Seite 2: „Wie Rosicky und Nedved!“

In seiner zweiten Saison wird der BVB Meister. Das ungleichste Traumduo aller Zeiten, bestehend aus Tomas Rosicky und Jan Koller, gibt dem kri­sen­ge­schüt­telten Verein wieder ein Gesicht. Vor allem zum Sai­son­ende macht häufig Rosicky mit seiner Genia­lität den Unter­schied. Sein punkt­ge­naues Timing und seine Über­sicht bringen ihm einen wei­teren Spitz­namen ein: Kleiner Mozart“.

Ich erwi­sche mich zuneh­mend dabei, wie ich Spiele der Borussia aus Dort­mund ver­folge, dabei ist doch die andere Borussia mein Verein. Zu ele­gant sind die Bewe­gungen des Tsche­chen, zu sehr bilde ich mir ein, dass der Prager Junge ein Kumpel von mir wäre, mit dem ich nach dem Spiel ein tsche­chi­sches Bier trinken ginge, wenn er mich kennen würde.

Eine Frisur, an die sich heute kaum mehr jemand ran­traut

Denn Rosicky ist nicht nur vir­tuos auf dem Platz, son­dern besitzt auch diese ange­nehme Nor­ma­lität in seinem Auf­treten. Als Frisur bevor­zugt der Tscheche ein Modell ver­gan­gener Tage, an das sich heute kaum mehr jemand ran­traut: Der Mit­tel­scheitel. Er trägt ihn von Tag eins an mit einer läs­sigen Selbst­ver­ständ­lich­keit und einer knall­harten Igno­ranz gegen­über jeg­li­chen Iro­kesen-Trends und Fuß­baller-Normen. Anfangs hilft er noch mit Haargel nach, später lässt er die Mähne flat­tern. Wenn er denn mal auf dem Platz steht. 

Eine Zeit lang trug ich die Haare auch etwas länger. Im Sport­un­ter­richt erwischte ich beim Fuß­ball­spiel einen guten Tag, ein Kol­lege rief mir nach einem gelun­genen Dop­pel­pass zu: Wie Rosicky und Nedved!“ Ich schüt­telte das Kom­pli­ment ver­legen ab, obwohl es das beste in meiner erbärm­li­chen Fuß­baller-Kar­riere war. Sofern er mit Rosicky mich meinte.

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