Seite 2: Was sich seit der Ära Klinsmann beim DFB verändert hat

Die Kon­se­quenzen, auf die sich DFB- Prä­si­dent Rein­hard Grindel und die sport­liche Lei­tung der Mann­schaft fürs erste einigen konnten, hören sich schwer nach großer Rat- und Hilf­lo­sig­keit an. Wäh­rend Team­ma­nager Oliver Bier­hoff immerhin eine knall­harte Ana­lyse“ ein­for­derte, sprach Löw zwar von tief­grei­fenden Ver­än­de­rungen“, die nötig seien. Ob das aber auch für das Amt des Bun­des­trai­ners gelte, sagte er nicht. Grindel toppte die schwam­migen Ver­laut­ba­rungen noch einmal. Es komme jetzt darauf an, dass wir nicht in Hektik oder Aktio­nismus ver­fallen“, sagte er.

Löw trägt die Ver­ant­wor­tung

Klar, den einen geeig­neten Kan­di­daten für eine mög­liche Nach­folge Löws gibt es der­zeit nicht. Aber das allein darf kein Argu­ment für eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung des 58-Jäh­rigen Schwarz­wäl­ders sein. Für das kra­chende Schei­tern trägt er die Haupt­ver­ant­wor­tung. Zu der wolle er auch stehen, hatte Löw noch am Abend der Schmach gesagt.

Doch auch dar­über hinaus muss sich einiges gewaltig ändern inner­halb der Mann­schaft und um sie herum. Inso­fern wäre einer wie Klins­mann jetzt nicht als Trainer, son­dern als radi­kaler Auf­räumer gefragt. Man könnte den Wahl­ka­li­for­nier in regel­mä­ßigen Abständen ein­fliegen lassen – so, wie er es auch bis zur Heim-WM 2006 tat. Das hatte zwar damals die Hin­ter­bänkler des Sport­aus­schusses im Bun­destag auf die Bar­ri­kaden gebracht, sie wollten ihn des­halb sogar ins Hohe Haus ein­be­stellen. Doch Klins­manns Wirken gilt bis heute als Erwe­ckungs­er­lebnis auf dem Weg zum vierten Stern.

Auf­ge­blähter Betreu­er­stab

Aus dieser Anfangs­zeit sind heute noch die füh­renden Köpfe übrig­ge­blieben: Neben Löw und Bier­hoff der Tor­wart­trainer Andreas Köpke sowie der Team­p­sy­cho­loge Hans-Dieter Her­mann, der schwei­ze­ri­sche Chef­scout Urs Sie­gen­thaler, die ame­ri­ka­ni­schen Fit­ness­trainer Shad For­sythe und Mark Ver­stegen. Sie alle sind über die Jahre zum Estab­lish­ment geworden beim DFB. Viel bedenk­li­cher ist, dass sämt­liche Bereiche rund um das Team auf ein schier nicht mehr ver­träg­li­ches Maß ange­schwollen sind. Auf jeden der 23 Spieler kamen bei dieser WM zwei Mit­ar­beiter im Betreu­ungs­stab, also ins­ge­samt 46 Mann. Die Reform­ergeb­nisse von Klins­mann sind über die Jahre schlei­chend ein­kas­siert worden.