Seite 4: „Wenn ihr jetzt absteigt, weißt du, woran das liegt.“

Wie bitte?

Auf der Feier war eine sehr ele­gant geklei­dete Frau. Ich fragte meine Mit­spieler, wer das sei. Sie sagten: Das ist Petra Roth, die Ober­bür­ger­meis­terin von Frank­furt.“ Also for­derte ich sie zum Tanz auf.

Wie wichtig war Jörg Berger für die Ret­tung?

Ohne seine Ruhe und Weit­sicht hätten wir das kaum geschafft. Einen Tag nach dem Spiel gegen Kai­sers­lau­tern nahm er mich zur Seite und sagte: Rausch hat immer gesagt: Der Berger steigt ab! Der Berger!“ (Friedel Rausch war 1999 Trainer beim Kon­kur­renten 1. FC Nürn­berg, d. Red.). Dass Rausch nicht Frank­furt, son­dern Berger gesagt hatte, machte ihn richtig wütend. Die Ret­tung war eine kleine Genug­tuung für ihn.

War Ihr Tor für Sie auch eine Genug­tuung? Rein­hold Fanz hatte oft gesagt, Sie seien zu langsam.

Nein. Dafür war ich zu erfahren. Ich wusste ja, dass er falsch lag.

Haben Sie sich die Schluss­kon­fe­renz je kom­plett ange­schaut?

Noch am Abend. Zwi­schen Spiel und Feier fuhr ich für zwei Stunden nach Hause. Der Emp­fang war toll, meine Nach­barn hatten die halbe Straße mit Ein­tracht-Fahnen behangen. Als ich mir die Spiele im Fern­sehen anschaute, wurde mir klar, wie knapp das alles war. Die Nürn­berger, denen ein Unent­schieden in Frei­burg gereicht hätte, ver­gaben gute Chancen. Frank Bau­mann hätte aus zwei Metern ein­schieben können, aber er schei­terte. Als ich diese Szene sah, wurde mir auf der Couch kurz schwarz vor Augen.

Hatten Sie Mit­leid mit Nürn­berg?

Es gibt diese Rede­wen­dung: If you can‘t stand the heat get out of the kit­chen!“ (Wenn du die Hitze nicht ver­trägst, geh raus aus der Küche, d. Red.). Nürn­berg hätte den Abstieg aus eigener Kraft ver­hin­dern können.

Haben Sie mal einen Nürn­berg-Fan getroffen?

Klar. Auch die scherzen heute: Da kommt der Über­steiger.“ Für jemanden wie Markus Merk ist das anders.

Inwie­fern?

Er war der Schieds­richter 2001 in Ham­burg, als der FC Bayern durch Patrik Anders­sons Frei­stoß in der letzten Minute noch die Meis­ter­schaft gewann und Schalke auf Platz zwei ver­drängte. Als wir mit Sky mal auf Schalke waren, wurde er von den Fans mit Bil­lard­ku­geln beworfen. Danach mode­rierten wir immer im Innen­be­reich, nicht mehr auf dem Rasen.

Wie oft träumen Sie von Ihrem Tor gegen Kai­sers­lau­tern?

Nie. Viel­leicht weil die Rea­lität wie ein Traum war. Ich träume eh selten vom Fuß­ball. Wenn dann davon, dass ich zu spät komme.

Zu spät zum Ball?

Das würden viele Kri­tiker sagen, aber ich meine: zu spät zum Spiel oder zum Trai­ning. Ver­mut­lich ist das ein Trauma von einem Trai­ning bei Felix Magath. Es war wirk­lich das ein­zige Mal, dass ich zu spät kam. Ich habe mich so oft ent­schul­digt, dass Magath am Ende laut gelacht hat.

Mit Magath ret­tete sich Frank­furt in der Saison 1999/2000 erneut am letzten Spieltag gegen Ulm. Ein Jahr später reichte es nicht mehr. Fehlte der Glücks­bringer?

Viel­leicht. Anfang 2001 ging ich zurück nach Nor­wegen. Ich wäre aber geblieben, wenn die Ein­tracht mir ein Angebot gemacht hätte. Ich weiß noch, wie ich zu Sport­di­rektor Rolf Dohmen sagte: Wenn ihr jetzt absteigt, weißt du, woran das liegt.“