Mirko Slomka
Noch ver­gan­gene Woche machten wir uns an dieser Stelle dar­über lustig, was für ein hoff­nungs­loses Unter­fangen es sei, den leb­losen HSV zu reani­mieren. Diese Woche möchten wir uns dafür ent­schul­digen, auch weil wir Mirko Slomka für eine Art Voodoo-Priester halten, der die Toten wieder zum Leben erwe­cken kann und des­wegen ein biss­chen Angst vor ihm haben. Noch vor einer Woche in Braun­schweig lag das Team hilf­loser am Boden als der ein oder andere Kol­lege gegen Ende der Weih­nachst­feier, Slomka aber hat es irgendwie geschafft, die Mann­schaft wieder auf die Beine zu stellen. Gegen Dort­mund, prin­zi­piell eigent­lich eher kein Auf­bau­gegner, era­ckerte sich der HSV fern jeg­li­cher Schlud­rig­kijt ein sen­sa­tio­nelles 3:0 und einige der Ham­burger Anhänger dürften heute arbeits­un­fähig sein, weil sie sich ob der völlig uner­war­teten Dar­bie­tung ihrer Mann­schaft die Augen blutig gerieben haben. Aber viel­leicht hat Voodoo-Priester Slomka da ja auch ein Mit­tel­chen parat. 

Slo­bodan Raj­kovic
An dieser Stelle könnte ebenso Petr Jiracek stehen, denn auch Ham­burgs lange ver­schmähter Mit­tel­feld­spieler mit der ele­ganten Gebraucht­wa­gen­händler-Frise, der am Samstag das wich­tige 1:0 schoss, steht exem­pla­risch für den erfolg­rei­chen Neu­start unter Slomka. Wir haben uns aber für Slo­bodan Raj­kovic ent­schieden, weil Ham­burgs in einer Fuß­bal­ler­kar­riere gelan­deter Kir­mes­boxer diese Saison noch nicht ein ein­ziges Mal in der Bun­des­liga auf dem Platz stand und nun bei seinem Kalt­start gleich einen derart abge­klärten Abwehr­chef gab, dass Heiko Wes­ter­mann noch auf dem Weg in die Halb­zeit­pause ver­schüch­tert nach einem Auto­gramm fragte. Ob Neu-Coach Slomka nun Michael Man­ci­enne, Gojko Kacar und Robert Tesche zu wei­teren Säulen einer erfolg­rei­chen HSV-Zukunft formt, wagen wir zu bezwei­feln. Aber so ganz aus­schließen können wir es nach Raj­ko­vics über­ra­schender Abwehr­chef-Per­for­mance auch nicht. 

Hakan Cal­ha­noglu
Die saftig-pralle Kir­sche auf den sah­ne­tor­tigen Ham­burger Heim­sieg setzte Schuss­technik-End­gegner Hakan Cal­ha­noglu. Sein völlig wahn­sin­niger 42-Meter-Frei­stoß in der 93. Minute don­nerte mit der Geschwin­dig­keit eines ICEs aufs Tor und wech­selte im Flug öfter die Rich­tung als wir im Monat unsere Socken. Ein Frei­stoß­treffer, so hart und plat­ziert und mit einer so absurden Flug­kurve, dass irgendwo in Bra­si­lien Roberto Carlos vor Freude zu weinen anfing und barfuß einen Back­stein in den nächst­ge­le­genen Bun­des­staat drosch. Cal­ha­noglu hin­gegen sam­melte extra Cool­ness-Punkte, indem er sein Sen­sa­ti­onstor can­to­nahaft-hoch­näsig beju­belte und nicht, wie es jeder andere Spieler auf dieser Welt nach einem sol­chen Tor getan hätte, mit meh­reren Spontan-Flick-Flacks vor die Fan­kurve zu turnen, tan­zend die Eck­fahne zu begatten und anschlie­ßend fei­er­lich das Kar­rie­re­ende zu ver­künden. 

Pierre-Eme­rick Aub­ameyang
Dort­munds Pierre-Eme­rick Aub­ameyang ist eigent­lich eher einer für die schönen Dinge des Sports. Spek­ta­ku­läre Tore, eine ganz feine Technik und eine Geschwin­dig­keit, dass Usain Bolt bei jedem Sprint Aub­ameyangs einen Wein­krampf erleidet. Am Wochen­ende aber zeigte Aub­ameyang nun, dass er durchaus auch für die schä­bigen Seiten des Spiels zu haben ist, als er in der 55. Minute Tolgay Arslan mit gestrecktem Bein vor den Brust­korb trat. Ein Foul, so kung-fu-ig, dass Jackie Chan zuhause spontan mit einem Drop­kick in den TV-Schrank sprang. Dass Aub­ameyang nur Gelb sah, war indes ein ziem­li­cher Witz. Für ein sol­ches Foul bekommt man laut offi­zi­ellem FIFA-Regel­werk glatt Rot und einen eigenen Mortal Kombat-Cha­rakter. 

Jona­than Schmid
Der 11FREUNDE-Mini-Cal­ha­noglu“ in Kat­zen­gold geht diese Woche an Frei­burgs Jona­than Schmid, der im Spiel gegen Augs­burg einen Frei­stoß aus 32 Metern in den Winkel drosch. Schönes Ding, jaja. Aber ande­rer­seits: Rechnet man Schmids Traum­frei­stoß in Cal­ha­noglu-Para­meter um, rutscht der Treffer in unserer internen Frei­stoßtor-Bewer­tungs­skala von Jun­inhos Gän­se­haut“ auf ein ent­täu­schendes Thorsten Legats Ach­sel­zu­cken“ ab. Schade drum.

