Das Dorint Hotel in Mön­chen­glad­bach gehört zu den noblen Ver­tre­tern seiner Zunft. Zwi­schen den adrett geklei­deten Emp­fangs­damen haben sich aber auch unkon­ven­tio­nelle Gäste rund um den Haupt­ein­gang geschli­chen: Sie tragen grüne Base­ball­mützen, einer hat die Raute auf dem Hals täto­wiert. Sie sind unver­kennbar Fans von Borussia Mön­chen­glad­bach, denen das Wohl des Ver­eins am Herzen liegt. Ob sie Befür­worter oder Gegner der Initia­tive Borussia“ sind, ist zu diesem Zeit­punkt noch unklar. Vorbei am Sauna-Areal und an Lachs­schnitt­chen gelangt man schließ­lich per Aufzug in einen großen Kon­fe­renz­raum. Alle nam­haften und weniger nam­haften Fern­seh­sender haben ihre Ver­treter geschickt. Sie haben so viele Mikro­fone auf dem Tisch instal­liert, dass das Schild mit dem Namen Stefan Effen­berg“ nicht mehr zu sehen ist.

Ende April hat sich Effen­berg der Initia­tive Borussia ange­schlossen. Bei der Jah­res­haupt­ver­samm­lung am 29. Mai soll das aktu­elle Prä­si­dium um Rolf Königs gestürzt werden. Die ehren­amt­liche Allein­herr­schaft, die unpro­fes­sio­nellen Struk­turen und der feh­lende Fuß­ball­sach­ver­stand in der Ver­eins­füh­rung sind nach Aus­sage der Initia­tive der Grund, warum Anspruch und Wirk­lich­keit in Glad­bach schon seit Jahren aus­ein­an­der­klaffen. Für den Umbruch wäre aller­dings eine Zwei-Drittel-Merhheit der Mit­glieder nötig. Als neuer starker Mann im Verein würde Effen­berg dann Max Eberl als Sport­di­rektor ablösen. 

Köppel wirkt abwe­send

Effen­berg kommt pünkt­lich. Er wird von Nor­bert Kox und Martin Schmuck, den beiden Spre­chern der Initia­tive- sowie Georg Hend­ricks, seit heute Kan­didat für das Amt des Vize­prä­si­denten, begleitet. Die Prot­ago­nisten sind so gut gebräunt, dass man meinen könnte, das inten­sive Blitz­licht­ge­witter der Foto­grafen wäre die Ursache dafür. Doch dann fällt der fünfte Mann im Bunde auf. Es ist Horst Köppel. Neben den anderen Herren wirkt er buch­stäb­lich etwas blass. Den Mythos Glad­bach kann keiner besser ver­kör­pern als Horst Köppel“, beginnt Kox seine Rede über die Wahl des ehe­ma­ligen Trai­ners als Prä­si­dent des Schat­ten­ka­bi­netts. Wie recht er damit hat. Mit der Borussia wurde Köppel in den sieb­ziger Jahren fünfmal Meister. Heute wirkt er dagegen etwas abwe­send. Seine besten Tage hat er, wie die Borussia, schon hinter sich. Er habe sich lange über­legt mit­zu­ma­chen, sagt Köppel. Effen­berg habe ihn letzt­end­lich über­zeugt. 

Die Unter­nehmer Hend­ricks und Kox refe­rieren wenig enthu­si­as­tisch über die Not­wen­dig­keit von inter­na­tio­nalen Spon­soren und der Instal­la­tion eines Betriebs­rates. Bei Mode­rator Schmuck unter dem Schnäuzer lässt sich noch am ehesten etwas Ähn­li­ches wie Euphorie erkennen. Für die großen Emo­tionen aber, das ahnen bereits alle, ist heute Stefan Effen­berg zuständig. Hinter seinem Rücken erin­nert ein Flach­bild­schirm an erfolg­rei­chere Tage. Jetzt oder nie!“ steht unter einem Bild Effen­bergs mit geballter Faust, kurz nach dem DFB-Pokal­sieg 1995. Der letzte ein­stel­lige Tabel­len­platz von Glad­bach war mit mir als Kapitän, es tut mir weh, was da momentan pas­siert“, eröffnet der Kan­didat seine Rede. Er habe sich nach seinem Abschieds­spiel dem Verein ange­boten. Jetzt sei der Zeit­punkt gekommen, dieses Ver­spre­chen ein­zu­lösen, schließ­lich trage er die Raute im Herzen. 

