Seite 2: Sein Retter: Didier Deschamps

Und so ergriff schließ­lich Frank­reichs Natio­nal­trainer Didier Deschamps im Januar 2015 die Initia­tive und rief seinen hoff­nungs­vollsten Stürmer zum Rap­port. Was genau er ihm erzählt hat, ist unbe­kannt. Mar­tial selbst sagte: Es hat klick gemacht, als Deschamps herkam. Er erklärte mir, dass ich talen­tiert sei, aber an mir arbeiten müsse. Er hat mir geraten, das Momentum zu nutzen und nicht nach­zu­lassen.“ Deschamps Worte fanden offenbar die gewünschte Wir­kung, denn in der Rück­runde traf Mar­tial immerhin acht Mal, wurde zum Stamm­spieler und ver­drängte den von den Mone­gassen so heiß­ge­liebten Dimitar Ber­batov. Frank­reich sah plötz­lich in Anthony Mar­tial den kleinen Thierry Titi“ Henry. 

Der nächste Schritt

Auch Frank­reichs U21-Trainer Pierre Man­kowski erklärte im April eupho­ri­siert: Der Anthony Mar­tial, den ich im ver­gan­genen Jahr kannte, und jener vom Ende dieser Saison – das ist nicht mehr der­selbe Spieler. Wenn er den Ball am Fuß hat, dann sorgt er immer für Gefahr oder wird gefoult. Er küm­mert sich außerdem viel mehr um seine Pflichten in der Defen­sive. Wenn er so drauf ist wie im Moment, ist er ein sehr, sehr guter Spieler.“

Seit ges­tern ist er also die neue Hoff­nung von Man­chester United. Und als ob der Ruck­sack dank gigan­ti­scher Ablöse und dem Dau­er­ver­gleich mit Thierry Henry noch nicht schwer genug war, gab man ihm gleich noch die Tri­kot­nummer neun. Jene magi­sche Zahl, mit der einst schon Bobby Charlton und Andy Cole für United auf Tore­jagd gingen. Doch erstaun­li­cher­weise trat aus­ge­rechnet Louis van Gaal gleich nach der Ver­pflich­tung auf die Eupho­rie­bremse: Er hat alle Fähig­keiten um ein Top­spieler zu werden“, sagte der Nie­der­länder. Aber wir müssen im Zeit geben, um sich in seiner neuen Umge­bung und an den Rhythmus der Pre­mier League zu gewöhnen.“

Der kom­mende Welt­fuß­baller?

Dass Zeit, Weit­sicht und Geduld nun nicht unbe­dingt die Attri­bute sind, mit denen die Pre­mier-Leaugue-Klubs der­zeit ihre Mann­schaften hoch­rüsten, ist das eine. Dass sich die Ablö­se­summe von Anthony Mar­tial durch diverse Prä­mien im Erfolgs­fall bis auf 80 Mil­lionen Euro erhöhen könnte, nimmt man fast ohne Erstaunen schon hin. Die vertrag­lich ver­ein­barte Son­der­prämie für Monaco, falls Mar­tial eines Tages zum Welt­fuß­baller gekürt wird, zeigt aller­dings wie absurd und wider­sprüch­lich Louis van Gaal agiert. Und in welche Sphären er den junge Fran­zosen eines Tages auf­steigen sieht.

Aber sollte er eines Tages tat­säch­lich den Ballon D’Or in den Händen halten, kann sich Mar­tial zumin­dest sicher sein, dass selbst Wayne Rooney nicht mehr irri­tiert nach­fragt: Wer dieser Anthony Mar­tial?“ 

Doch bis dahin ist es noch ein weiter, stei­niger Weg.