Pro­fes­sio­na­li­sie­rung und Kom­mer­zia­li­sie­rung nehmen im Fuß­ball immer weiter zu. Es spricht vieles dafür, dass diese Ent­wick­lungen auch vor den Toren Frei­burgs nicht Halt machen werden. Müssen wir uns Sorgen um den Sport-Club machen, Manuel Gaber?

Grund­sätz­lich finden wir es sehr besorg­nis­er­re­gend, in wel­cher Art und Weise sich das Fuß­ball­ge­schäft der­zeit ent­wi­ckelt. Denn so wie sich der Sport, den wir lieben, aktuell ver­än­dert, ist davon aus­zu­gehen, dass ein kleiner Verein wie der SC Frei­burg einer der leid­tra­genden Clubs dieser Ent­wick­lung sein wird.

Woran liegt das?

Unter anderem daran, dass die Bestands­kraft der 50+1‑Regel auf der Kippe steht. Daher macht es in meinen Augen Sinn, sich gerade in einer Stadt wie Frei­burg genauer mit diesen Themen aus­ein­an­der­zu­setzen.

Und um das zu tun, haben Sie im Juni die Mit­glie­der­initia­tive Ein­zig­ar­tiger Sport-Club Frei­burg e.V.“ gegründet. Was genau steckt dahinter? Was sind Ihre Ziele und wie wollen Sie diese errei­chen?

Wir sind ein Zusam­men­schluss ver­schie­dener Mit­glieder des SC Frei­burg. Wir wollen den Verein positiv beein­flussen – soweit das in unserer Macht steht. Kon­kret haben wir für die kom­mende Mit­glie­der­ver­samm­lung im Oktober zwei Anträge gestellt: einen Antrag auf Sat­zungs­än­de­rung, der bei einer mög­li­chen Aus­glie­de­rung den Ein­stieg von Inves­toren aus­schließt. Und einen hin­sicht­lich der Rolle des Ver­eins in der Ent­wick­lung des Pro­fi­fuß­balls. Auf diese Weise wollen wir sicher­stellen, dass der Fuß­ball in Frei­burg aus­schließ­lich in den Händen des ein­ge­tra­genen Ver­eins, und damit in denen seiner Mit­glieder, bleibt.

Ist eine solche Her­an­ge­hens­weise denn noch zeit­gemäß? Muss man nicht auch im Breisgau alles dafür tun, wett­be­werbs­fähig zu bleiben?

Natür­lich sind wir uns dar­über im Klaren, dass eine zuneh­mende Kom­mer­zia­li­sie­rung und Pro­fes­sio­na­li­sie­rung im Pro­fi­fuß­ball statt­findet – und dass das auch nicht in allen Aspekten negativ zu bewerten ist. Den­noch sind wir der Mei­nung, dass wir – die Mit­glieder – das Herz­stück unseres Ver­eins bleiben müssen! Dafür wollen wir mit unseren Anträgen kämpfen.

Das leuchtet ein, ist bei vielen Ver­einen aber längst nicht mehr der Fall und trotzdem sind diese Ver­eine zum Teil sehr erfolg­reich. Was macht den SC Frei­burg so ein­zig­artig?

Gerade in der Geschichte unseres Ver­eins war es immer das ruhige Umfeld und die bedin­gungs­lose Iden­ti­fi­ka­tion der Fans mit dem Verein, was die Stärke unseres Sport-Clubs aus­ge­zeichnet hat. Und wir glauben, dass ein poten­zi­eller Ein­stieg eines Inves­tors beim SC Frei­burg diesen Gege­ben­heiten nicht zuträg­lich wäre. Der Verein sollte sich darauf fokus­sieren, mit seinen Part­nern, so wie es der­zeit auch schon geschieht, eng zusammen zu arbeiten, um das Best­mög­liche aus dem Verein her­aus­holen zu können – sowohl in sport­li­cher als auch in finan­zi­eller Hin­sicht.

Die Ver­ant­wort­li­chen des SC Frei­burg halten nicht beson­ders viel von Ihrem Vor­haben. Ist das richtig?

Wir standen von Anfang an in einem engen Aus­tausch mit den Club­ver­ant­wort­li­chen und haben früh­zeitig klar gemacht, was wir vor­haben und errei­chen wollen. Was die von uns erhoffte Sat­zungs­än­de­rung angeht, muss man die Frage aber wohl mit ›Ja‹ beant­worten.

Was bedeutet das kon­kret?

Sei­tens des Clubs sieht man für eine solche Ände­rung aktuell keine Not­wen­dig­keit, da man für eine Aus­glie­de­rung der Fuß­ball­ab­tei­lung in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft ohnehin eine Drei­vier­tel­mehr­heit der Stimm­be­rech­tigten benö­tigen würde. Und eine solche Aus­glie­de­rung steht zur Zeit nicht zur Debatte. Wir ver­treten jedoch die Auf­fas­sung, dass es nie zu früh ist, sich mit diesem Thema zu befassen. Daher wollen wir schon heute dar­über reden, ver­eins­in­tern eine Dis­kus­sion anstoßen und Rah­men­be­din­gungen für eine mög­liche zukünf­tige Aus­glie­de­rung schaffen. Nichts­des­to­trotz sind wir über­zeugt davon, dass der SC Frei­burg in seiner der­zei­tigen Form als ein­ge­tra­gener Verein funk­tio­niert und eine Aus­glie­de­rung der Fuß­ball­ab­tei­lung nicht zu bevor­zugen ist.

Wie hat das Umfeld des Ver­eins Ihren Vor­schlag auf­ge­nommen? Was halten Fans davon, die nicht an Ihrer Initia­tive betei­ligt sind?

Bis jetzt haben wir ein durchweg posi­tives Feed­back für unsere Vor­haben bekommen und sind zuver­sicht­lich, dass wir die Sat­zung auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung im Oktober ändern werden.

Nun ist der SC Frei­burg einer von ledig­lich drei ver­blie­benen Bun­des­li­gisten, dessen Fuß­ball­ab­tei­lung noch nicht in Form einer Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­ge­glie­dert ist. Kann es sein, dass Sie ver­su­chen, eine Ent­wick­lung auf­zu­halten, die nicht zu stoppen ist?

Dieser Gedanke ist zwar legitim, ich bin aber der Mei­nung, dass man sich immer in die Sicht­weise der Inves­toren hin­ein­ver­setzen muss. Wenn du in einen Fuß­ball­verein Geld inves­tierst, willst du in der Regel ent­weder Profit aus dem Verein her­aus­holen oder zumin­dest errei­chen, inner­halb des Ver­eins mit­reden und Ent­schei­dungen treffen zu können; siehe Klaus-Michael Kühne und dessen Enga­ge­ment beim Ham­burger SV. Es gibt aber auch andere Wege, um kon­kur­renz­fähig zu bleiben. Und so kann es nicht der rich­tige Ansatz sein, von vorn­herein zu sagen: ›Es wird alter­na­tivlos sein, sich Inves­toren ins Boot zu holen.‹