Seite 2: Ein Gesamtpaket von 200 Millionen Euro

Größter Inter­es­sent an der Ver­pflich­tung des Bel­giers ist Man­chester City. Ein Klub, der das Finan­cial Fair­play gleich dop­pelt ver­hohnepipelt. Citys Haupt­an­teils­eigner ist Scheich Man­sour bin Zayed Al Nahyan, und für den spielt Geld bekannt­lich keine Rolle. In Kom­bi­na­tion mit den vielen Mil­lionen Pfund Erlös aus dem neuen TV-Ver­trag ver­fügt der Klub über eine unge­heure finan­zi­elle Power, die selbst den rei­chen VW-Spiel­ball VfL zum Neben­dar­steller degra­diert. In Zahlen: City bietet ein Gesamt­paket in Höhe von fast 200 Mil­lionen Euro. Ablöse, Gehalt, Hand­geld und Bonus­zah­lungen inklu­sive. 65 bis 80 Mil­lionen würden dafür an die Wolfs­burger abfallen. Die sollen dem Spieler selbst die unglaub­liche Gehalts­er­hö­hung von aktuell 5,5 auf elf Mil­lionen Euro ange­boten haben – dass das im Ver­gleich zum Angebot aus Man­chester wenig wäre, zeigt die Per­ver­sität der gegen­wär­tigen Trans­fer­phase.

Selbst seine Füße sind sich gerade unschlüssig

Man­chester also will de Bruyne. Wolfs­burg möchte de Bruyne behalten. Was aller­dings auch nur dem Umstand zu ver­danken ist, dass der VfL die rie­sige Ablö­se­summe nicht nötig hat, Geld ist in Wolfs­burg bekannt­lich vor­handen. Und de Bruyne selbst? Der würde wohl gerne wech­seln, hat aber noch keine klare Mei­nung zu einer Sache abge­geben, die ja vor allem seine Person betrifft. Als unter Ver­trag ste­hender Profi steht der Bel­gier zwi­schen den Stühlen. Bekennt er sich zum VfL, ent­geht ihm mög­li­cher­weise der Ver­trag seines Lebens. Bekundet er ein­deu­tige Wech­sel­ab­sichten, wird aus dem Fuß­baller des Jahres der Arsch der Nation. Also sagt er gar nichts, was irgendwie auch nicht richtig ist. Der Bel­gier ist ein stiller Mensch, solche Spieler lassen lieber ihre Füße spre­chen. Doch nach zwei für seine Ver­hält­nisse schlechten Bun­des­li­ga­spielen bleibt fest­zu­stellen: auch de Bruynes Füße wissen gerade nicht, was sie wirk­lich wollen.

Und als wäre die Situa­tion nicht schon eh zer­fahren genug, hat die Bild“ nun auch noch den FC Bayern ins Spiel gebracht. Die seien sehr an einer Ver­pflich­tung inter­es­siert – aller­dings erst zur kom­menden Saison. Was auf­grund der sport­li­chen Qua­li­täten des 24-Jäh­rigen nicht ver­wun­dern dürfte, aber auch zur all­ge­meinen Übel­keit bei­trägt. Die ohnehin mit Super­stars über­frach­tete Macht aus Mün­chen hätte dann einen wei­teren Aus­nah­me­spieler im Kader – und mal wieder die Kon­kur­renz geschwächt.

Der FC Bayern wird nicht aktiv“ – jeden­falls nicht jetzt

Fassen wir zusammen: Kevin de Bruyne hat ein Angebot vor­liegen, das ihn schwin­delig macht und uns Fans anekelt. Der VfL Wolfs­burg in Person von Klaus Allofs tischt seit Wochen das kom­plette Angebot der ver­balen Hin­hal­te­taktik auf („Es ist unser Bestreben, das mög­lichst schnell zu klären“) City macht der­weil einen Geld­koffer nach dem anderen auf und schaut zwi­schen­durch mal auf die Uhr. In der Gewiss­heit, jeden Verein der Welt mit Geld zuscheißen zu können. Und die Bayern geben in Person von Medi­en­di­rektor Markus Hör­wick Dementi ab („Der FC Bayern wird in Sachen Kevin de Bruyne nicht aktiv“), wo doch jeder weiß, dass der Satz eigent­lich heißen müsste: Der FC Bayern wird in Sachen de Bruyne nicht aktiv – jeden­falls nicht genau jetzt in diesem Moment.“

Im 11FREUNDE-Inter­view vor wenigen Monaten hat Kevin de Bruyne auf die Frage, ob ihm sein Image wichtig sei, geant­wortet: Ich möchte kein Show­star sein. Ich möchte als Fuß­baller etwas gelten. Darauf kon­zen­triere ich mich total.“ Wäre schön, wenn das der Fuß­ball auch mal über sich sagen könnte.