Mit dem Fahrrad zur WM“ – das sind: Zwei Freunde und zahl­lose Erleb­nisse. Zehn Monate und 11 000 Kilo­meter gen Osten. Durch Deutsch­land, Tsche­chien, Öster­reich, die Slo­wakei, Ungarn, Jugo­sla­wien, Bul­ga­rien, die Türkei, Iran, Paki­stan, Indien, Nepal, China, Korea. Ein ris­kantes Unter­nehmen voller Höhe­punkte und Tief­schläge. Def­tiges Buß­geld: Grenz­kon­flikte in Öster­reich. Chaos in Istanbul: Ein Taxi fährt Kevin an. Angst und Schre­cken in Ana­to­lien: Hund sucht Fahrrad. Cool Run­nings im West­iran: Schnee­sturm und Ramadan. Schock in Esfahan: Die weib­liche Beglei­tung wird ver­haftet. Schweiß­aus­brüche in Nepal: Rei­fen­panne im Tiger-Natio­nal­park. Schwanken in Tibet: Höhen­krank am Fuße des Mount Everest. Und schließ­lich das Happy End: zwei WM-Tickets von der ARD. Wir doku­men­tieren Aus­züge aus dem Rei­se­be­richt. Trai­ner­le­genden an der BP-Tank­stelle Wir haben neben einem rie­sigen Heu­haufen auf einem beschei­denen Gehöft an der Straße geschlafen. Der Besitzer, ein Junge unseren Alters, bringt uns ein typisch tür­ki­sches Früh­stück: Zwei Tee und die Frage, wel­chen Istan­buler Verein wir am liebsten haben. Wir ent­scheiden uns für einen Dop­pelten mit Zucker und Bes­iktas. Der Türke lacht auf und zieht zwin­kernd die Luft durch ein Nasen­loch ein. Kevin erklärt ihm pan­to­mi­misch, dass Chris­toph Daum ein groß­ar­tiger Trainer sei und nur wegen seines schlimmen Hüft­lei­dens Kokain kon­su­miert hat. In Istanbul endet die erste große Etappe unserer Reise. Ein bis zwei Wochen Rege­ne­ra­tion haben wir und unsere Räder auch drin­gend nötig. Unsere Kno­chen kna­cken bereits mit den Zahn­kränzen um die Wette. Mein linkes Knie schmerzt bei zu starker Belas­tung und Kevins Ferse erin­nert mit stän­digem Pochen an ihre Exis­tenz. Wir freuen uns auf das Tor nach Asien, unser ist der Orient! Ein wei­ches Bett, eine sau­bere Dusche mit kräf­tigem Strahl, viel­leicht ein Sta­di­on­be­such bei Bes­iktas. Die Fan­tasie beflü­gelt den lah­menden Fuß. Die Türken schieben uns mit ihrer Gast­freund­schaft nach vorne. Die Truck­fahrer grüßen uns hupend und aus den Autos winken uns nicht nur die Kinder zu. Auf diesen letzten euro­päi­schen Kilo­me­tern inter­pre­tieren wir alles für uns und lassen uns von den zahl­rei­chen Bli­cken und Rufen anfeuern. An den Stei­gungen gehen wir aus dem Sattel und bergab drü­cken wir uns tief über den Lenker, damit wir so schnell wie mög­lich vor­an­kommen. Damit wir so schnell wie mög­lich nach Istanbul kommen.

Weiter in Heft # 37!