Seite 3: „Verrückt, in welchen Momenten sich so wichtige Dinge entscheiden, nicht wahr?“

Ihre Eltern sind mit Ihnen aus Alba­nien nach Deutsch­land gezogen, als Sie sieben Monate alt waren. Warum sind Sie aus­ge­rechnet in Frei­burg gelandet?
Das war reiner Zufall. Sie wollten nach Deutsch­land, um uns ein bes­seres Leben zu ermög­li­chen, in Alba­nien war es in Zeiten der kom­mu­nis­ti­schen Dik­tatur für sie nicht leicht gewesen. Aber wo in Deutsch­land? Das war ihnen egal. Sie sind damals, 1990, über Ita­lien und die Schweiz Rich­tung Norden gefahren, mit dem Zug. Die erste Sta­tion in Deutsch­land war Frei­burg. Da fragte mein Vater meine Mutter: Sollen wir hier aus­steigen?“ Und sie meinte nur: Sieht nett aus, lass uns raus.“ So sind wir in dieser Stadt gelandet. Ver­rückt, in wel­chen Momenten sich so wich­tige Dinge ent­scheiden, nicht wahr?

Ver­rückt auch, dass Ihr Bruder und Sie in diesem Land ankamen mit den deut­schesten Vor­namen im Gepäck, die man sich vor­stellen kann. Stimmt die Geschichte mit Pro­fessor Brink­mann?
Klar, Pro­fessor Brink­mann, Haupt­figur in der Schwarz­wald­klinik, gespielt von Klaus-Jürgen Wussow. Meine Oma war großer Fan der Sen­dung, sie hat das immer geschaut in Alba­nien, und sie durfte sowohl den Namen meines Bru­ders als auch meinen bestimmen. Daraus ergaben sich Jürgen und Klaus. Dass wir danach tat­säch­lich in Deutsch­land und sogar im Schwarz­wald gelandet sind, ist natür­lich kurios. Wobei ich mit meinem Vor­namen, vor­sichtig aus­ge­drückt, sehr lange sehr große Pro­bleme hatte. Ich war ein kleiner Junge mit alba­ni­schen Wur­zeln – und hieß Klaus! Das war nicht unbe­dingt cool, erst recht nicht in einem Block wie meinem. Also habe ich zu meinen Eltern immer gesagt: Wie konntet ihr mich bloß so nennen? Wenn ich 18 bin, ändere ich meinen Vor­namen. Ist mir egal, was ihr denkt!“ Aber je älter ich wurde, desto mehr habe ich mich damit ange­freundet. Mitt­ler­weile bin ich ein stolzer Klaus. (Lacht.)

Wann haben Sie gemerkt, dass es etwas werden könnte mit einer Pro­fi­kar­riere?
Als mein Bruder Profi wurde. Da war ich 14 Jahre alt und dachte: Wenn er es geschafft hat, wieso sollte ich es nicht auch packen? Ich war ja eh jeden Tag kicken. Den Traum hatte ich also seit meiner Jugend. Und egal in wel­cher Liga ich gespielt habe: Ich habe immer daran geglaubt, dass meine harte Arbeit irgend­wann belohnt werden würde.

Gjasula MG 0470 WEB
Lena Gio­va­nazzi

Wenn das Internet nicht lügt, haben Sie sich über einen Zeit­raum von zehn Jahren von der Ver­bands­liga bis in die Bun­des­liga hoch­ge­kämpft. Ohne eine Liga aus­zu­lassen.
Das stimmt. Aber ist auch nur die halbe Wahr­heit. Ich habe runter bis in die Bezirks­liga keine Liga aus­ge­lassen.

Wie bitte?
Als ich in der A‑Jugend beim Frei­burger FC war, wurde ich manchmal in die zweite Her­ren­mann­schaft hoch­ge­zogen, da spielten schon ein paar Freunde von mir. Das war Bezirks­liga. Später habe ich dann beim FFC selber in der ersten Mann­schaft gespielt, Ver­bands­liga. Ein Jahr später bin ich nach Bah­lingen in die Ober­liga gewech­selt – musste dort aber wie­derum anfangs ab und zu runter in die zweite Mann­schaft. Lan­des­liga. Nach Bah­lingen ging es dann zu Waldhof Mann­heim, mit denen ich von der Ober­liga in die Regio­nal­liga auf­ge­stiegen bin. Dann Duis­burg und Offen­bach, eben­falls Regio­nal­liga. Von Offen­bach zu den Stutt­garter Kickers, 3. Liga. Dann nach Halle, auch 3. Liga, und von dort vor zwei Jahren nach Pader­born in die 2. Liga. Dann wieder ein Auf­stieg – und end­lich in die Bun­des­liga.

Ich kenne das echte Leben“

Gab es in diesen Jahren einen Plan B? Falls sie nicht so weit oben ange­kommen wären?
Ja, ein eigenes Café in Frei­burg. Zusammen mit meinem besten Freund Artur, von dem ich eben schon erzählt habe. Der Traum lebt auch immer noch. Wenn ich irgend­wann zurück in die Heimat nach Frei­burg komme, gehen wir das defi­nitiv an. Ich liebe Kaffee trinken, Kuchen essen, ent­spannt bei­ein­an­der­sitzen. Ein eigenes Café zu führen, das wäre schon was.

War es für Sie von Vor­teil, dass Sie sich jede Liga, jeden Schritt, hart erkämpfen mussten? Oder hätten Sie sich gewünscht, schon mit 19 oder 20 Jahren eine Chance in den ersten Ligen zu bekommen?
Natür­lich wäre es geil gewesen, als 20-Jäh­riger ein­fach mal in der 2. Liga rein­ge­worfen zu werden. Weil ich dann womög­lich sehr viel län­gere Zeit auf einem höheren Niveau hätte spielen können. Gleich­zeitig hat der Weg mich zu dem gemacht, der ich bin. Und meinen Cha­rakter geformt. Ich bin sehr klar im Kopf. Was ja voll­kommen logisch ist, denn die Hälfte der Pro­fi­fuß­baller sind sehr jung. Die sind 18, 19 Jahre alt, und, das muss man ein­fach sagen, auch sehr ver­wöhnt. Inso­fern lassen Sie es mich so for­mu­lieren: Wenn ich mein der­zei­tiges Niveau noch würde halten können, bis ich 40 Jahre alt bin, mir also noch zehn Jahre Pro­fi­fuß­ball blieben, dann würde ich mich immer für den lang­samen, ste­tigen Weg nach oben ent­scheiden. Ein­fach, weil es gesünder ist. Und dieser Weg einen Men­schen auch besser auf die Zeit nach der Kar­riere vor­be­reitet. Ich kenne das echte Leben. Die Bun­des­liga war für mich nicht normal – son­dern ein Lecker­bissen.

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