Seite 2: Eine politische Figur - ob er will oder nicht

Ande­rer­seits: So über­rascht war Mohammed nun auch wieder nicht über seine Beru­fung. Als ich zuletzt beim Sich­tungs-Lehr­gang war, habe ich einen guten Job gemacht“, erklärt er selbst­be­wusst in brei­testem Süd­schwe­disch. Folg­lich dachte ich mir schon, dass ich eine Chance hatte, mit nach Por­tugal zu fliegen. Ich habe dem Natio­nal­trainer immer gut zuge­hört und genau das getan, was er in den Trai­nings­ein­heiten sehen wollte. Ich habe keine Ein-Mann-Show abge­zogen, son­dern bin wie gewünscht auf die Flügel aus­ge­wi­chen, habe Bälle erobert und kluge Pässe gespielt.“

Moham­meds Geschichte tut Schweden der­zeit beson­ders gut. Rund vier Wochen nach der schreck­li­chen Ter­rortat eines abge­lehnten Asyl­be­wer­bers aus Usbe­ki­stan in Stock­holm (bei dem Lkw-Anschlag starben fünf Men­schen, 14 wurden ver­letzt) ist die Flücht­lings-Debatte in dem skan­di­na­vi­schen Land schärfer geworden. Die Inte­gra­tion der Neu­an­kömm­linge läuft natur­gemäß nicht immer rei­bungslos, die Rechts­po­pu­listen sind auch in Schweden auf dem Vor­marsch.

Eine poli­ti­sche Figur – ob er will oder nicht

Men­schen wie Mohammed Ali Rubi Kweder geben den Flücht­lingen“ ein Gesicht. Zwar kom­men­tiert der Youngster, der den Deutsch-Syrer Mo Dahoud von Borussia Mön­chen­glad­bach als Vor­bild bezeichnet, die Flücht­lings­the­matik“ nicht öffent­lich. Doch das schwe­di­sche Fern­sehen und die großen Bou­le­vard­blätter wie Expressen und Afton­bladet prä­sen­tieren Mohammed als Tes­ti­mo­nial für gelun­gene Inte­gra­tion. So ist er in gewisser Weise zur poli­ti­schen Figur geworden – zumin­dest für eine Weile, bis der Hype wieder abge­flaut ist.

Mohammed selbst lässt sich von der medialen Hys­terie um seine Natio­nal­mann­schafts-Beru­fung nicht irri­tieren. Statt­dessen arbeitet er, typisch schwe­disch, beharr­lich an einer großen Kar­riere, die ihm Experten durchaus zutrauen. Auch weil Mohammed auf dem Tep­pich bleibt. Nur weil er einmal berufen worden ist, sieht er sich noch lange nicht als Natio­nal­spieler. Es gilt jetzt zu kämpfen, denn nie­mand hat einen Garan­tie­platz. Ich muss erst beweisen, dass ich meine Beru­fung ver­diene“, erklärt der junge Mann. Dass man beim ersten Mal viel­leicht etwas nervös agiert, ist ja normal. Aber man muss immer sein Bestes geben.“

Beob­achtet von einem ganzen Land

Unter­dessen sind die Scouts der schwe­di­schen Top­klubs schon längst auf Mohammed auf­merksam geworden. Es hat sich her­um­ge­spro­chen, dass das Offen­si­v­juwel trotz seiner zarten 16 Jahre bereits mit Hel­sing­borgs U19 trai­niert – und dort teil­weise Kunst­stücke voll­führt. Sogar Rekord­meister Malmö FF soll den Jungen aus Aleppo beob­achten.

Bei den Him­mel­blauen“ aus dem äußersten Süden Schwe­dens sorgte schon einmal ein Junge mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund für Schlag­zeilen: Zlatan Ibra­hi­movic (35), Sohn eines bos­ni­schen Vaters und einer kroa­ti­schen Mutter, die vor den düs­teren Wolken des her­auf­zie­henden Jugo­sla­wien-Krieges und der wirt­schaft­li­chen Not auf dem Balkan geflohen waren, schaffte bei Malmö FF den Durch­bruch. Der Rest ist Geschichte.