Oliver Bier­hoff, der Direktor Natio­nal­mann­schaften beim Deut­schen Fuß­ball-Bund, hat am Dienstag noch einmal auf die Beson­der­heiten der anste­henden Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft in Katar hin­ge­wiesen. Es ist ein anderes Tur­nier als alle anderen, die wir bisher erlebt haben“, sagte er und ver­wies vor allem auf den selt­samen Termin in der Advents­zeit. Aber: Die kli­ma­ti­schen Bedin­gungen werden sehr gut sein.“

Auf die anderen Beson­der­heiten des Tur­niers am Ende dieses Jahres ging Bier­hoff bei der Pres­se­kon­fe­renz vor dem Län­der­spiel gegen Ungarn am Freitag in Leipzig (20.45 Uhr, live im ZDF) nicht noch einmal explizit ein: auf die poli­ti­schen Zustände im Land des WM-Aus­rich­ters. Aber das hatte Bier­hoffs Arbeit­geber tags zuvor bereits getan: als der DFB den Kon­gress Sport und Men­schen­rechte: Maß­nahmen vor, wäh­rend und nach der Fifa Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft Katar 2022“ aus­rich­tete.

Die Kritik an der WM darf nicht dazu führen, dass wir keine Lust am Tur­nier haben.“

Oliver Bierhoff

Ziem­lich genau zwei Monate sind es noch, bis die Natio­nal­mann­schaft mit dem Spiel gegen Japan in die WM startet. Mit jedem Tag wächst die sport­liche Dring­lich­keit, zugleich aber auch die gesell­schaft­liche Erwar­tung, dass sich die Natio­nal­mann­schaft in Men­schen­rechts­fragen klar posi­tio­niert. Wir müssen darauf achten, diesen Spagat zu finden, zwi­schen der Ver­ant­wor­tung und dem Bewusst­sein, das wir als Men­schen haben“, sagte Bier­hoff am Montag. Aber die Kritik an Katar dürfe auch nicht dazu führen, dass wir keine Lust am Tur­nier haben. Wir gehen als deut­sche Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft rüber, ver­treten unser Land und wollen erfolg­reich Fuß­ball spielen.“

Beim DFB-Kon­gress berich­tete unter anderem der Geher Jona­than Hil­bert über die Erfah­rungen, die er 2019 bei der Leicht­ath­letik-WM in Doha gemacht hatte. Dass er dabei auch über seine Bedenken sprach, in Katar frei die eigene Mei­nung zu äußern, emp­fand Fuß­ball-Natio­nal­spieler Joshua Kim­mich als krass“. Viel­leicht unter­schätze man das im Vor­feld. Ande­rer­seits: Auf eine WM hat man als Fuß­baller natür­lich extreme Lust.“

Zwölf Jahre zu spät

Trotzdem: Über Katar und die Ver­hält­nisse dort werde zurecht dis­ku­tiert, findet Kim­mich. Das hätte man alles aller­dings schon vor der WM-Ver­gabe wissen können und müssen. Die Miss­stände gab es vorher schon“, sagte Kim­mich. Des­halb kämen die For­de­rungen nach einem Boy­kott, die auch an die Spieler her­an­ge­tragen würden, zwölf Jahre zu spät.

Ähn­lich äußerte sich Hansi Flick. In einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung“ ant­wor­tete der Bun­des­trainer auf die Frage, ob diese WM in Katar richtig sei: Diese Frage hätte schon viel früher beant­wortet werden müssen. Und zwar mit einem Nein! Dass in Katar beim Thema Men­schen­rechte, beim Thema Nach­hal­tig­keit vieles nicht stimmt, ist ja offen­sicht­lich. Aber für Trainer und Spieler ist es die WM, das größte Event, bei dem ent­spre­chender Erfolg ver­langt wird.“

Neue Ver­bands­linie

Nicht immer klang Flick in dieser Ange­le­gen­heit so klar und unmiss­ver­ständ­lich. Aber offenbar ist das jetzt die Linie des Ver­bandes. Bernd Neu­en­dorf, der neue Prä­si­dent des DFB, for­derte am Montag die Ein­rich­tung eines Ent­schä­di­gungs­fonds für aus­ge­beu­tete Arbeiter in Katar. Da stehe auch der Welt­ver­band Fifa in der Ver­ant­wor­tung, sagte er. Auch Louis van Gaal, der Trainer der hol­län­di­schen Natio­nal­mann­schaft, nahm die Fifa in die Pflicht: Wenn du so schlau bist, ein Tur­nier dahin zu ver­geben und Mil­lionen damit ver­dienst, dann musst du das Aus­rich­ter­land auch unter­stützen.“

Dieser Text erscheint im Rahmen unser Koope­ra­tion mit dem Ber­liner Tages­spiegel.