Peter Gagel­mann
Unseren aller­höchsten Respekt wollen wir an dieser Stelle Schieds­richter Peter Gagel­mann aus­spre­chen, der im Spiel Schalke gegen Mainz Gel­sen­kir­chens Bad-Boy Kevin-Prince Boateng gleich zweimal derart ober­leh­rer­haft zusam­men­schiss, dass wir uns pro­phy­lak­tisch die Esels­mütze auf­setzten und den Rest des Spiels ver­schüch­tert in der Redak­tions-Ecke standen. Allein beim Gedanken daran, jemanden wie Boateng auch nur ein wenig zu laut anzu­spre­chen, bekommen wir schwit­zige Hände und ner­vöse Pus­teln unter­halb der Stre­ber­brillen. Gagel­mann aber, der eher aus­sieht wie der Vor­sit­zende des ört­li­chen Klein­gärtner-Ver­eins, scheute sich nicht, Boateng, der eher aus­sieht wie der Vor­sit­zende des ört­li­chen Motor­rad­club-Chap­ters, zu zeigen, wer der Boss auf dem Spiel­feld ist. Respekt.

Raphael Schäfer
Nürn­bergs Keeper Raphael Schäfer ist ab und an in dieser Liste zu Gast, meist weil er geg­ne­ri­sche Stürmer in die Schreckstarre schreit oder Fuß­bälle, die auf sein Tor zufliegen, mit einem bösen Blick dazu bringt, die Rich­tung zu wech­seln. Diese Woche beehrt uns der Schluss­mann, weil er im Spiel gegen Braun­schweig gleich zwei Elf­meter parieren und seinem Team so einen wirk­lich wich­tigen Sieg sichern konnte. Dass er im Kabi­nen­gang nicht noch einen geg­ne­ri­schen Spieler in die Taub­heit brüllte oder einen fahr­läs­sigen Team­ka­me­raden oli­ver­k­ahn­haft ins Schleu­der­trauma schüt­telte, können wir natür­lich nicht aus­schließen. Der Nürn­berger Sieg geht aber auf jeden Fall zu großen Teilen auf Schä­fers Konto. 

Hiroshi Kiyotake
Und viel­leicht ein wenig auch auf jenes von Hiroshi Kiyotake, der mit seinem ver­schos­senen Elfer zwar dafür sorgte, dass erst­mals in einem Bun­des­li­ga­spiel gleich drei Elfer ver­bal­lert wurden. Ande­rer­seits mit seinem Tor elf Sekunden nach Wie­der­an­pfiff eben auch dafür sorgte, dass seine Nürn­berger wieder in die Spur fanden. Die Linie zwi­schen Depp und Held ist eben manchmal wirk­lich eine dünne. 

Sandro Wagner
Womit wir bei Ber­lins Sandro Wagner wären, der es im Spiel gegen Stutt­gart schaffte, inner­halb von wenigen Minuten Ein­satz­zeit einen Sieg­treffer zu schießen und zwei Gelbe Karten zu sehen, was ihn zugleich zum Held und zum Depp macht. Ein Hepp also, bzw. ein Deld, wie man will. Man könnte nun anführen, dass es Wagner ange­sichts des Sieg­tref­fers eigent­lich egal sein könnte, noch vom Platz gestellt geworden zu sein. Ande­rer­seits kommen Tore von Wagner in etwa so oft vor wie ein Schalt­jahr, wes­wegen es ihn sicher fuchsen wird, durch seine unnö­tige Gelb-Rote einen Schatten auf dieses sel­tene Ereignis geworfen zu haben.

Die Hof­fen­heimer Fans
Die lus­tige Sins­heimer Bun­des­liga-Simu­la­tion wird ein­fach nicht lang­weilig. Nachdem in Hof­fen­heim nun bereits seit 2008 fast alles, was echtes Fantum und rich­tigen Bun­des­li­ga­fuß­ball aus­ma­chen, nach­ge­ahmt wird, ließen es sich einige Fans der TSG beim Spiel gegen Mön­chen­glad­bach nicht nehmen, mal ihrer­seits diese soge­nannte Ran­dale aus­zu­pro­bieren, von der alle immer reden. Soll ja keiner sagen, man lebe seine Emo­tionen in Sins­heim weniger aus als anderswo, ist ja Quatsch. Also ver­suchten einige der TSGler, über den Zaun in den Glad­bach­block zu klet­tern und Stress zu machen, wor­aufhin die Polizei ein­greifen musste. Ergebnis: Sechs Fest­nahmen (die anderen fünf mit­ge­reisten Hof­fen­heimer durften im Block bleiben), zwei ver­schüt­tete Biere (alko­hol­frei) und meh­rere geris­sene Klatsch­pappen. Erschre­ckend. 

Patrick Herr­mann
Für ein kleines Schman­kerl zwi­schen­durch sorgte Glad­bachs Patrick Herr­mann, der einen ver­un­glückten Befrei­ungs­schlag von Koen Cas­teels but­ter­weich über den Keeper hinweg ins Tor hob. Lup­fer­tore haben seit jeher eine qua­si­ero­ti­sche Wir­kung auf uns, meis­tens dimmen wir direkt das Licht, legen Barry White auf und trinken einen Erd­beer­sekt, wenn ein sol­cher Treffer fällt. Dass es für die Borussia trotz Herr­manns sexy Heber dann doch nicht zum Sieg gereicht hat, war zumin­dest für die Glad­ba­cher aber ein ziem­li­cher Stim­mungs­killer.