Seite 3: Butlers Spuren führen nach Malta

Was mit den Kin­dern geschieht, wenn sie älter werden, lässt sich in Pem­broke auf Malta beob­achten. Dort spielt der Erst­li­gist St. Andrews FC. Dessen Prä­si­dent: Mister Craig Butler. Im Kader stehen aktuell neun jamai­ka­ni­sche Fuß­baller, dar­unter auch Kevaughn Atkinson, der vor sieben Jahren Teil der Rei­se­gruppe war. Alle Spieler gehören der Phoenix Aca­demy an, keiner hat je für die Natio­nal­mann­schaft gespielt. Zuerst liefen sie beim Kon­kur­renten Mosta FC auf, nun in Pem­broke. Vor lauter Dank­bar­keit bot ihm der Verein gleich das Amt des Prä­si­denten an. Es habe keine andere Wahl gegeben, als seine Spieler nach Europa zu bringen. Die jamai­ka­ni­schen Ver­eine ächten uns“, sagt Craig Butler. Dass er und der Ver­band über Kreuz liegen, ist kein Geheimnis. Butler tritt im Fern­sehen auf und brüllt Ver­schwö­rungs­theo­rien heraus. Ver­einen, die But­lers Spieler ver­pflichten wollten, sei mit Lizenz­entzug gedroht worden. Ver­bands­ver­treter ent­gegen ebenso laut­stark im Radio, dass es einen sol­chen Bann nie gegeben habe.

Jeder Jamai­kaner kennt Butler. In King­ston werde kein Jeep auf der Straße ange­halten, behauptet der. Die Gangs wissen, die fahre nur ich.“ In den Ver­eins­häu­sern von King­ston wird erzählt, dass Butler ein Kin­der­händler sei. Einen habe er ver­führt, mit ihm nach Europa zu reisen. Jason Wright, Junio­ren­na­tio­nal­spieler, habe kurz vor seinem Abschluss gestanden, ehe er die Schule abbrach, um mit den But­lers nach Bel­gien zu ziehen. Monate später habe er heu­lend seinen Vater anrufen müssen, weil er aus­ge­setzt worden sei und ohne Geld den Rück­flug nach King­ston nicht antreten konnte. Also spen­dete das Dorf. Dieser Jason Wright spielt mitt­ler­weile für die Clemson Uni­ver­sity in South Caro­lina. Im letzten Jahr nahm er am Aus­wahl­ver­fahren für die MLS teil. Ein Top­athlet, mus­kulös mit geschmei­digen Bewe­gungen. Der Mit­tel­feld­spieler gehörte zum All-Ame­rican-Team des Col­lege-Fuß­balls. Als er die Geschichte hört, muss er lachen: Was für ein Bull­shit.“ Ja, er habe die Schule gegen den Willen seines Vaters abge­bro­chen. Aber Butler habe sowohl Hin- als auch Rück­flug gezahlt. Nichts sei geschehen. Europa war eine ein­zig­ar­tige Erfah­rung“, sagt Wright. Butler sei es gewesen, der ihn unter­stützt habe. Er würde alles wieder so machen. Der Ver­band muss sich ändern, nicht Craig“, sagt Wright. Doch zur Wahr­heit gehört auch, dass sich wenige Minuten nach der ersten Kon­takt­auf­nahme mit Wright ein alter Bekannter meldet. Was wollt ihr von Jason?“, fragt Craig Butler. Nach dem Inter­view meldet er sich erneut und emp­fiehlt, die Äuße­rungen Wrights unbe­dingt mit auf­zu­nehmen. Es zeigt, dass sie Lügen erzählen.“

Ohne Kyle kein Leon

Seit Butler die Phoenix Aca­demy betreibt, hat sich Jamaika ver­än­dert. Dort, wo bisher vor allem Leicht­ath­leten aus­ge­bildet wurden und anschlie­ßend Medaillen und viel Geld heim­brachten, werden nun auch Fuß­baller außer­halb der Schulen pro­fes­sio­nell her­an­ge­zogen. Viele Roh­dia­manten“, hört man oft, wenn man nach dem Zustand des jamai­ka­ni­schen Fuß­balls fragt. Im Hin­ter­land der Insel hat ein Freund von Roman Abra­mo­witsch einen Verein mit Internat gegründet. Eine Kopie“, meint Craig Butler. Am Mount Plea­sant wird gerade ein neues Sta­dion samt Unter­kunft und Schul­ge­bäuden für die viel­ver­spre­chendsten Talente gebaut. Hier lernen die Kinder mehr als Schach­spielen. Und die Netz­werke zum FC Chelsea seien stark, heißt es.

Und so dreht sich alles um Leon Bailey, das eine Ver­spre­chen, das Butler in der Hand hält und als Schlüssel ansieht für die Türen des Ver­band­s­hauses in der St. Lucia Avenue in King­ston. Als Bailey nach Jamaika reiste, um für die Natio­nal­mann­schaft zu spielen, soll Butler auf den Ein­satz seines Sohnes Kyle gepocht haben, der nach zahl­rei­chen Sta­tionen aktuell in Öster­reich bei der zweiten Mann­schaft von LASK Linz spielt. Ohne Kyle kein Leon. Er habe 15 Spieler in Übersee, die gut genug für die Natio­nal­mann­schaft seien, habe der Vater dem Ver­bands­prä­si­denten mit­ge­teilt. Im glei­chen Atemzug soll er den Posten des Tech­ni­schen Direk­tors gefor­dert haben. Was in Malta funk­tio­niert, müsste doch auch in der Karibik klappen. Ein Posten im Ver­band?“, über­legt Butler unschuldig, ich könnte dort auf­räumen.“ Er wit­tert Klün­gelei.

Welche Absicht Butler hegt

Wir kennen seine Absichten nicht“, sagt Roy Simpson, der Team­ma­nager der jamai­ka­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. Bailey hätte man gerne gesehen, über die übrigen Jungs wisse man nichts. Ob Kyle Butler gut genug wäre? Simpson wägt ab: Wenn ein Junge jah­re­lang durch Europa tourt und keinen Verein findet, dann ist er es viel­leicht nicht.“ Warum Butler seine Spieler in der Natio­nal­mann­schaft sehen will? Weil es für das Land wichtig wäre“, sagt er. Aber natür­lich würden Ein­sätze auch Markt­werte stei­gern. Und zum anderen äußerte sich Leon Bailey nach seiner Rück­kehr aus Jamaika über angeb­liche Ange­bote aus der Pre­mier League. Chelsea und Man­chester United seien inter­es­siert gewesen. Doch für eine Arbeits­er­laubnis in Eng­land müssen Nicht-EU-Aus­länder wie in seinem Fall nach­weisen, dass sie an 75 Pro­zent aller Län­der­spiele teil­ge­nommen haben.

An diesem Samstag öffnet Butler alle Türen. Das Zimmer seines Sohnes Kyle, das Papa­gei­en­haus – nur das Zimmer von Leon Bailey darf nicht betreten werden, das ver­steht sich. Vor der Tür hängt ein Aqua­rell. Butler will es selbst gemalt haben. Viele Drei­ecke – die Grund­form des Mit­ein­an­ders auf dem Fuß­ball­feld? Butler über­legt, sucht die Drei­ecke und ruft: Genau richtig. Das war meine Idee!“