Sergej Kiriakow

Seine größte Zeit erlebte der rus­si­sche Goal­getter unter Winnie Schäfer beim Karls­ruher SC. Bereits in seinem dritten Spiel im KSC-Dress erzielte Kiriakow einen Hat­trick beim 5:2‑Sieg gegen Werder Bremen nach 0:2‑Rückstand. Der rot­haa­rige Russe geht als Pro­totyp eines Schlitz­ohrs durch. Mit ver­schla­genem Blick und geduckter Kör­per­hal­tung lau­erte er auf die kleinste Unacht­sam­keit seiner Gegen­spieler, um dann zuzu­schlagen. Ein Typ, dem man auf dem Platz nie­mals einen Gebraucht­wagen abge­kauft hätte.



Sté­phane Cha­puisat

Acht Jahre schnürte der flinke Schweizer für die Dort­munder Borussia die Stiefel. 106 Mal ent­wischte er seinen Bewa­chern auf dem Platz – damit ist Chappi“ nach Elber und Pizarro der erfolg­reichste aus­län­di­sche Bun­des­liga-Stürmer. BVB-Trainer Ottmar Hitz­feld wusste, was er an seinem unbe­re­chen­baren Angreifer hatte und ließ ihn an der langen Leine. Der Knipser mit dem Baby­face war stets da, wo’s brannte – was für ihn selbst nicht immer ganz unge­fähr­lich war. Nach einem Spiel in Mün­chen bekam er die Linke von Mehmet Scholl zu spüren, dem ein­ge­sprun­genen Kung-Fu-Tritt von Oliver Kahn ent­ging Cha­puisat dagegen bei anderer Gele­gen­heit knapp.

Frank Mill

Mill galt als Meister des Trash Talk“, zu deutsch: Voll­quas­seln“. Den geg­ne­ri­schen Abwehr­spie­lern taten nach dem Spiel die Ohren min­des­tens so oft wie die Waden weh. Franky“ lernte das Ein­mal­eins des Straf­raumtrick­sens bei Rot-Weiss Essen, wo ihm in der Saison 1980/81 in 38 Spielen 40 Tore gelangen. Mill war auf dem Rasen ein Meister der Mas­kie­rung. Sich eben noch bei­läufig nach dem Befinden der Gattin erkun­di­gend, stahl er sich im nächsten Moment aus der Umklam­me­rung des Mann­de­ckers davon. Zur pro­fes­sio­nellen Ver­schleie­rungs­taktik passt auch, dass der Mann, der über 200 Tore für Essen, Glad­bach, Dort­mund und Düs­sel­dorf machte, Mit­glied beim FC Bayern ist. Wie schon Ex-Mit­spieler Nor­bert Dickel wusste: Der Mill ist mit allen Abwas­sern gewa­schen!“ Nur einmal ver­ließ Mill die cha­rak­te­ris­ti­sche Chuzpe. Sein Pfos­ten­treffer gegen die Bayern aus dem Jahre 1986 hat einen festen Platz im Kurio­si­tä­ten­ka­bi­nett der Bun­des­liga.

Wynton Rufer

In seiner 11FREUNDE-Kolumne gab Otto Reh­ha­gels Lieb­lings­stürmer unum­wunden zu, dass er sich als junger Spieler schon einmal zu einer ver­deckten Tät­lich­keit hin­reißen lassen hatte. Der bibel­feste Neu­see­länder war auf dem Platz nicht immer ein unbe­schol­tenes Schäf­chen. Gegen die bein­harten Ver­tei­diger seiner Zeit fand Kiwi“ ständig neue Mittel und Wege und mutierte je nach Situa­tion zum Hand­ball­spieler oder Dau­er­quat­scher – haupt­sache die Pille war danach im Netz. In sechs Jahren bei Werder beför­derte Rufer das Runde 59 Mal ins Eckige und steu­erte auch zum größten Tri­umph, dem 2:0 gegen den AS Monaco im End­spiel des Euro­pa­po­kals der Pokal­sieger, einen Treffer bei.

Giu­seppe Reina

Vom Bezirks­li­ga­ki­cker zum Bravo-Coverboy: Für Billy“ Reina vollzog sich der Auf­stieg von Unnaer Asche­plätzen zum feinen Rasen der Bun­des­liga in rasantem Tempo. Erst mit 22 wech­selte der Deut­schi­ta­liener vom Stadt­teil­klub Königs­borner SV zum Zweit­li­gisten Wat­ten­scheid 09. In der Bezirks­liga räumte Reina jedes Jahr locker die Tor­jä­ger­ka­none ab, hatte aber auch abseits des Platzes große Lauf­wege. Von Unna ging es über Wat­ten­scheid und die Bie­le­felder Alm nach Dort­mund. Für einen Mann, dessen Vor­fahren aus dem Hei­mat­land von Filippo Inz­aghi kommen, gehört Schlitz­oh­rig­keit gewis­ser­maßen zur Grund­aus­stat­tung. Gegen den VfB Stutt­gart traf Reina wäh­rend seiner Bie­le­felder Zeit fast von der Außen­linie per Tor des Monats ins Netz. Auch nach Ende der Kar­riere wurde Billy“ seinen Ruf nicht los. 2007 musste er sich in Unna wegen angeb­li­chen Behör­den­be­trugs vor Gericht ver­ant­worten. Wie sich her­aus­stellte, ent­behrte die Anklage jeg­li­cher Grund­lage.

Roy Präger

Wer schlitz­ohrig sein will, braucht min­des­tens einen gesunden Aber­glauben. Der gebür­tige Bran­den­burger Präger ver­traute auf die Magie eines Glücks­pfen­nigs, den er in seinen Schuh geklebt hatte. Die Münze muss ihn auch zu seinem schönsten Tor befä­higt haben, einem Fall­rück­zieher gegen den SC Frei­burg, der selbst Tri­bü­nen­gast und Sturm­le­gende Uwe Seeler ver­zückte. Äußer­lich wirkte Präger mit seinem stroh­blonden Wirr­haar und dem obli­ga­to­ri­schen Brilli wie eine Mischung aus Lausbub und Punker. Seine Pro­fi­bi­lanz von 71 Toren in 372 Spielen ist aber eigent­lich ein biss­chen dürftig, um Auf­nahme in die Riege der erfolg­reichsten Schlitz­ohre zu finden.

Jörgen Pet­tersson

Fragt man Fans des 1. FC Kai­sers­lau­tern nach ihrer ersten Asso­zia­tion zu Jörgen Pet­tersson, wird man vor allem einen Begriff zu hören bekommen: Schwal­ben­könig“. Spä­tes­tens seit jener Aktion im Januar 2001, als sich der schwe­di­sche Stürmer beim Heim­spiel gegen den VfL Wolfs­burg lieber fallen ließ als den Sieg­treffer zu erzielen, ist sein Ruf in Deutsch­land zemen­tiert. Er war einen Meter von mir weg!“, schimpfte VfL-Keeper Reit­maier damals. Schiri Krug zeigte Pet­tersson wegen groben Unfugs die gelbe Karte, und auch bei seinen Mit­spie­lern ern­tete der Schwede nur Kopf­schüt­teln. Zu erfolg­rei­chen Glad­ba­cher Zeiten war Pet­tersson mit seiner lis­tigen Spiel­weise besser ange­kommen und hatte für die Borussia 32 Tore erzielt.