Was ist denn hier los? Wie ein Kin­der­gar­ten­kind lässt Bernd Hol­ler­bach die Beine bau­meln. Der Erfolgs­trainer des FC Würz­burger Kickers sitzt auf dem knapp drei Meter hohen Stuhl eines ört­li­chen Ein­rich­tungs­hauses, dessen Wer­be­symbol dieses Rie­sen­ding ist. Der lang­jäh­rige Assis­tent von Felix Magath ist in nur zwei Jahren von der vierten in die zweite Liga durch­mar­schiert. Aber muss man den zurück­ge­kehrten Sohn der Stadt des­wegen gleich auf einen Thron setzen, der aus­sieht wie ein Küchen­möbel? Falls er irgend­wann mal schei­tern sollte, liegt das Foto damit auch parat: Der Chef­sessel war ihm ein­fach zu groß. 

Unter dem XXXL-Stuhl, inmitten von Son­der­an­ge­boten für Bett­wä­sche, wollte der Zweit­liga-Neu­ling, so hatte er es geheim­nis­voll ange­kün­digt, über eine gra­vie­rende Ent­schei­dung im per­so­nellen Bereich“ infor­mieren. Wilde Gerüchte machten dar­aufhin in Medien und Netz­werken die Runde. Kommt Ivica Olic? Oder dockt Kevin Kuranyi auf seine alten Tage in der Pro­vinz an? Dann aber wird ver­kündet, was nie­manden von den Hockern in Nor­mal­größe reißt. Dass der Bernd“ näm­lich seinem Her­zens­verein“ noch min­des­tens drei wei­tere Jahre treu bleiben will. 

Bei den Kickers dreht sich fast alles um Hol­ler­bach

Hol­ler­bach ent­schul­digt sich lächelnd dafür, dass es hier nur um ihn gehe, aber so ist das in Würz­burg im Moment meis­tens. Bei den Kickers dreht sich fast alles um den 46-Jäh­rigen. Freunde von Wort­wit­ze­leien feiern Das Wunder von Bernd“, und die Würz­burger wun­dern sich immer noch ein biss­chen, wie der Metz­gersohn aus dem nahen Rimpar es schaffte, zwei Auf­stiege im Schweins­ga­lopp hin­zu­kriegen. Von der Regio­nal­liga in die zweite Bun­des­liga. Ohne lang rum­zu­wurs­teln. Und ohne große Stars, die Spie­ler­namen jeden­falls merken sich bis­lang nur die wenigsten.

Hol­ler­bach hin­gegen kennt jeder, auch wenn sich die wenigsten daran erin­nern können, wie er vor 28 Jahren seine Kar­riere bei den Kickers begann, mit denen er 1990 in die Bay­ern­liga auf­stieg. Eigent­lich sollte der gelernte Metzger den elter­li­chen Betrieb über­nehmen, aber dann tauschte er das Flei­scher­messer mit dem Stol­len­schuh und ver­ließ die Stadt. Von St. Pauli zog er weiter nach Kai­sers­lau­tern bis zum Ham­burger SV, wo er sich kar­ten­sam­melnd den Ruf als bein­harter Links­ver­tei­diger erspielt. Er selbst kom­men­tierte das einst mit einem Spruch, den er heute nicht mehr hören mag: An mir kommt ent­weder der Ball oder der Gegner vorbei. Aber nie beide.“ 

Ein Mär­chen von einem, der weg­zieht, zurück­kehrt und seine Pro­vinz groß macht

Am Trai­nings­platz oder im per­sön­li­chen Gespräch ist Hol­ler­bach heute kein Sprü­che­klopfer oder Hoppla-jetzt-komm-ich-Typ. Der Mann mit Stop­pel­bart spricht lieber von ehr­li­cher Arbeit und Demut, dass er nie ver­gesse, wo er her­kommt, mehr an die Chance als ans Schei­tern glaube und seinem Lehr­verein wie der Region etwas zurück­geben wolle. Das liest sich abge­dro­schen, aber bei ihm klingt es, im leichten Unter­frän­kisch, irgendwie ziem­lich authen­tisch. Die Leute nehmen es ihm jeden­falls ab. Oder wollen es ihm zumin­dest abnehmen. Weil es doch ein so schönes Mär­chen ist von einem, der aus ihrem Land­strich hin­aus­zieht, erfolg­reich zurück­kehrt und ihre Pro­vinz groß macht.