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3. Liga

Liest noch jemand die Bravo Sport? Offen­sicht­lich nicht genug Men­schen. Die Auf­lage sinkt stetig, seit knapp zwei Jahren erscheint die Sport­zeit­schrift mit jugend­li­chem Ziel­pu­blikum statt zwei­wö­chent­lich nur noch monat­lich. Was schade ist, weil man in der Bravo Sport, zumin­dest früher jeden­falls, noch richtig was lernen konnte. So durfte zum Bei­spiel Benny Lauth in klein­tei­ligen Bild-für-Bild-Anlei­tungen vor­führen, wie der per­fekte Über­steiger funk­tio­niert, Thomas Chris­ti­ansen weihte die Leser­schaft in die Geheim­nisse des Fall­rück­zie­hers ein, und Zé Roberto zeigte schon damals, was er im Kraft­raum so drauf hat.

Spä­tes­tens mit seinen letzten Spielen hätte sich auch Sascha Möl­ders solch eine Anlei­tungs-Bil­der­strecke ver­dient. So traf der Stürmer von 1860 Mün­chen gegen die SpVgg Unter­ha­ching per Fall­rück­zieher, ver­gan­gene Woche gegen den KFC Uer­dingen per Seit­fall­zieher und auch am Samstag lag der 36-jäh­rige Möl­ders wieder einmal quer in der Luft. In der 67. Minute der Partie gegen den SC Verl ver­suchte er an der Straf­raum­kante, eine Vor­lage von Richard Neu­de­cker artis­tisch zu ver­werten. Dieses Mal traf er den Ball aller­dings nicht richtig und plumpste etwas unsanft auf den Boden.

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Das rich­tige Timing erwischte indes ein Foto­graf am Spiel­feld­rand. Ein Bild vom Spiel zeigt Möl­ders, wie er förm­lich über dem Boden schwebt – wäh­rend das hoch­ge­rutschte Trikot den Blick auf seinen durchaus statt­li­chen Bauch frei­gibt. Weil die Sport­schau das Foto als Vor­schau­bild für die Zusam­men­fas­sung des Spiels nutzte, ging der Schnapp­schuss viral – und wurde von manch einem schon zum Sport­foto des Jahres“ aus­ge­rufen.

Und das völlig zurecht!

Gegen alle Gesetz­mä­ßig­keiten

Denn kaum etwas könnte den Fuß­baller Sascha Möl­ders besser erklären als dieses Bild, das auf fast magi­sche Art und Weise die Gesetz­mä­ßig­keiten der Physik, ja sogar die Gesetz­mä­ßig­keiten der Ästhetik, außer Kraft zu setzen scheint. Denn wie ist es phy­si­ka­lisch zu erklären, dass eine eigent­lich unför­mige Masse so per­fekt und schnur­ge­rade in der Luft liegt? Und wie ist es ästhe­tisch zu erklären, dass ein halb­di­cker Mann, der den Ball schlecht trifft, im Auge des Betrach­ters so schön ist wie ein form­voll­endetes Barock­ge­mälde?

Nun, sollen sich doch die Phy­siker und Ästheten mit der Beant­wor­tung dieser Fragen her­um­schlagen. Wir widmen uns an dieser Stelle lieber einer wei­teren Gesetz­mä­ßig­keit, der sich dem? Phä­nomen Möl­ders wider­setzt. Denn eigent­lich ist im modernen Fuß­ball für jemanden wie Sascha Möl­ders über­haupt kein Platz mehr vor­ge­sehen. Wie soll sich denn auch jemand, der nach einer Partie sechs Wurst­sem­meln oder auch mal drei Bier­chen und eine Pizza ver­drückt, gegen Spieler durch­setzen, die ver­su­chen, mit veganer Ernäh­rung auch noch die letzten Pro­mille ihres Leis­tungs­ver­mö­gens aus sich her­aus­zu­kit­zeln? Wie soll sich jemand gegen hoch­ge­züch­tete Nach­wuch­leis­tungs­zen­trums­ma­schinen behaupten, der seine erste Sta­tion im Senio­ren­be­reich auf dem Asche­platz von Wacker Berg­ebor­beck in der Bezirks­liga ver­bracht hat und der erst im Alter von 25 Jahren so richtig im Pro­fi­fuß­ball ange­kommen ist?