Es waren selt­same Laute, die am Sams­tag­nach­mittag in der Coface Arena erklangen. Durch das weite Rund schallte das schrille Klin­geln einer Hand­voll Kuh­glo­cken. Immer wenn die Mainzer nach vorne stürmten, klang es so, als sprinte gerade ein Ski-Lang­läufer dem Ziel ent­gegen. Ein Bun­des­liga-Sta­dion klingt nor­ma­ler­weise anders.

Auf den ersten Blick passte diese Unter­ma­lung so gar nicht ins rhei­ni­sche Mainz. Doch die Erklä­rung ver­leiht dem Treiben einen Sinn: Ein Fan­klub aus Fami­lien und Freunden unter­stützte den neuen Mainer Coach Martin Schmidt. Pas­sen­der­weise wählten sie Uten­si­lien aus dessen Schweizer Heimat – die Kuh­glo­cken. Quasi ein dop­peltes Heim­spiel für den neuen Coach.

Neue, alte Stra­tegie

Der neue Trainer krem­pelte die Mann­schaft um – nicht unbe­dingt per­so­nell, aber stra­te­gisch. Vor­gänger Kasper Hjul­mand wurde zum Ende seiner Amts­zeit vor­ge­worfen, er setze zu sehr auf ein genaues Pass­spiel und ver­nach­läs­sige den Kampf und das schnelle Umschalt­spiel. Unter Schmidt trat die Mann­schaft in einem 4−2−3−1 an, das eher passiv inter­pre­tiert wurde. Statt lange Pass­staf­fetten gab es schnör­kel­loses Umschalt­spiel und ris­kante Ver­ti­kal­pässe zu sehen.

Da auch Frank­furts Coach Thomas Schaaf ein Anhänger des schnellen Umschalt­spiels ist, ergab sich eine flotte Partie. Nachdem sich beide Teams in der Anfangs­phase abtas­teten, ver­la­gerte sich das Geschehen im Spiel­ver­lauf immer mehr um die beiden Straf­räume. Ein Abtasten im Mit­tel­feld, cha­rak­te­ris­tisch für die Bun­des­liga im Jahr 2015, gab es kaum. Beide Teams pressten hoch, zogen sich dar­aufhin aber wieder schnell an den eigenen Sech­zehner zurück.

Frank­furter Unord­nung

Mainz über­zeugte vor allem im Kon­ter­spiel. Nach Ball­ge­winnen schal­teten sie direkt um. Dazu star­teten die beiden Außen­stürmer Pablo de Blasis und Chris­tian Cle­mens ins Zen­trum und boten sich neben den Stür­mern an. Auf einen direkten Ver­ti­kal­pass folgte oft ein Pass auf den Außen­stürmer, der sich neben dem Angreifer plat­zierte.

Die Frank­furter Defen­sive war ein dank­bares Opfer für die schnellen Mainzer Gegen­stöße. Frank­furt inter­pre­tiert das eigene Posi­ti­ons­spiel äußerst offensiv. Die Außen­stürmer wie auch ‑ver­tei­diger rücken weit auf. Auch Mit­tel­feld-Mann Marc Sten­dera rückt oft nach vorne. In Frank­furts 4 – 1‑3 – 2‑Formation muss der Sechser daher oft­mals große Räume abde­cken – eine Auf­gabe, die Marco Russ an diesem Nach­mittag nicht gelang.