Schon vor dem Spiel gab Jürgen Klopp die Rich­tung für das Gip­fel­treffen der Liga vor: Wir müssen die Bayern auf unser Niveau her­un­ter­ziehen!“, wie­der­holte er man­tra­artig. Dies war nicht nur ein Aus­druck Dort­munder Beschei­den­heits­rhe­torik, son­dern tat­säch­lich tak­ti­sches Pro­gramm für das Top­spiel: Der BVB küm­merte sich in erster Linie um das Ver­tei­digen. Ziel ihrer Stra­tegie war es, mit zwei eng anein­ander gereihten Vie­rer­ketten das Mit­tel­feld zu ver­dichten. Aus einer 4−4−1−1 Auf­stel­lung heraus, in der Kagawa leicht hinter Lewan­dowski agierte, sollten die zwei­kampf­starken Mit­tel­feld­spieler Bender und Kehl Ball­ge­winne pro­vo­zieren und zu schnellen Gegen­stößen ummünzen.



Die Bayern ver­suchten mit ihrer typi­schen Pass­si­cher­heit dage­gen­zu­halten. Wenn es kein Durch­kommen gab, spielten sie den Ball zurück zu den Innen­ver­tei­di­gern, so dass bald der typisch-baye­ri­sche 65%-Ballbesitzwert erreicht wurde. Aller­dings stellte die Dort­munder Ver­tei­di­gung die Mün­chener Offensiv vor eine große Her­aus­for­de­rung, die sie nur selten kna­cken konnten. Zum einen war in der engen Zen­trale kein Durch­kommen, zum anderen sahen sich auch die Drib­bel­künstler auf Außen zwei, wenn nicht gar drei Gegen­spie­lern gegen­über. Der omni­prä­sente Sven Bender schloss viele Lücken und war prak­tisch an jeder Ver­tei­di­gungs­si­tua­tion betei­ligt. Kein Wunder, dass er am Ende der Spieler mit der größten Lauf­strecke war (13,09km). Dass die Bayern nicht gut durch­kamen, hing jedoch auch mit ihrem eigenen System zusammen. Der Ein­satz eines Top­spie­lers wie Arjen Robben sollte eigent­lich immer ein Gewinn für eine Mann­schaft sein, belas­tete das Mün­chener Spiel an diesem Abend aber: Mit ihm war die in den letzten Wochen so gelobte Fle­xi­bi­lität in der Offen­sive nicht gegeben.

Wäh­rend Ribery, Müller und Co. stets in der Offen­sive rochi­erten und teil­weise zu dritt auf einem Flügel auf­tauchten, um eine Über­zahl zu schaffen, klebte Arjen Robben auf seiner rechten Außen­bahn und hatte so kaum Bin­dung zum Spiel. Das Ergebnis: Hinter dem Namen Arjen Robben ver­zeich­nete n die Sta­tis­tiker ledig­lich 45 Ball­kon­takte. Aber auch Kroos trug in seiner neuen Rolle als Sechser seinen Teil dazu bei, dass die Bayern viel zu selten Räume über­luden. Sein Spiel war unge­wöhn­lich ein­di­men­sional. Anders als der ver­letzte Schwein­s­teiger, den er ersetzen sollte, ging er sel­tener auf die Flügel, wodurch sein Spiel wie das der Groß­teil seiner Mit­spieler bere­chenbar war.

Götze macht den Unter­schied

Für die Dort­munder lief das Spiel nach Plan. Sie hielten lange das 0:0 – ein Ergebnis, mit dem Jürgen Klopp im Zwei­fels­fall gut hätte leben können. Doch die Bayern wollten nach der Pause mehr. Nun ging Kroos öfter in die Offen­sive, auch Boateng löste sich in man­chen Situa­tionen aus der Innen­ver­tei­di­gung. Plötz­lich boten sich Räume für die Dort­munder, die schneller als in der ersten Halb­zeit den Pass in die Spitze suchten. Zum ent­schei­denden Faktor sollte die fle­xible Angriffs­struktur der Borussia werden: Anders als sein Gegen­über Robben hing Götze nicht am Flügel fest, son­dern ging immer wieder in die Mitte und über­raschte damit die Innen­ver­tei­diger. So war es kein Zufall, dass er den ent­schei­denden Treffer erzielte (65.). Die Bayern warfen danach alles nach vorne.

Bereits in der ersten Halb­zeit setzten sie unge­wöhn­lich oft auf lange Bälle, am Ende flog Ball um Ball in den geg­ne­ri­schen Straf­raum. Doch auch in ihrer wilden Schluss­of­fen­sive, als Heynckes sein Team in einem 4−2−4 nach vorne peitschte, konnten die kopf­ball­starken Dort­munder in der Zen­trale Angriff um Angriff abwehren. Jürgen Klopps Plan war auf­ge­gangen: Ihr aggres­sives Mit­tel­feld­pres­sing bezwang eine Mün­chener Mann­schaft, die im Ver­gleich zu den letzten Wochen in vielen Phasen zu starr auf­trat.

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Ball­be­sitz­sta­tis­tiken, Spiel­feld­ma­trixen und tak­ti­sche For­ma­ti­ons­wechsel – für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Lei­den­schaft. Zusammen mit seinen Kol­legen ana­ly­siert er die Taktik der Bun­des­li­gisten auf dem Blog Spiel​ver​la​ge​rung​.de.