Seite 5: „Das Spiel war das Highlight meiner Karriere“

Gab es einen Spieler in der Liga, der Sie beson­ders beein­druckt hat?
Konrad Laimer von Leipzig. Hängt viel­leicht auch damit zusammen, dass er auf meiner Posi­tion spielt. Aber das ist einer, den nimmt man im Fern­sehen gar nicht so sehr wahr, weil er unter all den Spie­lern mit unglaub­lich hoher indi­vi­du­eller Qua­lität etwas unter­geht. Aber wenn man gegen ihn spielt, merkt man sehr schnell, wie gut er ist. Wie wichtig er für das Spiel der Mann­schaft ist. Mit Ball macht er keine Fehler, ohne Ball ist er extrem schlau und unan­ge­nehm.

Gab es einen Moment im ver­gan­genen Jahr, den Sie trotz all der Nie­der­lagen richtig genießen konnten? Das Spiel in Dort­mund zum Bei­spiel?
Das Spiel hatte ich bei der Frage direkt im Kopf. Es war ein wun­der­barer Fuß­ball­abend, fast alles hat gepasst – bis auf das Ergebnis. Es hört sich dumm an, ein 3:3 in Dort­mund hätten wir vor dem Spiel mit Kuss­hand genommen. Aber so wie das Spiel gelaufen ist, wir führen zur Pause mit 3:0 und fangen uns dann doch noch den Aus­gleich in der Nach­spiel­zeit, war es am Ende doch wieder bitter. Und steht sinn­bild­lich für die Saison.

Was ist mit dem 07. Sep­tember 2019?
Klar, dieser Abend wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. Das Spiel war das High­light meiner Kar­riere.

Ich musste mich natür­lich mal wieder ent­schul­digen“

Am 07. Sep­tember 2019 haben Sie mit 29 Jahren in der alba­ni­schen Natio­nal­mann­schaft debü­tiert. In einem Pflicht­spiel. Gegen Frank­reich. Im Stade de France. Vor 80.000 Zuschauern.
In meinen Alter noch Natio­nal­spieler zu werden, ist total abge­fahren. Aber dann auch noch in diesem Sta­dion, vor so vielen Men­schen, gegen solche Namen – das lässt sich nur schwer toppen. Auch wenn wir 1:4 ver­loren haben und die Sta­di­on­regie damals etwas ver­wirrt war. Erst haben sie die Natio­nal­hymne von Andorra ein­ge­spielt, dann haben sie uns noch mit Arme­nien ver­wech­selt. (Lacht.)

Welche Bilder haben Sie im Kopf, wenn Sie an das Spiel denken?
Schon beim Warm­ma­chen war das Sta­dion recht voll, wir sind ein biss­chen vor den Fran­zosen raus auf den Platz gegangen. Irgend­wann wurde der Sta­di­on­spre­cher dann sehr laut, alle Fans standen auf – und die Fran­zosen liefen ein. Mit einer Licht­show wie beim Bas­ket­ball. Alle haben mit ihren Fähn­chen gewe­delt, dazu laute Musik, die Lichter – ich hatte Gän­se­haut am ganzen Körper. Das Spiel selber ist an mir vorbei gerauscht. Erst beim Abklat­schen nach dem Spiel wurde mir wieder bewusst, mit wem ich da gerade abklat­sche, was hier eigent­lich pas­siert ist.

Was sagt man als ehe­ma­liger Bezirks­liga-Spieler zu einem fran­zö­si­schen Welt­star nach dem Spiel? Gute Runde noch?
Sorry for the foul!“ (Lacht.) Ich musste mich natür­lich mal wieder ent­schul­digen, bei Blaise Matuidi von Juve. Ich hatte ihn kurz nach meiner Ein­wech­se­lung mit gestrecktem Bein am Fuß erwischt, klare Gelbe Karte, was auch sonst. Also meinte ich, dass es mir leid­täte. Und dass ich auch ein biss­chen den Ball erwischt hätte. Da meinte er: Nee, war nur mein Fuß.“ Wir wurden uns nicht einig. Aber er hat die Ent­schul­di­gung am Ende ange­nommen.

Klaus Gja­sula, wo kann die Reise für Sie noch hin­gehen?
Ich bin rea­lis­tisch, die Cham­pions League wird schwer. Aber einen Traum habe ich schon: die WM 2022. Mit Alba­nien. Und ich glaube auch, dass es mög­lich ist. Ich bin fit!

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