Auf dem Papier ist es eines dieser Test­spiele, die mit Sai­son­be­ginn ver­gessen sind. Mac­cabi Haifa und der OSC Lille treffen sich im Sta­dion von Bischofs­hofen, dem Ort nahe Salz­burg, eher bekannt für seine Ski­sprung­schanze als für denk­wür­digen Fuß­ball. Mit Mo Idrissou bei Haifa und Simon Kjaer bei Lille stehen an diesem 23. Juli zwei Ex-Bun­des­li­ga­spieler auf dem Rasen, Kjaer trifft zum 2:0 für die Fran­zosen. Das sind immerhin bekannte Namen, aber den­noch bleibt es ein eher bedeu­tungs­loses Freund­schafts­spiel.

Eigent­lich. Denn der Trai­nings­kick in Öster­reich wird vom Krieg zwi­schen Israel und der Hamas ein­ge­holt. Wäh­rend Raketen in Rich­tung Tel Aviv und Bomben auf Gaza fliegen, spielen sich in Bischofs­hofen an diesem 23. Juli beschä­mende Szenen ab. Es endet im Platz­sturm und mit einem Spiel­ab­bruch.

Damit hat keiner gerechnet“

Der Sta­di­on­spre­cher von SK Bischofs­hofen Fritz Wind­pichler berichtet 11FREUNDE, dass etwa 10 – 20 Jugend­liche zur zweiten Halb­zeit die Tri­büne betreten hätten. In der Folge sollen sie tür­ki­sche Fahnen und Banner mit anti-israe­li­schen Bot­schaften gezeigt haben. Die israe­li­sche Flagge wurde mit dem Spruch Fuck Israel“ über­sprüht. Das muss eine spon­tane Aktion gewesen sein, damit hat keiner gerechnet“, sagte Wind­pichler. Gegen Ende der Partie sprangen die Jugend­li­chen über die Bande und liefen aufs Spiel­feld.

Ein Mit­ar­beiter von Mac­cabi Haifa berichtet, dass die Spieler wäh­rend der Partie mit Rufen und Trans­pa­renten gegen Israel pro­vo­ziert worden seien. Funk­tio­näre und Akteure hätten dies igno­riert und sich auf das Spiel kon­zen­triert. In der 85. Minute sei dann die Gruppe von den Rängen aufs Feld gestürmt.

Auf einem Video ist die hef­tige Aus­ein­an­der­set­zung mit Schlägen und Tritten zwi­schen den Jugend­li­chen und Spie­lern von Mac­cabi Haifa zu sehen. Ordner lösten das Hand­ge­menge auf, der Schieds­richter brach das Spiel ab. Der Mit­ar­beiter des israe­li­schen Ver­eins betonte, dass die Spieler von den Platz­stür­mern atta­ckiert worden seien und sich dar­aufhin ver­tei­digten.

Das Lan­desamt für Ver­fas­sungs­schutz in Salz­burg hat mitt­ler­weile Ermitt­lungen gegen etwa 20 Per­sonen ein­ge­leitet, bis­lang gehe man von einer Anklage wegen Kör­per­ver­let­zung und Nöti­gung aus. Fast alle Iden­ti­täten seien bisher geklärt, es han­dele sich zumeist um tür­kisch­stäm­mige Öster­rei­cher. Nach dem Spiel war aller­dings nie­mand fest­ge­nommen worden, weil es keine Ver­letzten gegeben habe. Ob auch gegen Spieler von Haifa ermit­telt wird, ent­scheide sich erst nach der Ana­lyse des Video­ma­te­rials. Bis­lang gehen wir davon aus, dass sich die Spieler nur gewehrt haben“, sagte ein Spre­cher der Polizei Salz­burg.

Araber und Juden spielen zusammen

Uns geht es nur darum, Fuß­ball zu spielen. Politik hat bei diesem Spiel nichts ver­loren“, heißt es in einem State­ment von Mac­cabi. Gerade dieser Verein hat sich um den Dialog zwi­schen den Reli­gionen bemüht. Der Kader von Haifa besteht zu fast einem Drittel aus Spie­lern mit mus­li­mi­schen Glauben, seit Jahr­zehnten spielen im Team aus der Hafen­stadt Araber und Juden zusammen. Es ist so etwas wie ein Vor­zei­ge­pro­jekt – nicht zu ver­glei­chen bei­spiels­weise mit der offen islam­feind­li­chen Stim­mung im Sta­dion von Beitar Jeru­salem.

Wir haben das über­haupt nicht erwartet“

Auch Hannes Empl war von den Ereig­nissen völlig über­rascht. Der Öster­rei­cher orga­ni­siert seit Jahren die Trai­nings­lager von Mac­cabi. Für die Mann­schaft ist aber mitt­ler­weile alles ok, denen gefällt es hier, so wie die letzten zehn Jahre auch.“ Das israe­li­sche Team, das in einem Hotel in Leo­gang unter­ge­bracht ist, sei relaxt“. Vor dem Spiel gegen Lille habe es solche Zwi­schen­fälle nicht gegeben. Vor wenigen Tagen war es auch beim 1:1‑Unentschieden gegen Braun­schweig ruhig geblieben.

Der Verein will auf jeden Fall ein Zei­chen setzen und sein Trai­nings­lager nicht abbre­chen. Haifa will bis zum kom­menden Sonntag in Öster­reich bleiben und wird den Rück­flug nach Israel nicht vor­ziehen. Für das Spiel gegen den SC Pader­born am kom­menden Samstag in Kirch­bichl bei Wörgl sollen nun mehr Sicher­heits­kräfte mobi­li­siert werden.

Die zustän­dige Poli­zei­stelle in Kuf­stein bestä­tigte auf Nach­frage, dass das Poli­zei­auf­gebot für das Spiel erhöht werde. Pader­born kün­digte an, beim Spiel per­so­na­li­sierte Ein­lass­kon­trollen durch­zu­führen. Der öster­rei­chi­sche Bun­des­kanzler Werner Fay­mann sagte: Über­griffe auf Sportler, die ihre Sai­son­vor­be­rei­tung in Öster­reich absol­vieren, sind absolut nicht zu tole­rieren.“