Und dann ist plötz­lich alles ganz still in der Kurve. Keine Gesänge mehr, kein Ein­tracht Frank­furt Allez“, keine Fahnen. Nur noch die schiere Ungläu­big­keit. Ist das gerade wirk­lich pas­siert? Mein Kumpel, mit dem ich im Block stehe, winkt ab, mur­melt: Das darf doch nicht wahr sein.“ Und er hat Recht. 

Dass Russ unbe­dingt spielen wollte, der Dia­gnose zum Trotz, war ein Zei­chen

Vor uns steht ein groß­ge­wach­sener Typ, auf seinem Trikot die Nummer 4, Russ“ steht dar­unter, er schüt­telt den Kopf. So eine Scheiße“, sagt er, und auch er hat Recht. Gerade hat der Namens­geber seines Tri­kots ein Eigentor geschossen, aber es ist viel mehr als das. Marco Russ hat Krebs, die Erkran­kung wurde zufällig bei einer Doping­kon­trolle ent­deckt, bereits am Dienstag wird Russ ope­riert. Aber das Spiel gegen Nürn­berg wollte der Kapitän unbe­dingt noch bestreiten, er ist seit seiner Kind­heit im Verein und stemmt sich seit Wochen gegen den Abstieg, geht voran, richtet auf.

Dass er unbe­dingt spielen wollte, der Dia­gnose zum Trotz, war ein Zei­chen. Der scheiß Tumor kann warten, sollte das heißen. Ein unmiss­ver­ständ­li­ches, ein unglaub­li­ches #auf­jetzt, eine Kampf­an­sage, sowohl in Rich­tung Krebs als auch in Sachen Rele­ga­tion. Und dann segelt eine harm­lose Flanke in den Straf­raum, und aus dem #auf­jetzt wird plötz­lich ein dicker Mit­tel­finger des Fuß­ball­gottes.