Seite 2: Seine Skills stehen in der Stellenbeschreibung für den kommenden Bundestrainer

Die Kon­flikte zwi­schen Sali­ham­džić und dem Erfolgs­coach nahmen stetig zu. Nie­mand bestreitet, dass auch laut­stark gestritten wurde. Doch die Gerüchte, das Ver­hältnis in der sport­li­chen Füh­rung sei längst zer­rüttet, wollte nie­mand aus dem internen Kreis bestä­tigen. Noch vor einer Woche erklärte Bayern-Prä­si­dent Her­bert Hainer den Streit offi­ziell für beendet. Die beiden Herren hätten sicher nicht immer die­selbe Mei­nung, so der ehe­ma­lige Adidas-CEO, doch sie hätten sich aus­ge­spro­chen und würden nun wieder im Sinne des Erfolgs gemeinsam ihrer Arbeit nach­gehen. Hainer gab sich über­zeugt, dass dies auch weit über das Sai­son­ende hinaus so pas­sieren würde.

Nun aber scheint klar, dass zu diesem Zeit­punkt zumin­dest Hansi Flick keine Zukunft im Team­work mit Brazzo“ mehr erkennen konnte. Um keine Unruhe zu erzeugen, behielt er seine Gedan­ken­spiele bis zum Rück­spiel gegen PSG in der Cham­pions League für sich. Als dann das Vier­tel­final-Aus fest­stand, infor­mierte er zunächst Karl Heinz Rum­me­nigge über seinen Ent­schluss. Der Vor­stands­chef gilt als größter Für­spre­cher von Flick im Verein. Rum­me­nigges Nach­folger als Bayern-Chef, Oliver Kahn, und auch Prä­si­dent Hainer sollen eher auf sach­li­cher Ebene mit dem Coach ver­kehren. Tie­fere Gefühle für­ein­ander gibt es auf beiden Seiten eher nicht. Den­noch wurde Flick im Stile eines auf­rechten Ange­stellten am Don­nerstag auch beim ehe­ma­ligen Tor­wart-Titan vor­stellig, um die For­ma­li­täten der Ver­trags­auf­lö­sung mit Kahn zu bereden. Die Mühe, auch ein extra Gespräch mit Sali­ham­džić zu führen, machte sich der Coach dann aber nicht mehr.

Eine jähe Zäsur

Die Leis­tungs­träger im Bayern-Dress – für die ein Trai­ner­wechsel sonst eher busi­ness as usual ist – zeigten sich vom vor­zei­tigen Abgang bei­nahe geschockt. Das ist eine emo­tio­nale Geschichte gewesen für uns alle. Wir müssen das erst einmal ver­ar­beiten“, sagte Manuel Neuer. Der Keeper hatte im Sommer bekräf­tigt, was für einen unglaub­li­chen Kraftakt auch der Trainer hin­ge­legt habe, als er die Bayern nach der Misere unter Kovac am Ende der Saison 2019/20 in diese Titel­flut führte. Dass es sich doch irgendwie abge­zeichnet haben muss, ließ zumin­dest Thomas Müller durch­bli­cken. Zwar gab er keine Interna preis, doch sein Kom­mentar lässt zumin­dest ansatz­weise Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum, dass sich hinter den Kulissen etwas abge­spielt hat, was den Ent­schluss beschleu­nigte: Genau begründet hat er es nicht“, so Müller über Flicks Ansprache an die Mann­schaft zum bevor­ste­henden Rück­tritt: Das muss er uns auch nicht begründen.“

Sein Abgang ist eine jähe Zäsur. Denn der FC Bayern ver­liert einen Übungs­leiter, der das Zeug gehabt hätte, an der Säbener eine lange Ära zu prägen. Flick hat gezeigt, dass er weiß, wie man ein Team aus Hoch­be­gabten zur Ein­heit ver­schweißt und zu Erfolgen führt. Er hat bewiesen, dass er ein gutes Gespür für die Eitel­keiten von Funk­tio­nären hat, dass er sich selbst nicht über­mäßig wichtig nimmt und weiß, dass Demut die Akzep­tanz eines Bayern-Trai­ners intern und extern erhöht. Und: Er hat in den ver­gan­genen Wochen gezeigt, wie gut er den Umgang mit den Medien beherrscht. Dass er ein klares Per­sön­lich­keits­profil hat, das über reine Net­tig­keit weit hinaus geht. Dass er Kon­flikte locker abmo­de­rieren kann, wenn es sein muss, aber auch eine Ahnung davon hat, wie er die Öffent­lich­keit für seine Belange ein­setzt.

Kurz: Hansi Flick ist ein ziem­lich kom­pletter Trainer, der über sämt­liche wei­chen und auch harten Fer­tig­keiten ver­fügt, die in der Stel­len­be­schrei­bung des nächsten Bun­des­trai­ners auf­tau­chen.

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