Seite 2: Ungeschlagen als Nationaltrainer

Ob es dieser Tage bei der Squadra Azzura zu ähn­lich stim­mungs­vollen Zusam­men­treffen zwi­schen Trainer Conte und Kapitän Buffon gekommen ist, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass die Combo es augen­schein­lich geschafft hat, ihre erfolgs­brin­gende Koexis­tenz aus Ver­eins­zeiten auch in die Natio­nal­mann­schaft umzu­topfen. Im Spar­modus qua­li­fi­zierte sich Ita­lien für die End­runde, mit kom­pakter Defen­sive und Effi­zienz vor des Geg­ners Tor.

Den­noch: Viele Experten trauten Contes Team wenig zu. Zu alt, zu schlecht, zu wenig Stars, so der Pres­se­tenor. Und über­haupt, war nicht bereits 2014, beim desas­trösen Vor­run­denaus mit Nie­der­lagen gegen Costa Rica und Uru­guay, der Zenit dieser stolzen Fuß­ball­ge­nera­tion um Buffon schon weit über­schritten?

Dabei hat es nur einen neuen Kopf, einen neuen Anführer gebraucht, um das alte Schwer­ge­wicht wieder auf Kurs zu bringen. Im August 2014 über­nahm Conte die Squadra, seitdem hat die Elf kein Pflicht­spiel ver­loren. Doch erst seit Montag scheint sich die Mei­nung zu Contes Arbeit radikal geän­dert zu haben. 2:0 gegen Bel­gien, den Geheim­fa­vo­riten. Über­zeu­gend, über­ra­schend, berau­schend. Wie hat er das gemacht?

Bedin­gungslos akzep­tiert unter den Spie­lern

Conte ist ein Phä­nomen. Ein akri­bi­scher, ja beses­sener Arbeiter, der nichts dem Zufall über­lässt. Und eine Auto­ri­täts­person, die von seinen Spie­lern bedin­gungslos akzep­tiert wird. Auch, wenn es, wie bei Buffon, manchmal ver­bale Back­pfeifen hagelt. Conte weiß, das er es kann. Genau wie seine Spieler. 

Ich habe schon für viele gute Trainer gespielt, aber er ist außer­ge­wöhn­lich“, sagte Daniele de Rossi nach dem Bel­gien-Spiel. Conte ist detail­ver­sessen, beschäf­tigt sich stun­den­lang mit Video­ana­lysen. Es gibt nie­manden, der einen besser auf den nächsten Gegner vor­be­reitet. Jeder von uns weiß ganz genau, was er auf dem Platz zu tun hat.“

Auch Mit­tel­feld­spieler Matteo Darmian geriet nach dem Auf­takt­sieg ins Schwärmen. Er impft uns enormes Selbst­ver­trauen ein. Jeder im Team ist bereit, sich für ihn zu zer­reißen – im Spiel wie im Trai­ning.“

Ergriffen von der eigenen Elf

Akribie, Psy­cho­logie, Per­fek­tion: Antonio Conte wirkt wie eine Kopie von José Mour­inho – in sym­pa­thisch. Mit dem Por­tu­giesen kann er sich ab nächster Saison regel­mäßig messen, nach der EM über­nimmt er den FC Chelsea.

Was Conte auch anpackt, oft wird es zu Gold. Mit Bari und Siena stieg der heute 47-Jäh­rige in die Serie A auf, mit Juve folgten drei Meis­ter­schaften in drei Jahren. 2011/12 blieb die Alte Dame unter seiner Lei­tung in der Liga gar unge­schlagen. Zwei Monate nach dem Titel-Hat­trick über­nahm Conte die Natio­nal­mann­schaft. Mit der er nun den Coup in Frank­reich plant.

Unter­schätzen wird die Ita­liener keiner mehr bei diesem Tur­nier. Zumal die Mann­schaft gewillt ist, ihren Trainer Antonio Conte weiter zu ver­zü­cken. Dieser gestand nach dem Bel­gien-Spiel, fast schon ergriffen: Ich bin begeis­tert von der Leis­tung meiner Spieler.“ Dazu zählt auch Gigi Buffon, die Ent­täu­schung, das Debakel. Und 22 andere, die bedin­gungslos hinter ihrem Trainer stehen. Wo soll das nur enden?