Nützt ja nichts. Im ersten Bun­des­li­ga­spiel, in dem es eigent­lich von Anfang an kein Halten mehr geben sollte, müssen sie Hal­tung bewahren. RB Leipzig ist zu Gast, der Ablauf klar: 15 fast laut­lose Minuten. Schrei­ende Stille, in der die Leip­ziger Gesänge ein ton­loses Stör­ge­räusch bleiben. Dann ein Count­down. Fünf, vier, drei, zwei, eins. Und erst jetzt: Eisern Union! Eisern Union! Eisern Union!“
 
Wer am 21. Sep­tember 2014 im Sta­dion an der Alten Förs­terei war, weiß genau, wie sich die Ultras von Union Berlin am Sonntag der Bun­des­liga vor­stellen werden. Damals traf Union zum ersten Mal auf RB Leipzig und musste für die Anfangs­vier­tel­stunde ohne die laut­starke Unter­stüt­zung seiner Anhänger aus­kommen. So wird es auch am Sonntag sein, wenn die Rasen­baller der erste Gegner in der Bun­des­liga sind. Denn die Unioner Ultras sehen es, selbst im wich­tigsten Moment der Ver­eins­ge­schichte, als ihre Pflicht, gegen den Klub des Brause­her­stel­lers zu demons­trieren. Im Verein schürt das zunächst haupt­säch­lich Bedenken.
 
Ein Poli­tikum
 
Die natür­lich nicht erst seit der Ver­kün­dung der Pro­test­ak­tion durch die Ultra­gruppe Wuh­le­syn­dikat 2002“ bestehen. Bereits vor Bekannt­gabe des Spiel­plans sagte Union-Sport­chef Oliver Ruh­nert, er würde ein Spiel gegen Leipzig nicht gut finden weil dann eine andere The­matik und ganz andere Dinge in den Fokus treten würden.“ Jetzt, da das Spiel gegen RB fest und unmit­telbar bevor­steht, ver­leiht Ruh­nert seinen Vor­be­halten gegen­über der Anset­zung der Partie erneut Aus­druck: Ich habe immer gesagt, dass es nicht sein muss am ersten Spieltag auf Leipzig zu treffen, weil man dann ein Poli­tikum daraus macht. So ist es jetzt auch.“
 
Ja so ist es, die Köpe­ni­cker haben ihr Poli­tikum, auch weil Trainer und Spieler sich nicht geschlossen hinter die Fans stellen, son­dern ver­ein­zelt Bedenken an dem Pro­test äußern, der von der Mehr­heit der 63 ein­ge­tra­genen Fan­klubs unter­stützt wird. So klagt Trainer Urs Fischer: Es ist nicht schön für uns, die auf dem Platz stehen.“ Auch Links­ver­tei­diger Chris­to­pher Lenz frem­delt mit dem Vor­haben der Unter­stützer: Das ist ein Fan-Ding, aber natür­lich sind wir eigent­lich dafür, dass die Fans uns anfeuern.“ Wie Soli­da­ri­täts­be­kun­dungen kommen diese leisen Zweifel aller­dings neben den Äuße­rungen von dem daher, der immer seine Mei­nung hat.
 
Es inter­es­siert mich nicht“
 
Denn immer seine Mei­nung zu haben, gab Unions Tor­hüter Rafal Gikie­wicz jüngst Im Inter­view mit dem Tages­spiegel“ an und sprach dabei von Cha­rak­teren wie ihm, die noch eine echte Fuß­bal­ler­men­ta­lität“ hätten. Als Gikie­wicz seine Auf­fas­sung zum anste­henden Stim­mungs­boy­kott illus­trierte, ging seiner Fuß­bal­ler­men­ta­lität jedoch ein ent­schei­dender Teil Sen­si­bi­lität für Fuß­ball­fan­men­ta­li­täten ab. Auf Insta­gram“ schrieb der mei­nungs­starke Pole (natür­lich nicht ohne ein Fans, das ist meine per­sön­liche Mei­nung!“ vor­an­zu­stellen): Euer geplanter Boy­kott […] ist nicht gut für uns Spieler. […] Ich bin Aus­länder und es inter­es­siert mich nicht, wer unser Gegner ist! Ich will ein­fach nur MIT EURER HILFE gewinnen. Ihr könnt alles machen, aber ein Boy­kott wird uns nicht helfen.“