René Adler
Alle reden von Rafael van der Vaart. Tat­säch­lich war aber René Adler Garant der letzten HSV-Erfolgs­er­leb­nisse. Gegen Han­nover hätte der Tor­hüter sogar Fels­bro­cken und Eis­zapfen pariert. Es kam, wie es kommen musste. Ja, ver­gan­gene Woche fragten wir bereits, wann Adler wieder mit der Natio­nalelf in Ver­bin­dung gebracht wird. Diese Woche wissen wir: Jetzt! In der Ham­burger Mor­gen­post“ durfte Rafael van der Vaart sagen: René ist ein­fach unglaub­lich, schon wieder hat er ein Spiel für uns gewonnen. Auch der Bun­des­trainer sieht die Spiele. Ich kann mir nicht vor­stellen, dass er ihn jetzt nicht in seinen Kader holt.“ Und der Vor­stands­vor­sit­zende Carl Jar­chow ergänzte: Soweit ich weiß, hat der DFB René ohnehin nie aus den Augen ver­loren.“

Marcos Antonio
Erste Pass gleich scheiße“, sagte Dra­goslav Ste­pa­novic einmal und for­mu­lierte so eine der besten Ana­lysen der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Und nun: Was soll man zum Bra­si­lianer Marcos Antonio sagen? Es war nicht nur der erste Pass im Spiel, son­dern seine erste Ball­be­rüh­rung in der Bun­des­liga über­haupt, die zum Gegen­treffer für den VfB Stutt­gart führte. Als Antonio mit seiner vierten oder fünften Ball­be­rüh­rung den Stutt­gar­tern erneut eine Groß­chance ermög­lichte, erlöste Dieter Hecking ihn nach nur 16 Minuten von seinem Leid. Die Pes­si­misten unter den Nürn­berger Fans erin­nerten sich an Vlado Kasalo. Die Opti­misten klam­merten sich an eine andere Weis­heit: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“ (Andreas Brehme)

Luiz Gus­tavo
Manchmal träumen wir, dass wir in ein aus­ver­kauftes Sta­dion ein­laufen. Dann träumen wir, dass wir 20 Meter vor dem Tor den Ball am Fuß führen und die Men­schen sich langsam erheben. Ein Raunen legt sich über den Tempel und wir sehen, dass der Tor­wart zu weit vor seinem Kasten steht, wir schlenzen den Ball, wir schlenzen den Ball so per­fekt, dass kein Tor­wart der Welt eine Chance hat, seine Hände zwi­schen den Ball und das Tor zu bekommen. Der Ball fällt ein­fach hinter ihm in die Maschen. Das Sta­dion wackelt – und wir ver­neigen uns. Luiz Gus­tavo hat so ein Tor erzielt. Und wir? Wir wachen nach sol­chen Träumen auf der Wohn­zimmer-Couch auf und über den Bild­schirm flim­mert das Nacht­pro­gramm von Son­nen­klar-TV“ oder RTL2.

Marco Reus
Marco Reus traf gegen Borussia Mön­chen­glad­bach dop­pelt. Das zweite Tor war so sehens­wert, dass uns das Pop­corn aus dem Mund fiel und wir minu­ten­lang auf dem Boden nach Worten suchten. Und dann schauten wir uns drei- oder viermal die Wie­der­ho­lung an und stellten dann fest, dass Reus gar nicht jubelte. Ach, Glad­bach, ja, das ist sein Ex-Klub. Da darf man ja bekannt­lich nicht jubeln, weil man noch starke Gefühle hegt und die Fans arg­wöh­nisch gucken und das eine Sache von Respekt und Anstand ist. Es ist: kom­pli­ziert.

Sidney Sam
Umso aus­ge­fal­lener darf man jubeln, wenn man kurz­zeitig weg vom Fenster war. So wie Sidney Sam. Der wurde ver­gan­gene Woche vom Amts­ge­richt Düs­sel­dorf zu 600 Euro Geld­strafe und einem Monat Fahr­verbot (Alkohol am Steuer) ver­ur­teilt. Sam ließ das anschei­nend kalt. Er kam gegen Fürth zur zweiten Halb­zeit ins Spiel und schoss inner­halb von 13 Minuten zwei sehens­werte Tore. Danach zeigte er mit beiden Daumen – wie das mitt­ler­weile so üblich ist – auf den Rücken seines Tri­kots. Wir lasen dort: Sam. Ein wahr­haft schwierig zu mer­kender Name.

Alex Meier
Bis­lang war es doch immer so: Frank­furts Alex Meier war irgendwie zu gut für die zweite und irgendwie zu schwach für die erste Liga (zumin­dest die Erst­li­ga­spitze). Nach seinen beiden Toren gegen den SC Frei­burg (End­stand 2:1) hat Meier nun in sechs Spielen vier Tore erzielt und eine Vor­lage gegeben. So langsam drängt sich der Ver­dacht auf, dass der 1,96 Meter-Mann doch ein ganz pas­sa­bler Erst­li­ga­ki­cker ist. Sagen­haft schön sein 1:1 in der 68. Minute. Eine eigent­lich etwas zu scharf getre­tene Flanke von Kol­lege Oczipka ließ Meier an sich abprallen, um den Ball dann mit einem Vol­ley­schuss aus der Dre­hung im Frei­burger Tor zu ver­senken. Das 2:1 nur fünf Minuten später erzielte der Hüne gewohnt per Kopf. Er musste dafür nicht einmal hoch­springen.

