Herr Stie­like, erste Frage in diesen Zeiten: Wie geht es Ihnen gesund­heit­lich? Sind Sie oder Ihre Familie direkt vom Coro­na­virus betroffen?
Da ein Fami­li­en­mit­glied positiv getestet wurde, mussten wir Ende März mit sieben Per­sonen für 14 Tage in häus­liche Qua­ran­täne. Keiner hatte jedoch irgend­welche Sym­ptome und alle sechs übrigen Per­sonen wurden negativ getestet

Sie stehen momentan bei Tianjin Teda in China unter Ver­trag. Wie ist die Situa­tion vor Ort?
Die Lage vor Ort nor­ma­li­siert sich jeden Tag mehr, das Team geht einem gere­gelten Trai­nings­rhythmus nach. Die Ein­heiten werden momentan von meinen Co-Trai­nern, mit denen ich in täg­li­chem Aus­tausch stehe, geleitet.

Sie befinden sich also momentan in Deutsch­land?
Richtig, ich war auch die ganze Zeit über in Bochum und warte nun schon seit Wochen auf eine Ein­rei­se­ge­neh­mi­gung.

Heute vor genau 40 Jahren standen Sie mit Real Madrid im Finale der Copa del Rey. So ein Tag ist zwei­fels­ohne immer etwas Beson­deres, aber in diesem Falle han­delt es sich um ein his­to­ri­sches Ereignis im spa­ni­schen Fuß­ball: Sie trafen auf Ihre eigene zweite Mann­schaft, Real Madrid Cas­tilla. Wie haben Sie den Tag in Erin­ne­rung?
Für mich per­sön­lich war der Tag sehr kurios: Ich bin näm­lich am glei­chen Tag aus Mün­chen ange­reist. Dort fand am 3. Juni das Abschieds­spiel für Sepp Maier zwi­schen dem FC Bayern und der deut­schen Natio­nal­mann­schaft statt. Real Madrid ist dem Wunsch sei­tens des DFB für meine Abstel­lung nach­ge­kommen. Im Finale wurde ich dann nach dem 4:0 in der 63. Minute aus­ge­wech­selt.

Uli Stie­like

wech­selte 1977 von Borussia Mön­chen­glad­bach zu Real Madrid. Mit den König­li­chen gewann er drei Meis­ter­titel und holte 1985 den UEFA-Cup. Seit dem 11. Sep­tember 2017 ist er Trainer des chi­ne­si­schen Erst­li­gisten Tianjin Teda.

Die Cas­tilla hatte sich in den Runden bis zum Finale sen­sa­tio­nell gegen vier Erst­li­gisten durch­ge­setzt, und das im Euro­pa­pokal-Modus, also mit Hin- und Rück­spiel. Wie schätzen Sie die Leis­tung von damals ein?
Das war eine gran­diose Leis­tung, denn immerhin warfen sie mit Ath­letic Bilbao, Real Sociedad und Spor­ting Gijón drei Top-Ver­eine der dama­ligen Zeit aus dem Wett­be­werb.

Wie war die Bezie­hung zur Cas­tilla? Wurde gele­gent­lich gemeinsam trai­niert? Ist man sich täg­lich begegnet?
Gemein­same Trai­nings­ein­heiten gab es keine, aber natür­lich ist man sich des Öfteren über den Weg gelaufen oder hat sich Spiele von Cas­tilla ange­schaut.

Gibt es Spieler aus der Zweiten“, mit denen Sie privat zu tun hatten?
Etliche der Jungs fanden später den Weg zu uns in die erste Mann­schaft. Mit einem davon, Ricardo Gal­lego, habe ich nach wie vor Kon­takt. Auch er arbeitet in China, in der Jugend­aka­demie von Guang­zhou Ever­grande, die eine Koope­ra­tion mit Real Madrid pflegt.

Obwohl es offi­ziell das Pokal­fi­nale war: Die Partie gegen die Cas­tilla war immer noch ein Spiel im eigenen Sta­dion gegen den eigenen Nach­wuchs. Da kann sicher schnell eine Art Trai­nings­spielmen­ta­lität“ auf­kommen, oder?
Richtig ist, dass man sich in der Füh­rungs­etage auf dieses Spiel bezogen seiner Sache offen­sicht­lich recht sicher war – ansonsten hätte mich der Club nie und nimmer zur Natio­nal­mann­schaft reisen lassen. Als Spieler musst du aller­dings eine leis­tungs­för­dernde Span­nung auf­bauen, denn die Zuschauer erwar­teten einen Sieg des klaren Favo­riten.