Wenn es im Fuß­ball um das große Geld geht, wird man in der Regel irgendwo in der Schweiz fündig. Wäh­rend FIFA-Funk­tio­näre meist damit beschäf­tigt sind, mög­lichst viel von sel­bigem ein­zu­sam­meln, beschäf­tigt man sich in Neu­châtel – zu deutsch Neu­en­burg – eher in wis­sen­schaft­li­cher Absicht mit Mil­lio­nen­trans­fers und Rekord­ab­lösen. Nahe der fran­zö­si­schen Grenze, male­risch gelegen am Lac de Neu­châtel, dem größten See der Schweiz, ist hier im 30.000-Einwohner-Städtchen das Inter­na­tional Centre for Sports Stu­dies“, kurz CIES, ange­sie­delt.

Am CIES lässt sich nicht nur der FIFA-Master“ absol­vieren, in Zusam­men­ar­beit mit dem Welt­fuß­ball­ver­band, der ört­li­chen Uni­ver­sität sowie Stadt und Kanton wird auch aller­hand For­schung zu inter­na­tio­nalem Spit­zen­fuß­ball und dessen Ver­mark­tung betrieben. Davon kann man halten was man will, seit dem Jahr 2013 bringt die Ein­rich­tung aber eine Auf­lis­tung der wert­vollsten Profi-Kicker heraus, die schon alleine des­halb bemer­kens­wert ist, weil sie in der dies­jäh­rigen Aus­gabe dem frisch gekürten Welt­fuß­baller Cris­tiano Ronaldo herz­lich wenig Beach­tung schenkt.

Nerdige Rechen­spiele

Dem Ran­king zugrunde liegt eine aus­führ­liche Studie zu den Spie­lern der fünf euro­päi­schen Top-Ligen (Eng­land, Spa­nien, Ita­lien, Frank­reich, Deutsch­land). Die Ver­fasser bean­spru­chen, auf einer wis­sen­schaft­li­chen Basis den fairen“ Trans­fer­wert pro­fes­sio­neller Fuß­ball­spieler schätzen zu können. Es stelle sich dann heraus, dass selbst die über­ra­schendsten Trans­fer­summen einer bere­chen­baren Logik folgen. Ob das bei genauerer Betrach­tung noch immer so nerdig ist, wie es klingt? Ja! Und trotzdem ist es hoch­in­ter­es­sant.

Schweres Los für reiche Clubs

Denn die Autoren der Studie haben sich ins­ge­samt 1.600 Trans­fers in den Jahren 2011 bis 2017 ange­schaut und sie ana­ly­siert. Dabei ent­wi­ckelten sie zunächst ein System, das Aus­sagen dar­über trifft, von wel­chem Typus Fuß­ball­verein ein bestimmter Spieler wahr­schein­lich gekauft wird. Die Annahme ist: Der Status eines Fuß­ball­ver­eins hat bedeu­tenden Ein­fluss auf den Preis eines Spie­lers. Sprich: Rei­chere Clubs müssen mehr zahlen.

In einem zweiten Schritt schätzten sie dann den Wert des Spie­lers. Über 30 Fak­toren werden ein­ge­rechnet, am ein­leuch­tendsten dabei sicher­lich Alter und Ver­trags­lauf­zeit des Spie­lers, seine Posi­tion und natür­lich die tat­säch­liche Leis­tung auf dem Platz. Aber auch etwa bisher erzielte Ablö­se­summen, Natio­nal­mann­schafts­ein­sätze und eben der poten­ti­elle Käu­fer­verein werden berück­sich­tigt.

Das hat zum Bei­spiel zur Folge, dass sich in den Top10 mit Lionel Messi nur ein­ziger Spieler finden lässt, der sein 30. Lebens­jahr schon voll­endet hat. Alternde Super­stars finden sich dagegen höchs­tens auf den hin­teren Plätzen der Rang­liste. Heraus kommt eine Liste von 100 Profis über deren Rei­hen­folge – wie auch über Sinn oder Unsinn der gesamten Studie – sich vor­treff­lich streiten lässt.