Burundi, Ruanda und Uganda: Das klingt nach Armut, Völ­ker­mord, Folter. Und nicht unbe­dingt nach Fuß­ball. Burundi ist auf der Fuß­ball­welt­karte prak­tisch nicht vor­handen, Ruanda kämpft immer noch mit den ver­hee­renden Folgen des Völ­ker­mords 1994 und Uganda hatte seine beste Zeit, als es den Bewoh­nern des Landes am schlech­testen ging. 1978, wäh­rend der Schre­ckens­herr­schaft von Idi Amin, wurde das Land Zweiter beim Afrika-Cup. Das war aber auch gleich­zeitig die letzte Teil­nahme des Landes an Afrikas wich­tigstem Fuß­ball­tur­nier. Ruanda schaffte immerhin 2004 die letzte Qua­li­fi­ka­tion, wäh­rend Burundi noch nicht einmal teil­nehmen konnte. Von der Teil­nahme an einer Welt­meis­ter­schaft in ferner Zukunft wagt man gar nicht erst zu träumen.



Der Lei­den­schaft und Begeis­te­rung für den Fuß­ball tut das aller­dings keinen Abbruch. Die Bevöl­ke­rung atmet Fuß­ball, das Inter­esse an aus­län­di­schen Top­ligen ist rie­sen­groß. Egal ob in der Disko, im Super­markt oder im Natio­nal­park, überall schauen die Men­schen Fuß­ball. Die Namen der Top­clubs bekommt man als aus­län­di­scher Besu­cher ständig auf­ge­zählt und wenn man preis­gibt, dass man aus Deutsch­land kommt, heißt es: »German? Ah, Bayern Munich!«. Die Busse tragen die Logos der Spit­zen­clubs und die Gesichter der Top­stars, die Kinder deren Tri­kots. Von Man­chester United bis zum 1. Suhler SV ist tat­säch­lich alles zu finden.

Fach­kenntnis? Unbe­dingt von Vor­teil

Wir hatten beson­ders großes Glück. Wäh­rend unserer Reise waren wir nicht nur Zeugen des Spiels des Jahres in Ruanda (APR Kigali traf in der afri­ka­ni­schen Cham­pions League auf Titel­ver­tei­diger TP Mazembe), wir konnten auch die ent­schei­dende Phase der euro­päi­schen Cham­pions League mit­er­leben. Fach­kenntnis? Unbe­dingt von Vor­teil, wenn man mit den Men­schen in Kon­takt kommen will. Wer in Afrika Fuß­ball schaut, der kennt auch alle Spieler. Bis zu 100 Leuten sehen sich Spiele in Kneipen an, die nor­ma­ler­weise maximal 20 Gäste beher­bergen können. Noch skur­riler ist das Ver­hältnis zwi­schen Besu­cher­an­zahl und Größe des Fern­se­hers – kleine Matt­scheiben, die man in Deutsch­land nicht mal seiner halb­blinden Oma als Zweit­fern­seher ver­ma­chen würde.

Die Sym­pa­thien sind in allen drei Län­dern ein­deutig ver­teilt. »Bist du für Arsenal oder für ManU?«, lautet überall die erste Frage. Das wohl beste Spiel der Saison, Arsenal gegen Barca, ver­folgten wir mit einem Welt­rei­senden aus Bar­ce­lona. Der hatte große Pro­bleme, den Ruan­dern zu erklären, wie man denn bei diesem Spiel zu den Kata­lanen halten könne. Als er auf seine Natio­na­lität ver­wies, setzte es gleich ver­bales Backen­futter: »And my natio­na­lity is London«.

Fast wäre es zu Tumulten gekommen, als sich die anwe­senden Man­chester-Fans allzu offen­sicht­lich über das Aus­scheiden der »Gun­ners« freuten. Klare Sache, dass der Arsenal-Anhang im fol­genden Spiel United gegen den FC Bayern geschlossen den deut­schen Rekord­meister aus Mün­chen unter­stützte. Und die bedin­gungs­lose Hin­gabe für deut­sche Ver­eine ist, jeden­falls in Uganda, kein Ein­zel­fall. Die deut­schen Rei­senden staunten jeden­falls nicht schlecht, als an einem Frei­tag­abend um 22 Uhr in einer Dis­cotehk in der Haupt­stadt Kam­pala für 90 Minuten die Musik aus­ge­schaltet wurde. Es gab wich­ti­geres: Auf der Lein­wand über­trugen die Ver­an­stalter das Frei­tag­spiel zwi­schen Borussia Mön­chen­glad­bach und Ein­tracht Frank­furt.