Klaas-Jan Hun­telaar
Diese 553 Minuten wird For­tunas Tor­wart Fabian Giefer wohl nicht ver­gessen. 553 Bun­des­li­ga­mi­nuten blieb der Schluss­mann ohne Gegentor, auch ein Grund dafür, warum der Auf­steiger einen sol­chen Fabel­start hin­legte. Gegen Schalke 04 brauchte es dann schon einen der besten Tor­jäger Europas, um Giefer end­lich zu bezwingen: Klaas-Jan Hun­telaar. Der zeigte bei seinem Treffer sämt­liche Fähig­keiten eines aner­kannten Voll­stre­ckers: Kör­per­täu­schung gegen zwei Gegen­spieler, Zug zum Tor, Abschluss aus 17 Metern mit links – Tor. Mit so einem Treffer darf die Serie dann schon mal reißen.

Art­joms Rud­nevs
Noch mal Schwein gehabt, Art­joms Rud­nevs! Der Lette, vor der Saison als Heils­bringer für die vor sich hin­sie­chende Ham­burger Offen­sive ver­pflichtet, war bereits auf dem besten Wege, sich den Ruf des größten Chan­cen­todes seit Alex Zickler zu erwerben, doch dann schoss er am 5. Spieltag sein erstes Sai­sontor gegen Borussia Mön­chen­glad­bach und ges­tern sogar das sieg­brin­gende 1:0 gegen Han­nover 96. Jetzt ist der Alex-Zickler-Ver­gleich erstmal in weite Ferne gerückt, obwohl der Ver­dacht bleibt, dass Rud­nevs der Stürmer mit den meisten ver­ge­benen Groß­chancen der lau­fenden Bun­des­liga-Saison ist. Aber so lange kein 11FREUNDE- Satellit über den Sta­dien der ersten Liga kreist, können wir das nur behaupten, nicht beweisen.

Heri­bert Bruch­hagen
Ehr­lich­keit ist eine Zier, viel weiter kommt man ohne ihr. Gerade im Fuß­ball. Man muss es Frank­furts Ver­eins­boss Heri­bert Bruch­hagen des­halb hoch anrechnen, dass er in der ständig weiter geführten Debatte zum Thema Fan-Gewalt ein­fach mal Fra­ge­zei­chen ein­ge­räumt hat. Ich habe viele Ideen und Lösungs­an­sätze, wenn es darum geht, diesen Verein sport­lich und wirt­schaft­lich nach vorne zu bringen. Aber bei dieser Pro­ble­matik (der Fan-Gewalt) bin ich ratlos. Ein­fach nur ratlos“, sagte Bruch­hagen in einem Inter­view mit der Welt am Sonntag“. So wie Bruch­hagen wird es wohl den meisten Ver­eins­ma­chern gehen: Sie haben ein­fach zu wenig Ahnung von ihrer Fan­szene. Das muss man nicht gut heißen, aber immerhin hat mal jemand gesagt, wie es ist.

Mat­thias Sammer
Man kann Mat­thias Sammer ja ver­stehen. Da kommt er zu den Bayern, um den Laden mal richtig zu ent­rüm­peln, mit der Ket­ten­säge aus­zu­misten, mit dem Feu­er­wehr­schlauch abzu­spritzen und dann so was: Die Bayern eilen ein­fach pro­blemlos von Sieg zu Sieg, sind quasi jetzt schon Meister und – was das Aller­schlimmste ist – haben sich alle ganz lieb. Zu viel für Sammer, der was für seinen Ruf tun musste und nach dem sicheren 2:0‑Sieg seiner Mann­schaft gegen Werder Bremen los­pol­terte: Wir waren nicht hell­wach, wir waren nicht gallig. Es war lange Zeit rich­tiger Käse!“ Zack, das hatte gesessen! Doch dann dieses: Gegen­über Bild“ gab Sammer anschlie­ßend zu, dass sein Auf­tritt mit Trainer Jupp Heynckes abge­spro­chen sei, damit, so Sammer, wir nicht nicht irgend­wann alle mit hän­genden Schul­tern rum­laufen, weil so viele drauf­ge­klopft haben.“ Ah ja.

Der Bayern-Bus
Die Riva­lität zwi­schen Werder Bremen und dem FC Bayern Mün­chen ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Früher gingen sich die poli­ti­schen Rivalen Lemke und Hoeneß noch bei jeder Klei­nig­keit verbal an die Gurgel, wurden die unehe­li­chen Partner von Oliver Kahn bei jeder pas­senden Gele­gen­heit vom Bremer Anhang ver­un­glimpft – heute wird das Num­mern­schild des Bayern-Busses geklaut. So geschehen vor dem Spiel der Mün­chener in Bremen am Samstag. Das Gefährt musste dar­aufhin von der Polizei Rich­tung Sta­dion eskor­tiert werden, um vor­ei­lige Strei­fen­po­li­zisten von Straf­zet­teln abzu­halten. Obwohl das ja wie­derum ein viel bes­serer Streich gewesen wäre.