Hin­weis: Der Artikel erschien erst­mals im Sommer 2013 im 11FREUNDE-Spe­zial Fuß­ball & Pop“. Die Absätze über Mario Balo­telli und Carlos Tevez sind dem­entspre­chend etwas aus der Zeit gefallen. Ande­rer­seits ist Mario Balo­telli noch heute eine Art Star, und zumin­dest in Mar­seille fühlen sich auch heute sicher­lich noch Leute mit ihm ver­bunden!

1974 war ich zum ersten Mal selbst in Maine Road, City schlug New­castle mit 5:1, und alles, was ich von diesem Spiel noch im Kopf habe, ist das Tor von New­castle. Keine Ahnung, warum. Doch was mir viel stärker im Gedächtnis geblieben ist, war die Kippax, die Steh­platz­kurve. Es war laut, es war groß, voller Farben. Als Kind ist man ein­fach fas­zi­niert, so etwas zu sehen. Die Väter setzten die Klein­kinder unten ab und hauten sich oben die Biere rein. Das muss ein skur­riler Anblick gewesen sein, wie wir alle mit unseren lus­tigen Mützen auf­ge­reiht unten saßen.

Nor­ma­ler­weise gingen die meisten Leute mit iri­schen Wur­zeln zu Man­chester United, auch alle meine Cou­sins rannten da hin. Doch mein Vater hat mich zu City mit­ge­nommen. Ich konnte von meinem Kin­der­zimmer aus die Flut­licht­masten von Maine Road sehen, zum Sta­dion liefen wir zu Fuß. Der Grund­satz zu dieser Zeit war ein­fach: Sup­port your local team“. Ich kann bis heute nicht ver­stehen, wie jemand sich einen Klub aus­su­chen kann, der hun­dert Kilo­meter ent­fernt spielt. Richard Ash­croft (Sänger von The Verve“, die Red.) ist auch so ein Fall, der kommt aus Wigan und feuert United an. Mal ganz abge­sehen davon, dass es sowieso ein Ver­bre­chen ist, diesen see­len­losen Klub zu unter­stützen – warum macht man so was? Ich komme aus Man­chester, warum zur Hölle sollte ich für Chelsea oder so einen anderen Drecks­verein sein?

Froh, in ganzen Stü­cken zurück zu kommen“

In unserer Klasse hielt es sich die Waage zwi­schen United- und City-Fans. Wir haben zusammen auf dem Schulhof gekickt und Panini-Bilder getauscht. Zu dieser Zeit sind wir nicht auf­ein­ander los gegangen, das kam erst später. In den Acht­ziger Jahren wurde es richtig heikel, zum Fuß­ball zu gehen. Da war man froh, in ganzen Stü­cken nach Hause zu kommen. Gewalt war akzep­tiert, ich erin­nere mich, wie wir in der Bahn zu einem Abend­spiel in Leeds saßen – Junge, da wuss­test du, dass du was abbe­kommen wirst. Von den Hools, aber auch von der Polizei. So ist das mit jungen Leuten, den meisten hat das einen Kick gegeben. Wir sind damals auch mit­ge­laufen, doch ich kannte ein paar von der berüch­tigten City-Hool-Gruppe Guvnors“ – und diese Jungs waren schon ganz anders drauf. Ums Spiel scherten die sich einen Dreck.

City verlor ja zu dieser Zeit ständig. Wir saßen teil­weise fünf Stunden im Zug, obwohl wir wussten, dass wir ver­lieren. Warum machst du so etwas? Weil Fuß­ball damals Teil deiner Iden­tität war, es hat gezeigt, wer du bist. Viel­leicht noch mehr als heute, wo jeder zum Fuß­ball geht.