Seite 2: „Ich brachte Augenthaler seine Kette zurück“

Ihre Krö­nung fei­erten Sie dann mit Bel­grad im Mai 1991, als Sie Olym­pique Mar­seille im Elf­me­ter­schießen schlugen und zum zweiten Mal den Lan­des­meis­ter­pokal holten. Ist an jenem Abend ein Kind­heits­traum in Erfül­lung gegangen?
Als Kind wollte ich ledig­lich mal das rot­weiße von Zvezda“ über­streifen! Dass es dann der Hen­kel­pott werden würde, hätte ich mir damals nicht zu träumen gewagt. Ich hatte das Glück, Teil einer großen Mann­schaft zu sein mit Spie­lern wie Savicevic, Pancev, Pro­sin­ecki oder Miha­jl­ovic.
 
Einen kleinen Anteil am Cup-Gewinn hatten auch Rai­mund Aumann und Klaus Augen­thaler, oder?
Sie spielen damit auf das Halb­final-Rück­spiel in Bel­grad an, als Bayern kurz vor Schluss­pfiff mit 2:1 führte und die Partie in die Ver­län­ge­rung zu gehen drohte. Augen­thaler wollte den Ball im Straf­raum klären, es wurde eine Bogen­lampe daraus und Aumann lenkte ihn etwas unglück­lich ins Tor und wir standen im Finale, nachdem wir das Hin­spiel in Mün­chen mit 2:1 gewonnen hatten. Der Fuß­ball schreibt öfters solche Geschichten.

Mit dem Bayern-Libero hatten Sie an jenem Abend eine ganz beson­dere Begeg­nung.
Bei einem Zwei­kampf habe ich Augen­thaler unbe­ab­sich­tigt seine Kette vom Hals gerissen. Er meinte, sie sei auf den Rasen gefallen und fluchte etwas Unver­ständ­li­ches, Scheiße“ oder so. (Lacht.) Dabei hatte ich sie in meiner Hand. Beim nächsten Vor­stoß in die geg­ne­ri­sche Hälfte habe ich sie ihm dann zurück­ge­geben. Er war sichtbar über­rascht und erleich­tert.

Ein anderer Bayern-Libero hing jah­re­lang als Bild an Ihrer Zim­mertür im Eltern­haus im Banat. Wie kam es dazu? 
Als Kind habe ich Franz Becken­bauer bewun­dert. Ich würde sagen, er war mein Idol, zumal ich auch die von ihm geschaf­fene Posi­tion in einer Jugend­mann­schaft spielte. Irgend­wann mal fasste ich den Ent­schluss, an den FC Bayern zu schreiben und um ein Auto­gramm zu bitten. Nach langer Zeit kam dann über­ra­schend Post aus Mün­chen in meinen Hei­matort, nach Banat: Es war ein Becken­bauer-Poster, in Puzzle-Form, was mir rie­sige Freude bereitet hat. Als ich mit der Zusam­men­set­zung fertig war, habe ich das Poster an der Tür meines Zim­mers auf­ge­hängt, wo es auch für viele Jahre zu finden war. Beim Finale in Bari konnte ich ihn damals auch per­sön­lich begegnen, da er zu jenem Zeit­punkt Tech­ni­scher Direktor bei Olym­pique Mar­seille war. Es war eine große Ehre und Genug­tuung für mich, nach so vielen Jahren meinem Idol die Hand zu geben.

Sie hatten 1986 mit Steaua Buka­rest in Sevilla den Lan­des­meis­tercup gegen den FC Bar­ce­lona mit Bernd Schuster auch nach Elf­me­ter­schießen geholt. Wenn Sie die beiden Teams, Steaua und Zvezda, ver­glei­chen – wel­ches sticht da heraus?
Das ist schwer zu sagen. Steaua lebte mehr vom Kol­lektiv und dem Tempo, wäh­rend Roter Stern Bel­grad durch indi­vi­du­elle Klasse her­aus­ragte. Schauen Sie sich nur an, was für einen Wer­de­gang die dama­ligen Spieler dann hin­ge­legt haben: Savicevic bei Milan, Jugovic bei Juventus, Pro­sin­ecki bei Real und Bar­ce­lona, obwohl gerade er viel Pech mit den Ver­let­zungen hatte.