Fan­pro­jekt spricht sich gegen die Initia­tive aus

Große Teile der Fans, dar­unter auch das Fan­pro­jekt Mön­chen­glad­bach, haben sich bereits öffent­lich als Gegner der Initia­tive posi­tio­niert. Durch die Öff­nung für Inves­toren, wie von der Initia­tive ange­strebt, läuft der Verein Gefahr, seine Iden­tität zu ver­lieren. Viele Anhänger zwei­feln außerdem Effen­bergs Kom­pe­tenzen an. Nach seinem Kar­rie­re­ende hat er sich kei­nerlei betriebs­wirt­schaft­li­chen Erfah­rungen ange­eignet. Max Eberl dagegen steht bei vielen Fans als Sport­di­rektor hoch im Kurs, hat er doch Leis­tungs­träger wie Marco Reus oder Dante erst nach Glad­bach geholt.

Es ist klar, dass an diesem Abend auch unan­ge­nehmen Fragen gestellt werden. Die Initia­tive scheint zunächst gut vor­be­reitet und ver­kündet stolz, dass ent­gegen alle frü­heren Über­le­gungen zukünftig keine Ver­eins­an­teile ver­kauft würden. Das hätte man sich sogar nota­riell beglau­bigen lassen. Damit ist das Haupt­ar­gu­ment des Fan­pro­jekts zwar ent­kräftet, doch was anschlie­ßend folgt, kann nicht gerade unter Wer­bung in eigener Sache ver­bucht werden: Die anwe­sende Medi­en­schar will die Frage nach Effen­bergs Kom­pe­tenzen beant­wortet haben. Ich habe gute Freunde. Rudi Völler und Reiner Cal­mund sind Big Bud­dies von mir“, sagt Effen­berg. Außerdem beherr­sche er durch sein Leben im Aus­land die eng­li­sche Sprache und habe den unbe­dingten Willen, was ja fast wich­tiger sei als Kom­pe­tenz. 

Auf wei­tere Fragen der Jour­na­listen reagiert er dann zuneh­mend gereizt. Wie alt war denn ein Uli Hoeneß oder ein Horst Held, als die Manager wurden? Die haben es auch geschafft und waren noch jünger. Irgend­wann muss man ja mal anfangen“, ent­gegnet er genervt. Dann soll Effen­berg das Kon­zept der Initia­tive vor­stellen und hat zwei Ant­worten parat: Die Redu­zie­rung des Kaders auf 22 bis 24 Spieler und, was gene­rell immer gut ankommt: Es muss mehr in den Jugend­be­reich inves­tiert werden. Bis in die U8 hin­unter will Effen­berg mit­wirken und Trai­nings­vor­gaben machen, schließ­lich sollen die Talente mit 16, 17 Jahren schon bei den Profis mit­trai­nieren, wie das bei inter­na­tio­nalen Top-Klubs so üblich ist. 

Geheime Mis­sion mit abso­luten Top-Leuten“

Zwei schwam­mige Punkte als Revo­lu­ti­ons­kon­zept sind dann wohl doch ein biss­chen dürftig, merkt auch ein etwas betagter Anhänger der Initia­tive an, der sich offen­sicht­lich unbe­merkt in die Pres­se­kon­fe­renz ein­ge­schli­chen hat. Da müssen wir in der Argu­men­ta­tion aber noch mehr über­zeugen“, wirft er in den Raum. Man müsse Ver­ständnis haben“, ant­wortet Effen­berg, dass wir vor­erst mit ver­deckten Karten ope­rieren. Aber ich kann jetzt schon ver­si­chern, dass wir im Erfolgs­fall die Zusage von abso­luten Top-Leuten haben, die wir mit ins Boot nehmen.“ Wer diese abso­luten Top-Leute“ sind, bleibt an diesem Abend ebenso unge­klärt, wie die Aus­sage, warum die Initia­tive mit ver­deckten Karten ope­riert, will man doch bis zum 29. Mai zwei Drittel der Mit­glieder über­zeugt haben. 

Dass das funk­tio­niert, davon ist Effen­berg zumin­dest nach außen hin über­zeugt. Ich merke, wie die Fans so langsam warm werden, mit dem was wir vor­haben.“ Für die Anhänger mit den grünen Mützen am Haupt­ein­gang gilt das nicht. Sie haben sich mitt­ler­weile mit einem Banner als Gegner geoutet: Initia­tive? Nein Danke!“ steht dort in großen Let­tern geschrieben.