Seite 3: Ein solider Mitläufer, kein Dirigent

Nach sechs Jahren beim BVB legt der eins­tige Wun­der­knabe das schwarz-gelbe Trikot ab und folgt dem Ruf Arsène Wen­gers zum FC Arsenal. Seine Ent­wick­lung ist in Dort­mund etwas ste­hen­ge­blieben, häufig wirkt er apa­thisch auf dem Platz. Mir hätte nichts bes­seres pas­sieren können“, sagt der mitt­ler­weile 25-Jäh­rige in der FAZ“ nach der Ver­kün­dung des Wech­sels.

Nicht Nick Hornbys Fever Pitch, son­dern die neue Nummer sieben der Gun­ners sorgt dafür, dass ich den Verein aus Nord-London und die Pre­mier League plötz­lich inter­es­sant finde. Rosi­ckys erste Spiel­zeit auf der Insel ver­läuft, wie so oft in seiner Kar­riere, durch­wachsen. Zu groß sind die Fuß­stapfen der wohl besten Flü­gel­zange aller Zeiten bei Arsenal, bestehend aus Freddie Ljung­berg und Robert Pires, in die Rosicky gemeinsam mit dem Ex-Stutt­garter Alex­andr Hleb rein­wachsen soll. 

Flanken sind nicht gerade seine Stärke, zumal sein linker Fuss nicht annä­hernd mit soviel Gefühl ver­sehen ist wie sein rechter. Bei Dort­mund wusste er diese Schwäche durch Außen­rist-Flanken auf Kol­lers hoch­ragenden Schädel zu kom­pen­sieren. Bei Arsenal wirkt Mozart auf dem linken Flügel häufig ver­loren. Meist ist er nur ein solider Mit­läufer, kein Diri­gent. 

Ihm dafür feh­lendes Durch­set­zungs­ver­mögen vor­zu­werfen, wäre zu ein­fach. Immer wieder werfen ihn Ver­let­zungen aus der Bahn, die schwer­wie­gendste zwingt ihn im Früh­jahr 2008, nachdem er sich in Top­form in die Stammelf spielt, zu über einem Jahr Pause. Seit der Ver­pflich­tung Mesut Özils ist Rosicky end­gültig nur noch ein Ergän­zungs­spieler, seine Ein­satz­zeiten sinken stetig. 

Fuß­bal­le­risch zwei Jahre jünger

Im heu­tigen Spiel gegen seinen Ex-Klub aus Dort­mund wird Mozart“ ver­mut­lich auf der Bank sitzen. Die Fans und auch Arsène Wenger lieben Rosicky. Den­noch sieht es der­zeit so aus, dass die Kar­riere des 34-Jäh­rigen beim FC Arsenal geräuschlos aus­laufen wird. In einem Inter­view mit dem Mirror“ sagt er, dass er fuß­bal­le­risch zwei Jahre jünger sei, weil er zwei Jahre lang nicht spielen und trai­nieren konnte. Arsène Wenger besinnt sich bei der Auf­stel­lung ver­mut­lich eher auf Rosi­ckys wahres Alter. 

Die Familie meines grie­chi­schen Freundes hat meinen Fauxpas von der EM 2004 mitt­ler­weile ver­gessen. Den tra­gi­schen Helden des Halb­fi­nals, Tomas Rosicky, kennen sie ver­mut­lich auch nicht mehr.