Es war keine schöne Begleit­musik, die gespielt wurde, als die Akteure des FC Bayern bei Heim­spielen wäh­rend der Halb­zeit vom Spiel­feld zur Kabine mar­schierten. Die Kom­po­si­tion war denkbar ein­fach, die Inter­preten waren die Fans des Ver­eins. Es war ein gel­lendes Pfeif­kon­zert, das schließ­lich den Krach eines star­tenden Kampf­jets erreichte. Die Pfiffe hinter den Toren wurden immer lauter, sie wurden so laut, dass sich die Ver­ant­wort­li­chen des FC Bayern bei­nahe genö­tigt sahen, sich vom neuen Trainer zu trennen.

Ein­ein­halb Jahre ist das her, die Halb­zeit­er­geb­nisse von damals lesen sich so schreck­lich, wie es gewesen ist: 0:1 gegen Bremen, 0:0 gegen Nürn­berg, 0:0 gegen Turin, 0:0 gegen Köln, 0:0 gegen Frank­furt, 0:1 gegen Bor­deaux, 0:0 gegen Haifa. Der neue Trainer Louis van Gaal hatte seiner Elf ein Kon­zept ver­passt, das den Besitz des Spiel­ge­räts als höchste Maxime ausgab. Das war ein paar Minuten lang schön anzu­sehen, irgend­wann jedoch wurde es schreck­lich öde.

Wie dieses Kon­zept aus­sehen kann, wenn es in Rein­form und Per­fek­tion prak­ti­ziert wird, das prä­sen­tierte der FC Bayern dann in der Rück­runde der ver­gan­genen Saison. Ver­zwei­felt hechelten die geg­ne­ri­schen Akteure dem Ball hin­terher, und wenn sie müde genug waren, dann kom­bi­nierten die Münchner schnell und sicher und erzielten als logi­sche Kon­se­quenz sehens­werte Treffer. Wieder erreichte der Lärm in der Münchner Arena Kampfjet-Niveau, doch diesmal waren es die Jubel­schreie der eigenen Fans – und wer genau hin­hörte, der bemerkte sogar, dass man­cher geg­ne­ri­sche Fan ver­zückt auf­schrie.

Quer­pass, Quer­pass und dann noch ein Quer­pass

Konnte man nun die Nie­der­lage gegen Dort­mund noch der aus­ge­feilten Taktik, der cho­reo­gra­phierten Defen­sive und dem schnellen Umschalten des Geg­ners zuschreiben, wirkte die Partie gegen Schalke wie eine Erin­ne­rung an den Herbst 2009. Mit ein­fachsten tak­ti­schen und fuß­bal­le­ri­schen Mit­teln gelang es Schalke, den FC Bayern weit­ge­hend vom eigenen Straf­raum fern­zu­halten, die Münchner dagegen wirkten ob dieser nun wahr­lich nicht inno­va­tiven Art zu ver­tei­digen arg ideenlos. Es gab einen Quer­pass, dann noch einen Quer­pass und dann noch einen Quer­pass.

Im Herbst 2009, da warb Louis van Gaal noch um Ver­ständnis. Die Spieler müssten erst sein Kon­zept ver­stehen und ver­in­ner­li­chen, dann werde es ein Offen­siv­spek­takel geben. Der Verein ver­traute ihm – und wurde belohnt mit zwei Titeln und dem Errei­chen des Cham­pions-League-End­spiels.

Nur selten Spek­takel wie gegen Inter Mai­land

Nach der Nie­der­lage gegen Schalke indes hatte es den Anschein, als wüsste Louis van Gaal selbst nicht so recht, warum es der­zeit nur selten Spek­takel wie gegen Inter Mai­land gibt. Der Trainer führte das feh­lende Glück an, die unglück­li­chen Pfiffe der Schieds­richter und die man­gelnde Kör­per­größe seiner Mann­schaft.

Gegen Schalke gab es zur Halb­zeit ein paar Pfiffe zu hören. Leise waren sie, sehr leise. Sollte es jedoch nicht bald wieder Spek­takel geben, dann werden sie lauter werden. Viel lauter.