Der FC Liver­pool war zu jener Zeit der stärkste Klub auf der Insel und kam aus einer langen Tra­di­tion des eng­li­schen Pro­fi­fuß­balls. Wir waren zwar die Spit­zen­mann­schaft der Bun­des­liga, spielten aber längst nicht unter solch pro­fes­sio­nellen Bedin­gungen. Dem­entspre­chend groß war unser Respekt. Ich selbst war erst 20 Jahre alt und weiß Gott kein Rou­ti­nier. Mein direkter Gegen­spieler Roger Hunt war ein echter bri­ti­scher Sports­mann, der nie fiese Tricks anwen­dete. Ich schaffte es, ihn zu neu­tra­li­sieren. In der Offen­sive aber hatten wir viel Pech und kamen über ein 0:0 nicht hinaus.



Kurz vor dem Rück­spiel am 24. Februar – wir saßen in unserem Hotel an der iri­schen See – begann es plötz­lich so heftig zu schneien, dass die Begeg­nung ver­schoben werden musste. Umso größer war die Anspan­nung, als das Spiel am 17. März end­lich statt­fand. Diese Nähe zum Publikum an der Anfield Road kannten wir von Hause aus nicht, weil wir im Mün­gers­dorfer Sta­dion eine Lauf­bahn hatten. Mich per­sön­lich hat das weniger ein­ge­schüch­tert als moti­viert. Ich dachte mir: Jetzt hast du es mit zwei Geg­nern zu tun – mit der Mann­schaft und den Fans. Wir alle kämpften bis zum Umfallen, aber der Held war unser Tor­wart Anton Schu­ma­cher, der ein halbes Dut­zend unhalt­barer Bälle parierte. Ihm ist es zu ver­danken, dass das Spiel wie­derum torlos endete.

Ein ent­setz­li­cher Stich in der Wade


Da bei Gleich­stand nach Hin- und Rück­spiel noch nicht ver­län­gert wurde, setzte die UEFA eine Woche später ein Wie­der­ho­lungs­spiel in Rot­terdam an. Wir kamen recht gut in diese Partie. Doch nach unge­fähr 20 Minuten prallte ich mit Gordon Milne zusammen und ver­spürte sofort einen ent­setz­li­chen Stich in der Wade. Ich konnte nicht mehr auf­treten und musste mich in die Kabine führen lassen. Damals durfte noch nicht gewech­selt werden, und so gab man mir eine schmerz­stil­lende Spritze, damit ich wieder mit­ma­chen konnte. Um sicher zu gehen, dass das Bein auch hielt, musste ich von der Mas­sa­ge­bank springen. Die Dia­gnose: Immerhin fällt es nicht ab! Die Ärzte hatten wohl nicht erkannt, dass das Waden­bein ange­bro­chen und nach meinem Sprung end­gültig durch war. Also lief ich in der zweiten Hälfte wieder auf, damit wir wenigs­tens mit zehn­ein­viertel Mann dagegen halten konnten. Es stand schon 2:1 für Liver­pool, ich stand nur noch auf Links­außen und ließ mich von Zeit zu Zeit anspielen. Bald schoss Hannes Löhr das 2:2, und auch ich hatte tat­säch­lich zweimal die Chance, ein Tor zu erzielen, schei­terte aber knapp. Wir waren dem Sieg näher, doch uns gelang kein wei­teres Tor mehr.

Nun, im dritten Spiel, ging es doch in die Ver­län­ge­rung, und ich musste wei­tere 30 Minuten auf die Zähne beißen. Es war, als hätte mir jemand ein Messer ins Bein gerammt. Wenn ich heute in Auf­zeich­nungen sehe, wie ich mich über den Platz schleppe, wird mir noch immer ganz anders. Und dabei hat es nichts gebracht! Die Ver­län­ge­rung blieb torlos, der bel­gi­sche Schieds­richter Schaut ver­wei­gerte uns zu allem Über­fluss auch noch einen regu­lären Treffer von Heinz Hornig. Nun wurde per Münz­wurf ent­schieden. Beim ersten Mal blieb die Münze senk­recht im Morast ste­cken. Beim zweiten Mal ent­schied sie zu Gunsten des FC Liver­pool. Ich saß weit ab und sah nur, dass die Roten anfingen zu jubeln. Wir hatten das Spiel ver­loren, und mein Bein war gebro­chen. Es war schlimm. Dabei sollte das nicht einmal mein tra­gischstes Spiel bleiben. Gut ein Jahr später sah ich Roger Hunt im Finale von Wem­bley wieder.