt war und ein Angebot in Litauen ange­nommen hatte, sah sich Akin­fenwa den ras­sis­ti­schen Angriffen aus­ge­setzt. Sie sagten, ich sei ein fetter Eddy Murphy, meine Titten würden im Abseits stehen“, sagte Akin­fenwa vor zwei Jahren gegen­über The Inde­pen­dent. Sie sagten, sie würden mich erschießen – wegen meiner Haut­farbe.“

Doch auch diesmal, nach dem Vor­fall gegen Fleet­wood, ver­zich­tete Akin­fenwa auf Schuld­zu­wei­sungen. Statt­dessen machte er klar: Wir müssen uns bewusst werden, wel­chen Schmerz (solche Begriffe) ver­ur­sa­chen können.“ Für ihn sei das grö­ßere Pro­blem, wenn Unver­ständnis dar­über herr­sche, warum es ihn als schwarzen Mann schmerzen würde, so bezeich­nest zu werden.

In vier Tagen im Finale

Der Stürmer ist nie­mand, der nicht über ein paar wohl­ge­wählte Witze gegen seine Person lachen kann. Wenn die Zuschauer ihre Späße über mich machen, muss ich auch lachen. Manche sind sogar sehr kreativ.“ Er spielt mit seinem Image, aber es gibt Grenzen. Am 13. Juli, in vier Tagen also, wird Akin­fenwa das größte Spiel seiner Kar­riere bestreiten. Gegen Oxford United geht es in einem Alles-oder-nichts-Finale um den Auf­stieg in die 2. Liga. Akin­fenwa wird im Sturm spielen. Dann will der Dicke wieder zeigen, was er so draufhat.