Sascha Rösler, Sie sind bereits viermal in die Bun­des­liga auf­ge­stiegen. Was ist der Unter­schied zwi­schen einem nor­malen“ und einem Rele­ga­tions-Auf­stieg?
Es sind zwei völlig unter­schied­liche Dinge, wenn der Auf­stieg vier Wochen vorher fest­steht oder man es erst im letzten Moment packt. Diese beiden Arten von Auf­stieg möchte ich nicht mit­ein­ander ver­glei­chen.

Was macht den Reiz der Rele­ga­tion aus?
Alleine die Aus­gangs­lage ist doch span­nend: Der 16. der Bun­des­liga hat meist eine ent­täu­schende Saison hinter sich, der Dritte der zweiten Liga eine gute. Trotzdem ist die Rele­ga­tion für beide eine Ent­weder-oder-Situa­tion: Ent­weder ich werde zum Helden oder die ganze Saison ist für die Katz.

Trotz der unter­schied­li­chen Aus­gangs­lage: Spürt man als Zweit­li­gist eigent­lich Arro­ganz von Seiten des Erst­li­gisten?
Ich habe das damals in der Rele­ga­tion nicht gespürt. Es mag sein, dass der ein oder andere Spieler durchaus an den Klas­sen­un­ter­schied denkt. In der Regel hat der 16. der Bun­des­liga aber ja keine Glanz­saison gespielt. Arro­ganz wäre des­wegen voll­kommen deplat­ziert. Dar­über würde ich eher lachen.

Es heißt immer wieder, der Zweit­li­gist habe eher einen Vor­teil, weil er zunächst aus­wärts ran darf. Ist das tat­säch­lich so?
Wenn das zweite Spiel im eigenen Sta­dion statt­findet, ist die Chance viel­leicht größer, das Ergebnis umzu­biegen. Ins­ge­samt glaube ich aber nicht, dass es ein Vor­teil ist. Der Erst­li­gist kann auch schon im Hin­spiel alles klar­ma­chen.

Sie standen 2012 mit Düs­sel­dorf gegen Hertha BSC in der Rele­ga­tion. War es schwer, sich nach dem eigent­li­chen Liga-Ende noch einmal auf zwei End­spiele“ ein­zu­stellen?
Wir wussten, dass sich in diesen Spielen die Saison ent­scheidet. Bei Liga­spielen hatten wir unsere nor­malen Abläufe. Die konnten wir vor der Rele­ga­tion jedoch ver­gessen. Wenn der Aus­gang der kom­pletten Saison an diesen zwei Spielen hängt, ist vor allem die men­tale Stäke wichtig.

Was hieß das kon­kret für die Vor­be­rei­tung?
Für uns war es ja damals schon ein Erfolg, dass wir über­haupt in der Rele­ga­tion standen. Das hatte vor der Saison nie­mand von For­tuna Düs­sel­dorf erwartet. Unser Trainer Nor­bert Meier hat daher auch wenig geän­dert. Er hat Ruhe bewahrt und immer wieder gepre­digt, dass wir uns nicht ver­rückt machen sollen.

Wie sind Sie damals selber mit der Situa­tion umge­gangen?
Ich habe an nichts mehr anderes gedacht, habe nachts schlecht geschlafen und konnte es kaum erwarten, dass es los­geht. Der Druck ist enorm und das Gefühl nach einem erfolg­rei­chen Auf­stieg ein­fach nur unglaub­lich. Auch wenn das bei uns ein biss­chen abge­schwächt wurde.

Sie spielen auf die Gescheh­nisse rund um das Rück­spiel an. Fans stürmten den Platz, im Anschluss sahen sich die Ver­eine wochen­lang vor Gericht. Mit wel­chen Gefühlen schauen Sie heute zurück?
Wegen dieser Gescheh­nisse wurde der Auf­stieg mit For­tuna nicht zum rich­tigen High­light. Wir haben in der Nacht nach dem Spiel zwar schon gefeiert, am nächsten Tag habe ich aber schon die belas­tete Stim­mung gespürt. Es ging nur noch um Skan­dale“, eine angeb­liche Schande“ und die Recht­mä­ßig­keit des Ergeb­nisses. Als wir dann aus Berlin gehört haben, dass Hertha Ein­spruch ein­legen will, kippte die Auf­stiegs­eu­phorie in pure Ent­täu­schung um.

Wie sehr hat Sie genervt, dass Hertha Ein­spruch ein­legen wollte?
Der Verein hatte Fei­er­lich­keiten geplant, die abge­sagt werden mussten, wir Spieler mussten unsere Mal­lorca-Tour absagen. Wir waren also extrem genervt. Aber mal ehr­lich: Das, was die Hertha-Leute da aus­ge­sagt haben, war ja auch über­trieben. Ihre Äuße­rungen über Angst­zu­stände“ hätten sie sich ver­mut­lich besser gespart.

War die ganze Auf­re­gung um diesen Platz­sturm über­trieben?
Auf jeden Fall. Leider wurde das von den Medien derart hoch­ge­pusht. Mich hat richtig geär­gert, dass einige Medien über eine Eska­la­tion unserer Fans berichtet haben. Die vielen For­tunen wollten ein­fach nur feiern und waren total fried­lich.

In diesem Jahr trifft Ihr Ex-Verein, die SpVgg Greu­ther Fürth, in der Rele­ga­tion auf den Ham­burger SV. Wie bewerten Sie die Aus­gangs­lage?
Wenn ich diese beiden Mann­schaften nomi­nell gegen­über­stelle, ist Ham­burg natür­lich deut­lich besser bestückt und der große Favorit. Das zählt in der Rele­ga­tion aber nur bedingt. Für mich hat Fürth einen klaren Vor­teil.

Wel­chen?
In sol­chen Spielen ist die men­tale Seite ent­schei­dend. Fürth hat nichts zu ver­lieren. Wenn sie es am Don­nerstag und Sonntag nicht schaffen, macht ihnen ver­mut­lich keiner einen Vor­wurf. Das ist beim HSV anders. Der hat im Sta­dion bei­spiels­weise eine Uhr hängen, die tickt und tickt und tickt. Die ganze Stadt, fast kom­plett Fuß­ball-Deutsch­land schaut darauf. Das kommt den Für­thern ent­gegen.

Der HSV hat aus den letzten zwölf Spielen nur acht Punkte geholt. Fürth in glei­chem Zeit­raum 23. Ist es fair, dass der Erst­li­gist in der Rele­ga­tion noch einmal die Chance auf den Klas­sen­er­halt bekommt?
Das habe ich mich auch schon ein paar Mal gefragt. Als wir 1999 mit Ulm Dritter geworden sind, war ich froh, dass wir keine Rele­ga­tion spielen mussten (lacht). Über die Fair­ness der Rele­ga­tion lässt sich streiten. Die Regel ist da, das müssen wir alle akzep­tieren. Ich glaube, dass die zwei Spiele als attrak­tiver Abschluss der Saison ein­ge­plant sind.

Ist die Rele­ga­tion dann nicht bloß Show?
Die Leute wollen unter­halten werden. Natür­lich ist das Show. Ehr­lich gesagt finde ich den Ner­ven­kitzel als Zuschauer auch span­nend. Als Spieler eines Zweit­li­gisten würde ich aber sagen: Das ist unge­recht!