Seite 2: Ein Netzwerk aus drei Vereinen aus drei Top-Ligen

Seit dem Jahr 2009 wächst aber nicht nur der Kader von Udi­nese Calcio son­dern auch das Fuß­ball­im­pe­rium von Pozzo. So sicherte er sich die Mehr­heits­an­teile am spa­ni­schen Dritt­li­gisten FC Gra­nada. Mit­hilfe seines Armee-großen Spie­ler­pools in Udine hievte Pozzo seine neu­este Errun­gen­schaft prompt in die Pri­mera Divi­sion. Ins­ge­samt vier­zehn Spieler wech­selten in den beiden Auf­stiegs­sai­sons von Udi­nese zu Gra­nada.

2012 baute Giam­paolo Pozzo sein Netz­werk weiter aus und sicherte sich den FC Wat­ford. Sohn Gino Pozzo, der in Udi­nese als Berater agierte, über­nahm den Klub und sollte ihn schnellst­mög­lich in die Pre­mier League führen. In den ersten beiden Jahren nach der Über­nahme gingen 16 Bian­co­neris in die Stadt nord­west­lich von London. 2015 folgte der erhoffte Auf­stieg.

Wett­be­werbs­ver­zer­rung?

Spä­tes­tens wenn sich Ver­eine (offenbar) je nach Belieben bei anderen Klubs euro­päi­scher Spit­zen­ligen bedienen können, wirft das den Ver­dacht der Wett­be­werbs­ver­zer­rung auf. Die berühm­testen Bei­spiele einer soge­nannten Mehr­fach­be­tei­li­gung sind wohl der Red Bull Kon­zern und die City Foot­ball Group Hol­ding. Doch im Jahr 2015 schuf die Familie Pozzo ein Novum: drei Ver­eine aus drei der fünf Top­ligen Europas in einer Hand. Zwar ist der FC Gra­nada mitt­ler­weile an den Chi­nesen Jiang Liz­hang – der übri­gens zwi­schen­zeit­lich auch 60 Pro­zent an Parma Calcio inne­hatte – ver­kauft. Mit Udi­nese Calcio und Wat­ford sind den­noch zwei Klubs in der Hand des Pozzo-Clans geblieben.

In natio­nalen Ligen sind solche Mehr­fach­be­tei­li­gungen wei­test­ge­hend unter­sagt. So ver­bietet Para­graf 8 Absatz 6 der Sat­zung der Deut­schen Fuß­ball Liga (DFL) – kurz gesagt – eine Betei­li­gung von zehn Pro­zent oder mehr an mehr als einem Klub. Außerdem darf nie­mand an mehr als drei Klubs aus der 1. und 2. Bun­des­liga mit Kapital oder Stimm­rechten betei­ligt sein. Auch die UEFA geht in ihren Wett­be­werben gegen eine solche Wett­be­werbs­ver­zer­rung vor, indem sie ein­zelnen Eigen­tü­mern oder Unter­nehmen unter­sagt, Kon­trolle über mehr als einen Klub in einem Wett­be­werb zu haben. Auch hier ist das pro­mi­nen­teste Bei­spiel Leipzig und Salz­burg. Die UEFA-Sta­tuten führten zu einer Aus­glie­de­rung der Pro­fi­ab­tei­lung von Rasen­Ball­sport Leipzig und einem Rückzug der Firma Red Bull in Salz­burg in die Rolle des klas­si­schen Spon­sors‘.

Mit Wat­ford zurück in die Pre­mier League

Dieses Pro­blem müssten die Pozzo-Klubs wohl nicht nur sport­lich nicht fürchten, denn Vater Giam­paolo gehört Udi­nese und Sohn Gino Wat­ford. Diese Ver­hält­nisse bieten wenig Mög­lich­keiten für recht­liche Hand­habe. So wirkt die Bezie­hung beider Klubs wie eine funk­tio­nie­rende Koope­ra­tion, die nun den FC Wat­ford so schnell wie mög­lich wieder in die Pre­mier League bringen soll. Mit Ken Sema steht zumin­dest der erste Wechsel von Udine nach Wat­ford schon fest. Der Schwede war in der abge­lau­fenen Saison aus­ge­liehen und kam für die Bian­co­neri auf 32 Ein­sätze.