Josep Maria Bar­tomeu gehört nicht gerade zu jenen Men­schen, die unter geringem Selbst­ver­trauen leiden. Der Prä­si­dent des FC Bar­ce­lona fühle sich stark, heißt es aus dem inneren Macht­zirkel des Klubs. So stark, dass er sich auch am heu­tigen Abend wieder ins Camp Nou trauen wird, wo Barça in der Cham­pions League Juventus Turin emp­fängt. Die Ita­liener hatten Bar­ce­lona im Früh­jahr noch schmerz­lich auf­ge­zeigt, wie weit der Cham­pion von 2015 aktuell von der abso­luten Spitze ent­fernt ist. Fünf Monate sind ver­gangen und seitdem ist es aus Sicht Bar­ce­lonas nicht besser geworden. Nur schlimmer.

Der Sommer war heiß und sonnig, aber abge­sehen davon brachte er wenig Gutes. Ein schreck­li­ches Attentat trau­ma­ti­sierte die Men­schen und der größte Fuß­ball­verein der Stadt sorgte nur für Kopf­schüt­teln. Wie in einer kit­schigen Tele­no­vela wurde gestritten, belei­digt, ver­lassen, wurden Vor­würfe gemacht und Intrigen gesponnen. Nur ver­söhnt wurde sich nicht. Und mit­ten­drin, als einer der Haupt­dar­steller: Bar­tomeu.

Das Selbst­ver­ständnis in den Grund­festen erschüt­tert

Am Sonn­abend, im Lokal­derby gegen Espanyol, riefen die Fans laut seinen Namen. Nicht aus Sym­pa­thie­be­kun­dungen, son­dern aus Gründen der Auf­for­de­rung. Bar­tomeu muss weg, wurde skan­diert. So geht das nun seit Wochen und auf den ersten Blick mag die Sze­nerie skurril erscheinen. In der Liga hat Barça einen Traum­start hin­ge­legt, ist Tabel­len­führer und trotzdem herrscht ein Gefühl der Ohn­macht. Der geräusch­volle Abgang von Neymar hat etwas kaputt gemacht, das schwerer zu bewäl­tigen ist als sport­liche Nie­der­lagen. Barças Selbst­ver­ständnis wurde in seinen Grund­festen erschüt­tert.

Die vielen Siege und Pokale, all die Bewun­de­rung, die dem Klub in den ver­gan­genen Jahren zuteil wurde, hatten ein Bewusst­sein für die eigene Größe erschaffen. Etwas, das in der Geschichte des Klubs nie selbst­ver­ständ­lich war. Nach Ronald­inho, Xavi, Iniesta, Eto’o, Ibra­hi­movic und Messi galt es nun aber als gott­ge­geben, dass die besten Fuß­baller der Gegen­wart auto­ma­tisch blau­grana über­streifen. Dass Neymar sich nun anders ent­schied, noch bevor er den Zenit seines Schaf­fens erreicht, dass jemand tat­säch­lich in der Lage war, die Fabel­klausel in Höhe von 222 Mil­lionen Euro zu bezahlen, all das hin­ter­ließ das Gefühl eines getrof­fenen Sieg­frieds. Mitten durchs Lin­den­blatt.

Dieser Verein hat etwas bes­seres ver­dient“

Und das Neymar den Prä­si­denten in einem noch immer schwe­lenden Rosen­krieg mit­ver­ant­wort­lich für seinen Abgang machte, ist für dessen Repu­ta­tion nicht gerade hilf­reich. Dieser Verein hat etwas bes­seres ver­dient“, ätzte Neymar Rich­tung Bar­tomeu und dass er nicht der ein­zige ist, der so denkt, zeigte sich schnell. Auf dem Höhe­punkt der ver­balen Schar­mützel zwi­schen dem Bra­si­lianer und seinen ehe­ma­ligen Vor­ge­setzten posi­tio­nierten sich die Leis­tungs­träger des Kaders sehr klar. Als Neymar für die Geburts­tags­party seines Kindes nach Bar­ce­lona zurück­kehrte, gehörten Lionel Messi, Luis Suarez Gerard Piqué und Ivan Rakitic zu den Gästen. Danach posierten alle eng umschlungen für ein Grup­pen­bild und schickten die Bot­schaft via Insta­gram hinaus in die Welt.