Toby Binder, Sie durften den VfB Stutt­gart wäh­rend einer kom­pletten Saison begleiten. Im Pro­fi­ge­schäft ist das alles andere als all­täg­lich. Wie kam der Kon­takt zustande?
Der VfB Stutt­gart wollte anläss­lich seines 120. Geburts­tages etwas Beson­deres ver­öf­fent­li­chen. Da kein His­to­rien-Band ent­stehen sollte, wie es ihn schon hun­dert­fach gibt, kam unter anderem ich ins Spiel. Meine Auf­gabe bestand dann darin, einen reinen Bild­band als Drittel einer VfB-Tri­logie zu füllen.

Warum waren Sie der Mann für das Beson­dere“?
Der Bild­band sollte einen stark doku­men­ta­risch geprägten Ein­blick hinter die Kulissen des Ver­eins geben und abseits der gän­gigen Sport­fo­to­grafie funk­tio­nieren.

Und Ihre Schwer­punkte liegen nicht in der Sport­fo­to­grafie?
Nein. Ich arbeite meist über Gesell­schafts- und Umwelt­themen, häufig auch im Aus­land. Dabei fand ich es schon inter­es­sant, dass dies durchaus auch Themen sind, die den einen oder anderen Spieler gereizt haben.

Ihr sons­tiger Job ist bei den Spie­lern also auf Inter­esse gestoßen?
Durchaus, die Jungs haben ja unter­schied­lichste inter­na­tio­nale Hin­ter­gründe und sind viel im Aus­land unter­wegs. Ins Gespräch kam ich vor allem mit Georg Nie­der­meier, Martin Harnik oder Chris­tian Gentner. Die haben neben dem Fuß­ball schon noch ein Ohr und Inter­esse für andere Dinge.

Hat sich so im Ver­lauf der Zeit ein Ver­trau­ens­ver­hältnis auf­ge­baut?
Ich nehme es an. Ein­zeln her­aus­ge­grif­fene Bilder sind von ihrer Qua­lität her schwer ver­gleichbar, aber die Tref­fer­quote für ein gutes Motiv erhöht sich mit zuneh­mendem Ver­trauen zwi­schen Spie­lern und Foto­graf natür­lich. In man­chen Momenten hat man den Spie­lern ange­merkt, dass sie es nicht gewohnt sind, dabei foto­gra­fiert zu werden. Da musste sich über die Monate erstmal eine Nor­ma­lität ent­wi­ckeln. Als ich nicht mehr wahr­ge­nommen wurde, ent­standen die besten Bilder!

In wel­chem Turnus waren Sie wäh­rend der zwölf Monate bei der Mann­schaft?
Bei fast jedem Heim­spiel. Dazu aus­wärts einmal mit der Mann­schaft in Buka­rest. Sonst war ich häufig mit den Fans unter­wegs, um deren Stim­mung und Alltag ent­spre­chend bild­lich fest­halten zu können. Ein Gefühl der Zufrie­den­heit hat sich aber nie ein­ge­stellt: Ich hätte eigent­lich immer an drei Orten gleich­zeitig sein sollen.

Auf­fällig ist, dass unter Ihren Bil­dern wenige Spiel­szenen zu finden sind. Haben Sie die bewusst ver­mieden?
Das ganze Pro­jekt war von Anfang an eher als Repor­tage gedacht – viel­mehr als hinter die VfB-Kulissen, denn als typi­sche Sport­fo­to­grafie. Als wir dann ein erstes Fazit gezogen haben, war auf­fällig, dass man zumin­dest ver­ein­zelt ästhe­ti­sche Spiel­szenen benö­tigt. Keine Auf­nahmen von typi­schen Zwei­kämpfen oder Tor­schüssen, die gibt es zuhauf. Aber zumin­dest ein paar Bilder, auf denen man mal den Rasen sieht. (lacht)

Haben Sie wäh­rend des Jahres ein Motiv beson­ders lieb­ge­wonnen?
Gene­rell sind Fans moti­visch sehr inter­es­sant. Unge­zü­gelte Emo­tionen wäh­rend eines Spiels sehen gut foto­gra­fiert immer fan­tas­tisch aus. Im Hin­blick auf die Mann­schaft gibt es so magi­sche Momente nach einem Spiel, wenn alle in der Kabine ein­fach nur auf ihrem Platz sitzen und total erschöpft sind. Ich hatte da ein Bild von Martin Harnik, wie er nach einem Sieg voll­kommen fertig ins Leere stiert. Das sind Momente, die sich ein­brennen.

Gab es Tabus für Sie?
Nach einer Nie­der­lage in die Kabine zu gehen. Das ging ein­fach nicht.

Dabei will man viel­leicht gerade solche Momente sehen.
Klar. Für mich wäre es optimal gewesen, immer und überall dabei sein zu dürfen. Aber bei einer Mann­schaft im pro­fes­sio­nellen Fuß­ball ist das für einen Foto­grafen ver­mut­lich uto­pisch.

Ibrahima Traore domi­niert Ihre Aus­wahl. Ist er beson­ders fotogen?
Bei 14.000 Bil­dern und einem Jahr Begleit­schutz“ ver­liert man ein wenig den Über­blick, wer beson­ders oft zu sehen ist. Aber Ibrahima ist natür­lich ein­fach ein lockerer Typ, das kann also schon stimmen.

Wer hat sich noch ins Bild gedrängt?
Arthur Boka ist ein wahn­sin­niger Spaß­vogel. Bei den beiden hatte man keine Hem­mungen, die Kamera drauf­zu­halten. Und vom Resultat wurde man nie ent­täuscht.