Was war geschehen? Im April 2009 unterzog Blogger Frank Baade (www​.trainer​-baade​.de) »Jakos« rund­erneu­ertes Logo einer sehr sub­jek­tiven Prü­fung und kam zu dem Urteil, dass es nicht sehr gelungen sei. Baade nutzte hierzu ein nicht ganz so stu­ben­reines Wort, ver­glich das Image »Jakos« mit einem bekannten Lebens­mit­tel­dis­counter und schluss­fol­gerte, es han­dele sich um eine »Schlurch­marke«.



Was auch immer das ist, »Jako« gefiel es nicht. Rund 400 Leser erreichte Baades Sicht der Dinge – keine allzu große Reich­weite, doch »Jako« wollte dem Autor trotzdem ans Schla­fitt­chen und betraute eine Anwältin mit der Auf­ar­bei­tung dieser eigent­lich harm­losen – und gericht­lich nie als sol­cher gewer­teten – Schmä­hung.

Diese ver­fasste eine Abmah­nung und for­derte die Unter­zeich­nung einer Unter­las­sungs­er­klä­rung. Baade ging den Weg des geringsten Wider­standes, unter­zeich­nete diese Erklä­rung, zahlte 400 Euro und löschte den Artikel.

Eigent­lich ein guter Moment, um einen Schluss­trich zu ziehen. Das fand »Jakos« Anwältin aller­dings nicht und ver­biss sich in Baade wie wei­land »Ter­rier« Vogts in seine Gegen­spieler.

Erfolg­reich, denn mit Hilfe des tsche­chi­schen News­ag­gre­ga­tors »New­stin« war noch immer – ohne Baades Wissen – ein Teaser des strit­tigen Textes zu finden. Womög­lich im Unwissen, was es mit News­ag­gre­ga­toren auf sich hat, war das Finden dieses Teasers (also kei­nes­falls des gesamten von Baade gelöschten Arti­kels) für die Anwältin und »Jako« Grund genug, dies als Ver­let­zung der unter­zeich­neten Unter­las­sungs­er­klä­rung zu inter­pre­tieren und die für diesen Fall ver­ein­barten 5.100 Euro ein­zu­for­dern. Eine für den Blogger exis­tenz­ge­fähr­dende Summe und fern jeder Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Begründet mit dem Hin­weis, Baade habe das Internet nicht gründ­lich genug durch­sucht, um alle Spuren seines Arti­kels zu besei­tigen. Das Internet durch­su­chen? Eine uto­pi­sche For­de­rung. Ein Pro­zess würde Baade nach Ermessen von Experten zwei­fellos Recht geben, doch wären die ent­spre­chenden Aus­lagen für ihn nicht zu stemmen.

Deutsch­lands Blogger heulten auf

Baades Blogger-Kol­lege Kai Pahl (www​.alles​aus​ser​sport​.de) sprang ihm dar­aufhin zur Seite und ver­fasste einen Artikel über »Jakos« frag­wür­diges Vor­gehen. Getrieben von der Angst, die nächste Abmah­nung könnte im eigenen Brief­kasten liegen, heulten Deutsch­lands Blogger auf, ver­teu­felten »Jako« sowie seine Anwältin und riefen zu ersten Spen­den­samm­lungen auf. Nicht selten begleitet vom Rück­griff auf die Aus­ein­an­der­set­zung Wein­reich vs. Zwan­ziger, in der der DFB-Prä­si­dent erfolglos von Instanz zu Instanz hechelte, auf dass die sich akku­mu­lie­renden Pro­zess­kosten Wein­reich in die Knie zwingen würden. So schwappte das Thema in die Redak­tionen tra­di­tio­neller Medien, wo man sich einig war, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde. Die eiserne Weis­heit, dass schlechte Publi­city immer noch besser ist als gar keine, galt nicht mehr, und so wurde »Jako« nicht zu Unrecht in die Rolle des bösen Goliath gesteckt, der Kraft seiner Finanzen Recht bekommt, ohne es zu haben.

Das eigene desas­tröse Bild unter­strich »Jako« mit seiner Reak­tion auf ein Nach­bohren Pahls. Mit einem Katalog nahe­lie­gender Frage wollte Pahl die Moti­va­tion des Unter­neh­mens ergründen, mit solch rigo­rosen Mit­teln gegen einen kaum wahr­ge­nom­menen Blog-Artikel vor­zu­gehen. Doch wie es bei Welt­firmen – immerhin sieht sich »Jako« selbst auf Augen­höhe mit »Adidas« – aber nun einmal üblich ist, befand sich der zustän­dige Spre­cher in Urlaub. Ver­tre­tung? Keine.

Ein mediales Gewitter zog über »Jakos« Sitz in Mul­fingen-Hol­len­bach auf, wo so langsam die Erkenntnis däm­merte, dass man juris­tisch eher schlecht beraten war und das eigene Image inzwi­schen mehr Schaden genommen hatte, als ihm Baade je hätte zufügen können. Inzwi­schen zu einem der bekann­testen deut­schen Blogger geworden, kann sich Baade nun zurück­lehnen und genüss­lich dabei zusehen, wie »Jako« um die Wie­der­her­stel­lung ver­lo­rener Repu­ta­tion ringt und eigene Fehler zugibt. »Wir haben über­re­agiert«, prangt es über einer Pres­se­mit­tei­lung des Unter­neh­mens, in der der Vor­stands­vor­sit­zende Rudi Sprügel bedauert, Baade nicht per­sön­lich kon­tak­tiert zu haben, um die ent­stan­denen Miss­töne aus der Welt zu schaffen. Nun soll der Blogger sogar in die Kon­zern­zen­trale ein­ge­laden werden, um dort über das Logo zu dis­ku­tieren und ihm den »Jako-Spirit« zu prä­sen­tieren.

Wirk­lich ent­schul­di­gend wirkt »Jakos« Erklä­rung aller­dings nicht, viel eher erweckt sie den Ein­druck, als reagiere man nur darauf, dass das Kind namens Image längst in den Brunnen gefallen ist. Der unschöne Ein­druck, Recht sei käuf­lich und dem­je­nigen nicht zugäng­lich, der er sich nicht leisten kann, wird »Jako« noch einige Zeit begleiten. Die gut ver­netzten deut­schen Blogger jedoch können einen Sieg ver­zeichnen und beweisen, dass sie in ihrer Gesamt­heit längst nicht mehr der David sind, dem sich »Jako« gegen­über wähnte, um im Vor­bei­gehen einen Maul­korb zu ver­teilen. Denn nicht nur in Mul­fingen-Hol­len­bach weiß man nun um den Domino-Effekt 2.0: »Lege ich mich mit einem Blogger an, habe ich sie alle am Hals.«

Sprü­gels Fazit der Unann­hem­lich­keiten: »Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser uner­freu­li­chen Geschichte gelernt haben.« Erteilt wurde Sprügel in erster Linie eine Lek­tion über die Regeln der Blo­go­sphäre, denn offen­sicht­lich hat er diese bis­lang nicht gekannt.