Frodi Ben­ja­minsen, in einem schwe­di­schen Bou­le­vard-Magazin stand kürz­lich, Sie hätten sich wäh­rend der Halb­zeit bei­nahe mit Zlatan Ibra­hi­movic geprü­gelt. Was ist wäh­rend des WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiels gegen die Schweden pas­siert?
Ich will nicht mehr dar­über spre­chen.

Wieso nicht?
Ich wurde kom­plett über­rollt von dem Medi­en­echo, das der Geschichte mit Ibra­hi­movic folgte. Außerdem hat das schwe­di­sche Magazin Dinge geschrieben, die ich nie gesagt habe.

Dort hieß es, Sie hätten behauptet, dass Ibra­hi­movic wäh­rend des Spiels mit seinem fan­tas­ti­schen Gehalt ange­geben und sich über die fuß­bal­le­ri­sche Qua­lität Ihrer Mann­schaft lustig gemacht habe.
Als Außen­seiter muss man sich zwar immer einiges anhören, aber diese Aus­sagen haben sich die schwe­di­schen Redak­teure aus­ge­dacht.

Schade, wir hätten gerne gewusst, wie viel Ibra­hi­movic genau ver­dient.
Was gegen Schweden pas­sierte, war ganz normal. Wir kennen das schon aus anderen Spielen gegen die Großen. Wenn es gegen die Färöer nicht läuft, werden die Stars, die viel zu ver­lieren haben, schnell nervös. Als wir mit einem 0:0 in die Halb­zeit gingen, hatten die Schweden Angst sich zu bla­mieren.

Ibra­hi­movic hatte Angst?
Jeden­falls war er sicht­lich genervt. Da kann man schon mal anein­an­der­ge­raten. Wir hatten eine kurze Aus­ein­an­der­set­zung, aber so etwas pas­siert jedes Wochen­ende auf Fuß­ball­plätzen welt­weit. Von einer Prü­gelei kann gar keine Rede sein!

Viel­leicht wäre eine Prü­gelei aus Ibra­hi­mo­vics Sicht auch gar keine gute Idee gewesen. Als Tischler hätten Sie sich in Sachen Kör­per­kraft nicht zu ver­ste­cken brau­chen.
(lacht) Das kann schon sein, aber ich will mich gar nicht prü­geln und habe per­sön­lich nichts gegen Ibra­hi­movic.

Also halten Sie Ibra­hi­movic gar nicht für arro­gant?
Natür­lich ist er arro­gant. (lacht) Das ist sein Stil. So spielt ein Ibra­hi­movic nun einmal. Große Spieler sind immer ein wenig eigen oder arro­gant. Aus­ge­nommen viel­leicht Messi – gegen den hatte ich aller­dings leider noch nicht die Ehre.

Sie spielen seit 1999 für die Färöi­sche Natio­nal­mann­schaft und sind mit 72 Spielen auf dem besten Weg Rekord­na­tio­nal­spieler Ihres Landes zu werden. Wer war bis­lang ihr größter Gegen­spieler?
Es gab viele nam­hafte Spieler, mit denen ich mich messen durfte. Gegen Andrea Pirlo und Robbie Keane zu spielen war über­ra­gend. Aber wenn ich mich fest­legen müsste, würde ich natür­lich Zidane sagen.

Wie ist es, wenn man Werk­tags normal seiner Arbeit nach­geht und am Wochen­ende auf einmal gegen den großen Zizou“ auf dem Platz steht?
Die Woche über ist man schon etwas nervös. Man weiß ja, gegen wen man spielen muss. Als wir 2005 gegen Frank­reich antreten mussten, galt Zizou“ als der beste Fuß­baller der Welt. Für mich als Fuß­ballfan war das natür­lich ein Traum. Auf der anderen Seite hat es aber auch tie­risch genervt, gegen ihn zu spielen.

