Im Fuß­ball wie im Leben gilt: Je beschis­sener die Lage, desto absurder werden die Begleit­um­stände. Man frage nach in Köln. Dort steht man auch nach acht Spiel­tagen noch bei einem mick­rigen Punkt. Und dann pas­siert, was pas­sieren muss, wenn alles beschissen wird. Dann wird es absurd.

Und so dient sich plötz­lich Mili­voje Nova­kovic seinem Ex-Klub an. Der ist inzwi­schen 38 Jahre jung, sein Ver­trag bei NK Maribor lief im Sommer aus. Aber kein Pro­blem, so Nova­kovic gegen­über dem Express“, denn: Ich würde gratis zurück­kommen. Ich traue mir zehn Tore zu. Gib mir drei Wochen, und ich bin wieder im Saft. Ich bin bereit.“

Die Kölner Ruhe ist nur die halbe Wahr­heit

Das hätte er ver­mut­lich auch behauptet, wenn der Effzeh“ erneut um die Europa League mit­spielen würde. Nur hätte es dann nie­manden inter­es­siert. Jetzt ist es ein gern gese­henes Schlag­zeilen-Fressen. Doch so absurd das klingen mag bei einem Punkt aus acht Spielen, bei 3:17 Toren: Der 1.FC Köln ist ein Gewinner. Und hat Absur­di­täten gar nicht nötig.

In den ver­gan­genen Jahren war viel davon die Rede, wie es Jörg Schmadtke und Peter Stöger geschafft hätten, im tra­di­tio­nell so unru­higen Köln Ruhe ein­kehren zu lassen. Und es stimmte ja. Und es war doch nur die halbe Wahr­heit. Denn tat­säch­lich ging es ja fast fort­wäh­rend bergauf. Mit kleinen, nach­hal­tigen Schritten Rich­tung Europa League. Auf­stieg in die Bun­des­liga, Platz 12, Platz 9, Platz 5. 

Die Pro­bleme liegen auf der Hand

Und jetzt das. Platz 18. Kein Rück­schritt. Ein Absturz. Zumin­dest in Sachen Plat­zie­rung. Die Leis­tungen auf dem Platz waren oft­mals nicht berau­schend, aber auch längst nicht so schlecht, wie es das Punk­te­konto ver­muten ließe.

Natür­lich fehlt Anthony Modeste. Und natür­lich ist das nicht die ein­zige Erklä­rung für die Tal­fahrt (Einen aus­führ­li­chen Erklä­rungs­an­satz findet ihr hier »>). Natür­lich fehlen mit Jonas Hector, Marcel Risse und jetzt auch noch Jhon Cor­doba wich­tige Spieler ver­letzt. Natür­lich fehlte in der som­mer­li­chen Trans­fer­phase das glück­liche Händ­chen, wie Jörg Schmadtke sagt: Man kann das so sehen, dass ich mich ver­griffen habe. Wir haben Ent­schei­dungen getroffen und wir haben Pro­bleme mit diesen Ent­schei­dungen. Ein Faktor ist sicher die Trans­fer­po­litik.“

Stöger ist alter­na­tivlos

Das Glück der Kölner nun aber ist, dass das Mantra vom beru­higten Klub, vom nor­ma­li­sierten Wahn­sinn, dem Stress­test stand­hält. Denn so lange die Mann­schaft sich wei­terhin auf Augen­höhe mit seinen Gegner bewegt, wie am ver­gan­genen Wochen­ende, ist Peter Stöger alter­na­tivlos. (Wes­halb Trai­ner­wechsel auf lange Sicht nichts bringen, lest ihr hier »>)

Das weiß – zum Glück – auch die Ver­eins­füh­rung, die ihrem Trainer die Stange hält und alle anders gela­gerten Spe­ku­la­tionen glaub­haft abmo­de­riert.

Man muss kein Köln-Fan sein, um die Daumen zu drü­cken. Auf dass es sich aus­zahlt. Auf dass Mili­voje Nova­kovic wieder im Saft steht. Und sich nie­mand dafür inter­es­siert.