Was hat der Fuß­ball nicht schon alles ver­sucht, um gewalt­be­reite Fans zu befrieden. Klo­bige Ordner und Poli­zisten, den Gum­mi­knüppel stets im Anschlag. Alle zwei Meter instal­lierte Kameras, die selbst Stamm­gäste von Big Bro­ther“ irri­tieren würden. Meter­hohe Zäune. Tiefe Gräben. Getrennte Blöcke. Ver­schärfte Sicher­heits­kon­trollen bis auf die Unter­wä­sche. Und als man dann irgend­wann fest­stellte, dass sich gewalt­be­reite Fans ein­fach nicht befrieden lassen wollen, fing man an, die Hoo­li­gans vor die Tür zu setzen. Mit dem Ergebnis, dass sie sich ein­fach doch wieder Zutritt ver­schafften oder eben vor dem Sta­dion ihrer Lei­den­schaft für Ran­dale nach­gingen. Man muss es so sagen: Dem Fuß­ball ist ein­fach noch nichts ein­ge­fallen, um wir­kungs­voll gegen Hoo­li­gans vor­zu­gehen.

30 Mamas über­wa­chen ihre Söhne

Den krea­tiven Köpfen der bra­si­lia­ni­schen PR-Agentur Ogilvy“ ist nun eine Idee gekommen, die so ein­fach und genial ist, dass man sich fast schon wieder schämen sollte, nicht selbst drauf gekommen zu sein. Beim Risi­ko­spiel zwi­schen Sport Club de Recife und Nau­tico Capi­ba­ribe setzte der Verein auf Wei­sung besagter Agentur Mütter als Ordner ein. Und zwar nicht irgend­welche Mütter, son­dern zuvor eigens aus­ge­suchte Erzeu­ge­rinnen von stadt­be­kannten Kra­wall­ma­chern, die dafür extra eine Secu­rity-Blitz­aus­bil­dung erhielten. Auf­ge­stellt an stra­te­gisch sinn­vollen Posi­tionen und bekleidet mit spe­ziell beflockten Leib­chen („Secu­rity-Mutter“) sollten die 30 Mamas ein Auge auf die sonst so unge­zo­genen Söhne haben. Gerade der Recife-Anhang ist für seine Gewalt­ex­zesse berühmt-berüch­tigt.

Und tat­säch­lich: Der Plan funk­tio­nierte! Erst­mals seit sehr vielen Jahren gab es bei diesem Duell keine Ver­letzten, keine Fest­nahmen, ja nicht mal hier und da ver­teilte Ohr­feigen. Die schlimmsten Hoo­li­gans erwiesen sich 90 Minuten lang als hand­zahm. Den strengen Bli­cken von Mama sein Dank. Aricio Fortes, Vize-Prä­si­dent von Ogilvy“ war nach dem Spiel stolz wie Bolle: Nie­mand will sich doch vor seiner eigenen Mutter prü­geln!“

Eine Idee für die deut­schen Pro­blem­fans?

Ob das Modell im bra­si­lia­ni­schen Zukunft hat, ist noch offen. Den Test­lauf hat das Pro­jekt MageHo (Mamas gegen Hoo­li­gans) mit Bra­vour bestanden. Wann zieht der deut­sche Fuß­ball nach? Wenn sich Hard­liner aus Dresden, Frank­furt, Nürn­berg oder Berlin mal wieder daneben, hilft viel­leicht nur noch müt­ter­liche Cou­rage.

Aller­dings setzt das voraus, dass die aus­ge­suchten Damen auch wirk­lich ein gewisses Maß an Beson­nen­heit mit­bringen. Der Autor dieser Zeilen möchte an eine Bahn­fahrt vor vielen Jahren durch Hessen erin­nern, als er sich plötz­lich auf einem Vierer von drei recht fins­teren Gesellen mitt­leren Alters ein­ge­zwängt sah, die ihr Herz an Ein­tracht Frank­furt ver­schenkt hatten. Mach Dir mal nicht ins Hemd wegen deinem Com­puter“, erklärte da irgend­wann der Schwerst­tä­to­wierte, etwa Mitte 50. Den klaut dir schon keiner! Du hast Glück: Wenn meine Mutter hier wäre, hät­test du wahr­schein­lich schon eine hängen und das Teil wäre weg.“ Kurze Kunst­pause. Aber die ist im Knast!“