Jannik Ves­ter­gaards Mutter ist Deut­sche. Der Vater von Thomas Delaney Ame­ri­kaner. Keiner der beiden musste sich jemals dafür recht­fer­tigen, däni­scher Natio­nal­spieler zu sein. Schließ­lich sind ihnen die aus­län­di­schen Wur­zeln auf den ersten Blick nicht anzu­sehen.

Zwi­schen Schweinen und Affen

Martin Braithwaite, Yussuf Poulsen, Mathias Jør­gensen und Pione Sisto haben weniger Glück“. Sie sind die dunklen Dänen“. Den Namen haben sie sich nach der WM-Qua­li­fi­ka­tion selbst gegeben. Poulsen ver­öf­fent­lichte auf Insta­gram ein Foto des Quar­tetts mit dem Hashtag #demør­kedans­kere. Eigent­lich war das Ganze eher als Spaß gedacht. Aber natür­lich steckte dahinter auch ein State­ment“, erklärte er die Bild­be­schrif­tung. Das State­ment war klar: Dänen sind keine Fließ­band­pro­dukte, die aus­schließ­lich im Modell blond und blau­äugig pro­du­ziert werden. Was selbst­ver­ständ­lich sein sollte, scheint man­chen nur schwer in den Kopf zu gehen. Als Mathias Jør­gensen 2016 mit der Natio­nal­mann­schaft in der däni­schen Hafen­stadt Hor­sens auf­lief, flogen ihm von den Zuschau­er­rängen Belei­di­gungen wie Schwarzes Schwein“ ent­gegen. Eine Lokal­po­li­ti­kerin der Kon­ser­va­tiven Volks­partei, die im däni­schen Par­la­ment sechs Abge­ord­nete stellt, beschimpfte den Profi via Face­book als Affe“.

Deut­lich mehr Abge­ord­nete stellt die Däni­sche Volks­partei, das däni­sche Pen­dant zur AfD. Bei Wahlen im Sommer 2015 erhielten die Rechts­po­pu­listen 21 Pro­zent der Stimmen und 37 von 179 Par­la­ments­sitzen. Unsere nörd­li­chen Nach­barn führen seitdem eine Debatte um Zuge­hö­rig­keit und natio­nale Iden­tität, die uns bekannt vor­kommen dürfte. Nicht erst seit dem Foto-Eklat von Ilkay Gün­dogan und Mesut Özil mit dem tür­ki­schen Prä­si­denten. Schließ­lich wird jedes Län­der­spiel aufs Neue beob­achtet, wer beim Klang der Natio­nal­hymne welche Lip­pen­be­we­gungen macht. Frei­lich nur bei Spie­lern, deren Aus­sehen die Unter­stel­lung zulässt, viel­leicht gar keine rich­tigen“ Deut­schen zu sein. Däne­marks dunkle WM-Fahrer können sich dieser Debatte eben­so­wenig ent­ziehen.

Der eigene Stempel

Wollen sie auch gar nicht. Sie sind stolz darauf, dem Dänisch­sein ihren eigenen Stempel auf­zu­drü­cken. Ich liebe meine Farbe, von daher komme ich damit klar“, lächelt der in Uganda gebo­rene Sisto seine Ras­sis­muser­fah­rungen ein­fach weg. Braithwaite, Jør­gensen und Poulsen sind in Däne­mark geboren. Ihre Väter kommen aus Guyana, Gambia und Tan­sania. Vier unter­schied­liche Lebens­ge­schichten. Da mutet es fast schon wider­sinnig an, sie gemeinsam erzählen zu wollen. Bloß weil die Pig­men­tie­rung der Betrof­fenen dunkler ist als die des Durch­schnit­s­sdänen.

Immerhin gibt es etwas, das die Vier jen­seits ihrer Begeg­nungen mit Ras­sismus und Stig­ma­ti­sie­rung eint. Wir sehen ver­schieden aus, aber wir emp­finden alle die­selbe Liebe für unser Land“, sagt Martin Braithwaite. Und meint damit Däne­mark. Bei allem, was sie sich anhören müssen, keine Selbst­ver­ständ­lich­keit.