Ihr Wer­de­gang, nachdem Sie im Sommer 1992 Bel­grad ver­lassen haben, war nicht unbe­dingt von Erfolg geprägt.
In Jugo­sla­wien tobte der Bür­ger­krieg und Dragan Dzajic hat mit den Spie­ler­trans­fers richtig Kasse gemacht. Ich wurde zum FC Valencia trans­fe­riert, das damals von Guus Hiddink betreut wurde. Er ließ Vie­rer­kette spielen, was für mich damals eine Rie­sen­um­stel­lung dar­stellte, zumal ich bis dato immer Libero gespielt hatte. Abge­sehen davon war das Team eher mit­tel­mäßig zusam­men­ge­stellt. In Erin­ne­rung habe ich noch das bla­mable 0:7 beim Karls­ruher SC im Rahmen des UEFA-Cups in der Saison 1993/94. Sport­lich lief es in Spa­nien nicht optimal, aber ich habe mich in Land und Leute regel­recht ver­liebt. Ich spielte anschlie­ßend noch bei Real Val­la­dolid und FC Vil­lareal, ehe ich auch einen Abste­cher nach Mexiko gemacht habe.

Im Sommer 1994 nahmen Sie mit der rumä­ni­schen Natio­nal­mann­schaft an der WM in den USA teil. Wie haben Sie dieses Tur­nier in Erin­ne­rung?
In der Heimat herrschte Auf­bruchs­stim­mung, nachdem die Rumänen nach der Ceau­sescu-Dik­tatur Frei­heits­luft schnup­pern konnten. Das hatte einen posi­tiven Neben­ef­fekt auch auf die Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft, die das Glück hatte, eine gol­dene Genera­tion“ von Spie­lern zur Ver­fü­gung zu haben: Hagi, Popescu, Lupescu, Dumit­rescu – um nur wenige zu erwähnen. Der Höhe­punkt war das 3:1 gegen Argen­ti­nien im Ach­tel­fi­nale, was eine regel­rechte Eupho­rie­welle in der Heimat aus­ge­löst hat.

Das Vier­tel­fi­nale gegen Schweden haben Sie hin­gegen wahr­schein­lich ver­drängt?
(schmun­zelnd) Wir waren so nah dran die Skan­di­na­vier zu schlagen, aber die Partie ging in die Ver­län­ge­rung und dann kam das rus­si­sche Rou­lette“, das Elf­me­ter­schießen. Dort patzte zuerst Dan Petrescu und Thomas Ravelli hielt meinen Straf­stoß. So ist nun mal Fuß­ball. Trotzdem will ich das Tur­nier nicht missen.

Die aktu­elle Natio­nal­mann­schaft Rumä­niens ist weit ent­fernt von jenem Level. Bei der kom­menden EM droht ihr die Zuschau­er­rolle im eigenen Land, zumal sie in den Play-Offs der Nations-League die Hürde Island nehmen muss. Was lief in der Ent­wick­lung des rumä­ni­schen Fuß­balls schief in den letzten Jahren?
Wir haben vieles ver­schlafen, primär in der Jugend­aus­bil­dung. Dort ist mein Freund und Ex-Mit­spieler Gheorge Hagi mit seiner Aka­demie eine trau­rige Aus­nahme (Anm. d. Red. Hagi ist Club­eigner und Trainer von Vitorul Con­stanza, der eine struk­tu­rierte Aka­demie mit über 300 Spie­lern besitzt). Ein anderes Manko ist die große Zahl von mit­tel­mä­ßigen Aus­län­dern, die in der rumä­ni­schen Liga aktiv sind, was natür­lich kon­tra­pro­duktiv für die För­de­rung junger Spieler ist. Die U21 zele­brierte bei der EM im letzten Sommer einen erfri­schenden Fuß­ball und schied erst im Halb­fi­nale gegen Deutsch­land aus. Man muss abwarten, welche Ent­wick­lung diese Spiel­er­ge­nera­tion nehmen wird.