Seite 2: „Emre Mor war anfangs kaum integriert“

Also sind bei Ihnen die Grund­lagen ange­sagt?
Mit Reece Oxford haben wir etwa daran gear­beitet, wie er Flanken zur Seite klärt. Da hatte er in der Sai­son­vor­be­rei­tung und in den Test­spielen ein paar Pro­bleme. Also ver­su­chen wir, dass sich über stete Wie­der­ho­lung Auto­ma­tismen ent­wi­ckeln. Wichtig ist aber auch, sich um die Jungs zu küm­mern, mit ihnen zu spre­chen, mit ihnen essen zu gehen. Um sie privat ken­nen­zu­lernen, ihre Fami­lien ken­nen­zu­lernen und zu ver­stehen, wo viel­leicht Pro­bleme sind. Es ist wichtig, dass die Jungs das Ver­trauen spüren. Nur auf dieser Basis kann man auf dem Platz ver­nünftig arbeiten.

Sie haben genau diesen Job bereits beim FC Nords­jæl­land aus­geübt. Wie sind Sie in Däne­mark gelandet?
Der Prä­si­dent des Klubs ist Eng­länder und hat eine Aka­demie in Ghana. Er suchte jemanden, der sich mit der euro­päi­schen, aber auch mit der afri­ka­ni­schen Kultur aus­kennt. Über einen Scout von Man­chester City, den ich kenne, ist der Verein dann auf mich gekommen.

Bei Nords­jæl­land spielte zu Ihrer Zeit auch ein gewisser Emre Mor.
Emre war anfangs kaum inte­griert und stand kurz vor dem Raus­schmiss. Mit ihm habe ich mich zwei, drei Mal die Woche getroffen, auch mal einen Döner gegessen. Am Ende hat sich das total aus­ge­zahlt. Emre hat sich sehr gut ent­wi­ckelt, vor allem auch inner­halb der Mann­schaft an Akzep­tanz gewonnen und einen guten Zugang zu seinen Mit­spie­lern gefunden. Danach konnte er die Leis­tung abrufen, die wir von ihm erwartet haben, wes­halb ihn der Klub am Ende für neun Mil­lionen Euro nach Dort­mund ver­kaufen konnte. Das ist für mich das beste Bei­spiel, was man neben dem Platz bewirken kann, um am Ende für den Jungen, aber auch für den Verein, das Beste zu errei­chen.

Und wieso dann der Wechsel zu Borussia Mön­chen­glad­bach?
Ich wollte wieder nach Deutsch­land. Der Fuß­ball hier ist doch ein­fach bedeu­tender, die Struk­turen sind besser. Also hat mein Berater sich umge­schaut und mit meh­reren Ver­einen unter­halten. Und einer davon war Glad­bach.

War Max Eberl ein harter Ver­hand­lungs­partner?
Es war aus­zu­halten. (Lacht.) Es waren sehr gute Gespräche, auch mit Dieter Hecking. Ich bin vor allem dankbar und froh, dass ich jetzt für den Verein arbeiten darf.

Und irgend­wann sehen wir Sie als Chef­trainer, der die Früchte seiner Arbeit erntet?
Jeder Trainer ist ambi­tio­niert. Ich fühle mich aber in meiner Rolle wohl und bin mir sicher, dass ich das die nächsten Jahre mache. Was dann kommt, muss man sehen.