Warum?
Man kommt prak­tisch nie an den Ball und kann nichts dagegen tun. (Beim WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel am 3.9.2005 in Lens gewann Frank­reich mit 3:0 nach zwei Tref­fern von Dji­bril Cissé und einem Eigentor von Suni Olsen, d. Red.)

Ver­liert man da nicht mal die Nerven und will dazwi­schen grät­schen?
Da habe ich das gleiche Pro­blem wie bei der Bal­ler­obe­rung. Ich komme gar nicht in einen Zwei­kampf mit sol­chen Welt­klas­se­spie­lern! Die sind ein­fach zu schnell. Und wenn ich doch mal einen mit einer Grät­sche erwi­sche, ist der Ball schon lange weg und ich werde vom Schieds­richter bestraft.

Hohe Nie­der­lagen sind für Ihre Natio­nal­mann­schaft die Regel. Wie sieht es mit den fuß­bal­le­ri­schen Erfolgen der Färöer aus?
Jedes Unent­schieden gegen einen grö­ßeren Gegner ist ein Erfolg und wird hier wie ein Sieg gefeiert. Zu den größten gefühlten Siegen zählt für mich die Partie von 2002 gegen Schott­land, in dem wir sogar mit 2:0 vorne lagen – am Ende reichte es immerhin für einen Punkt. (Qua­li­fi­ka­tion für die EM 2004, Schott­land glich spät zu einem 2:2 aus, Berti Vogts saß auf der Trai­ner­bank der Schotten, d. Red.) Oder als wir 2009 in der WM-Quali gegen Öster­reich 1:1 spielten. Unver­gess­lich.

Deutsch­land brachten Sie in der Qua­li­fi­ka­tion für die EM 2004 auch schon einmal an den Rande eines Unent­schie­dens. Erin­nern Sie sich an die Partie?
Kurz vor Ende stand es 0:0, wir ver­loren den­noch mit 0:2. (Klose und Bobic trafen kurz vor Schluss in der 89. und 92., d. Red.) Im Rück­spiel waren wir dem Unent­schieden sogar noch näher. Deutsch­land führte mit 2:1, wir hatten in der letzten Sekunde noch einen Pfos­ten­schuss, der unglück­li­cher­weise nicht rein­ging. Gefeiert wurden wir trotzdem von unserem Publikum.

Kürz­lich trafen Sie in der WM-Qua­li­fi­ka­tion erneut auf die deut­sche Mann­schaft. Alt­ge­diente Spieler wie Oliver Kahn sagen, der aktu­ellen deut­schen Mann­schaft fehle es an Biss und Abge­brüht­heit. Wie war Ihr Ein­druck von diesem jungen deut­schen Team?
Im deut­schen Team sind viele gute Spieler. Das ist der Unter­schied zu Schweden. Schweden hat nur Ibra­hi­movic als Aus­hän­ge­schild, des­wegen fühlt er sich dann auf dem Platz auch als etwas Beson­deres. Das Niveau der Deut­schen ist durch­ge­hend hoch, daher sind sie nicht so abge­hoben. Gegen uns haben die Deut­schen dann auch nichts anbrennen lassen. Wir waren kaum am Ball, nach meinem Geschmack war es am Ende für sie ein wenig zu ein­fach. (Deutsch­land gewann Anfang Sep­tember nach einem Treffer von Götze und einem Dop­pel­pack von Özil mit 3:0 gegen die Färöer, d. Red.)

Frodi Ben­ja­minsen, die Färöer haben gerade einmal 48.000 Ein­wohner, trotzdem brachte Ihre Natio­nal­mann­schaft schon manche Nation an den Rand einer Bla­mage. Was ist ihr Geheimnis?
Viel­leicht liegt es an der Lei­den­schaft: Die Färöer lieben den Fuß­ball. Hier kennt jeder jeden und alle unter­halten sich über Gesprächs­thema Nummer eins: Fuß­ball. Ganz egal, ob es gegen Frank­reich, Deutsch­land oder die ein­hei­mi­sche Liga geht.