Seite 3: „Noch ein Tor! Ihr braucht noch ein Tor!“

Sie schossen in den letzten drei Spielen drei Tore. Brauchten Sie Druck?

Ich brauchte Spaß. Ich erin­nere mich noch gut an die Stunden vor dem letzten Spiel. Schon am Morgen wachte ich gut gelaunt auf und spürte eine große Lust auf Fuß­ball. Ich habe viel gelacht und gesungen.

Sie haben gesungen?

Das habe ich oft gemacht vor Spielen. Nicht immer haben die Trainer das ver­standen. Einmal hörte mich Felix Magath elf Stunden vor einem Spiel gegen Wolfs­burg in der Dusche singen. Als wir die Partie ver­loren hatten, war er außer sich: Weißt du, warum wir ver­loren haben?“, schrie er. Weil du in der Dusche gesungen hast!“

Ab wann wussten Sie, dass Frank­furt gegen Kai­sers­lau­tern noch ein Tor benö­tigt?

Vor dem letzten Spieltag gab es 400 ver­schie­dene Theo­rien, wie es kommen könnte. Nürn­berg hielt sich für gerettet. Die hatten eine Nicht­ab­stiegs­party vor­be­reitet. Wir wussten ledig­lich, dass wir gewinnen mussten, um unsere Chance auf den Klas­sen­er­halt zu wahren. Wie hoch, das konnte man da noch nicht sagen. Wir schossen ein Tor nach dem anderen, und das Glück war auf unserer Seite.

Inwie­fern?

Ich erin­nere mich an ein Tack­ling von Bernd Schneider gegen Michael Bal­lack, ein harter Block. Der Schieds­richter sah nichts, und da dachte ich: Heute geht nichts schief. Wir hatten eh nichts zu ver­lieren und eine Reihe von All-in-Typen im Team: Timo Geb­hardt, Bernd Schneider, Thomas Sobotzik, ein cle­verer Fuß­baller. Oder den weißen Bra­si­lianer Ansgar Brink­mann.

Aber irgend­wann müssen Sie doch mit­be­kommen haben, wie es auf den anderen Plätzen steht?

Nach unserem Tor zum 4:1 wurde es mucks­mäus­chen­still im Sta­dion. 60 000 Men­schen schwiegen. Ich dachte: Das war’s, jetzt sind wir abge­stiegen. Aber plötz­lich schrien die Jungs von außen: Noch ein Tor! Ihr braucht noch ein Tor!“ Also habe ich es eben gemacht. (Lacht.)

Wie war die Party danach?

Ich merkte, wie viele Exis­tenzen an einer Ret­tung hängen. Wenn du absteigst, bre­chen Mann­schaften aus­ein­ander, Leute müssen ent­lassen werden, viele Klubs ver­schwinden in der Ver­sen­kung. Daher passte meine Meta­pher auch gut.

Sie sagten, Berger hätte auch die Titanic gerettet.

Genau. Die Party war dem­entspre­chend aus­ge­lassen. Ich habe nur zweimal in meinem Leben Bier getrunken – auf beiden Nicht­ab­stiegs­partys mit der Ein­tracht. Ich glaube eh, dass Nicht­ab­stiegs­partys jede Meis­ter­feier toppen.

Sie sind nie Meister geworden.

Doch, in Nor­wegen habe ich mit Lil­le­ström den Titel geholt. Aber klar, ich wäre gerne auch mit einem Top­klub Meister geworden. Ande­rer­seits hätte ich dann viel­leicht nie mit Petra Roth getanzt.