Vor jedem Spieltag stellen wir euch einen Bun­des­li­ga­spieler vor, der nicht immer im Ram­pen­licht steht und trotzdem eine ent­schei­dende Rolle für seine Mann­schaft spielt. Ob wir damit tat­säch­lich Recht behalten, seht ihr sams­tags ab 15 Uhr in unserer großen Bun­des­liga-Kon­fe­renz und kon​fe​renz​.11freunde​.de.

Nach einem Büßer­hemd sah es wahr­lich nicht aus, was Kerem Demirbay an diesem kalten Nach­mittag in Haan bei Düs­sel­dorf trug. Im hellen Desi­gner­mantel und frisch­ge­wichsten Lack­schuhen stand der Profi als Schieds­richter inmitten von D‑Juniorinnen auf einem Kunstrasen(!)platz. Zwi­schen Kö-Bummel und Lunch noch eben ein Fuß­ball­spiel pfeifen“ war noch einer der net­teren Kom­men­tare.

Dabei wollten Spieler und Verein ein Zei­chen setzen, nachdem Demirbay Tage zuvor der Schieds­rich­terin Bibiana Stein­haus nach einer Roten Karte sagte, Frauen hätten im Män­ner­sport nichts ver­loren. Der Verein dachte sich das Spiel als krea­tive Strafe aus – es ging dank des Desi­gner­man­tels gehörig daneben.

Und erst vor zwei Wochen legte sich Demirbay erneut mit dem Schieds­richter an. Diesmal musste sich Bas­tian Dan­kert anhören, dass die soeben gezückte Rote Karte nie­mals eine gewesen sei. Pointe: Demirbay beschwerte sich nicht, er setzte sich für seinen Gegen­spieler Kevin Volland ein, der ihn im vollen Lauf von den Beinen geholt hatte. 

So viele Tore wie der HSV – kein Scherz

Dan­kert änderte seine Ent­schei­dung nicht und so schoss Demirbay pflicht­be­wusst nur wenige Minuten später das 1:0 aus Hof­fen­heimer Sicht. Das Spiel war damit schon ent­schieden, der Sieg ein­ge­tütet. Und Demirbay machte eine Woche später genau dort weiter, legte einen Frei­stoß pass­genau auf den Kopf von Niklas Süle, sodass auch das Top­spiel gegen Hertha BSC für die unge­schla­gene TSG ent­schieden wurde.

Damit schoss der Deutsch-Türke, der zur­zeit als Kan­didat für die tür­ki­sche Natio­nalelf gehan­delt wird, in dieser Saison übri­gens genauso viele Tore wie der Ham­burger SV. Was zuge­ge­be­ner­maßen nur als ein lauer Witz im all­ge­meinen HSV-Mob­bing durch­geht, jedoch in diesem Fall ein beson­deres Geschmäckle besitzt. Schließ­lich gehörte Demirbay in den letzten drei Jahren den Han­seaten an – er spielte dort nur nie. 

Ham­burg – Kai­sers­lau­tern – Düs­sel­dorf

Ablö­se­frei hatte ihn der HSV 2013 von Borussia Dort­mund an Land gezogen. In Dort­mund hatte der Junio­ren­spieler es nur bis in die U23 gebracht. Und auch in Ham­burg konnte er sich anfangs mit ver­schie­denen Bles­suren nicht durch­setzen, sodass ihn Trainer Mirko Slomka auf Leih­basis an den 1. FC Kai­sers­lau­tern abgab. Nach einer guten Zweit­li­ga­saison, der U21-Euro­pa­meis­ter­schaft und einer ver­kürzten Vor­be­rei­tung unter Bruno Lab­badia wie­der­holte sich das Spiel. Demirbay ging per Leih­ver­trag nach Düs­sel­dorf.