Wir fuhren zum Aus­wärts­spiel der D‑Jugend des TuS Ein­tracht Bie­le­feld zum TuS Solbad Ravens­berg. Mitten im Februar, bei Minus­graden und stock­steif gefro­renem Boden. Aber auch bei strah­lendem Son­nen­schein und medi­ter­ranen Tem­pe­ra­turen wären wir nicht gerne in den Bie­le­felder Speck­gürtel gefahren, denn die Ravens­berger waren als Todes­grät­scher vor dem Herrn bekannt, alle­samt kräf­tige Bau­ern­bur­schen mit dicken Ober­schen­keln und fla­ckerndem Blick.

Umso größer unser Ent­setzen, als wir beim früh­mor­gend­li­chen Durch­zählen am Mann­schaftsbus fest­stellten, dass sowohl unser ita­lie­ni­scher Mit­tel­stürmer Ste­fano als auch unsere kom­plette Mit­tel­feld­reihe es vor­ge­zogen hatten, die Nase ins Kissen zu drü­cken, anstatt mit frisch gewa­schenem Ober­hemd zur Dienst­reise anzu­treten. Also fuhren wir mit einem ver­lo­renen Haufen von acht Ein­tracht­lern nach Ravens­berg, dar­unter zwei junge Kol­legen, die noch neu im Verein waren und dem­entspre­chend krei­de­bleich ihrem ersten Ein­satz ent­ge­gen­sahen. Dazu ein Keeper, der die Ange­wohn­heit hatte, bei Weit­schüssen angst­voll in die Luft zu springen. Und schließ­lich der kleine Dirk, ein Kicker ohne jedes Talent aber mit sagen­haft großer Klappe.

Alles keine guten Vor­aus­set­zungen für einen Aus­wärts­sieg, auch wenn unser Betreuer auf der Fahrt im Zwie­ge­spräch mit dem Innen­spiegel eine geniale Cat­ten­acio-Technik ent­wi­ckelt hatte, die im wesent­li­chen beinhal­tete, dass wir kurz vor der eigenen Straf­raum­grenze einen schmut­zigen Stel­lungs­krieg führen sollten. Mit ver­steckten Fouls, ver­balen Atta­cken und stän­digen Weg­schlagen des Balles. Eine gran­diose Taktik, mit der Hitler sicher auch den End­kampf um Berlin gewonnen hätte, die aller­dings ein wenig durch die Rea­lität kon­ter­ka­riert wurde.

In Schild­krö­ten­for­ma­tion an den Ravens­ber­gern vorbei

Als wir näm­lich auf den halb schlam­migen, halb gefro­renen Park­platz des Ravens­berger Sport­platzes hol­perten, war­teten dort bereits die natür­lich voll­ständig ange­tre­tenen Ravens­berger, alle­samt durch gesunde Land­luft und def­tiges Essen zwei Köpfe größer als unser­eins. Wir stiegen zöger­lich aus, schul­terten ver­legen unsere Sport­ta­schen und mar­schierten in Schild­krö­ten­for­ma­tion an den Ravens­ber­gern vorbei. Wir waren schon fast in der Kabine, als Dirk blö­der­weise die Klappe nicht halten konnte. Im Vor­bei­gehen kom­men­tierte er das Spa­lier der Ein­hei­mi­schen: Na, schon die Melk­schemel abge­schnallt?“ Fünf Sekunden später waren wir damit beschäf­tigt, unsere Kabi­nentür von innen zuzu­halten, wäh­rend sich von außen immer wieder kräf­tige Bau­ern­bur­schen gegen das Holz warfen. Danke, Dirk.

Ein paar Minuten später hatte sich die Sze­nerie beru­higt und vor­sichtig wagten wir uns aus der Kabine. Das Warm­ma­chen geriet aller­dings schon nach wenigen Sekunden zum Spiel ohne Ball, denn der war bald in die Hälfte der Ravens­berger geflogen, die keine Anstalten machten, ihn zurück­zu­schießen. Und von uns traute sich nie­mand in die andere Hälfte.

Das Spiel selbst ist schnell erzählt. Acht­zehn Minuten schlugen wir jeden ankom­menden Ball in die Botanik, dann preschte der Vor­stopper, ein bul­liger Schrat mit mas­sigen Ober­schen­keln, bei einem Eck­ball vor und drosch den halb­hoch hin­ein­flie­genden Ball mit dem Knie ins Netz. Es folgten Tore bei­nahe im Minu­ten­takt. Unser Keeper, der das zweite Tor auf dem Gewissen hatte, weil er den Ball direkt zum Gegner geworfen hatte, ver­legte sich darauf, erst gar nicht mehr nach dem Ball zu hechten, son­dern schon vorher vor­wurfs­voll die Arme zu heben. Am Ende hatten wir sagen­haft hoch ver­loren, 13 oder 14:0, ich erin­nere mich nicht mehr ganz genau. Wir zogen uns um und stiegen hastig in den Mann­schafts­bulli. Zum Abschied trat uns ein Ravens­berger noch mit Schma­ckes gegen die Stoß­stange.