Michael Stahl, ein Metzger hat eine Wurst ver­kauft, die so lang war, wie die Distanz Ihres Tors. Durften Sie der Prä­sen­ta­tion dieser Wurst bei­wohnen?

Michael Stahl: Ich stand sogar an der Kasse und habe die Wurst mit­ver­kauft. Nur selber schneiden durfte ich sie leider nicht. Die Leute haben das sehr gut ange­nommen. Von der Wurst ist am Ende nicht viel übrig geblieben. Es war übri­gens eine Fleisch­wurst.



Haben Sie noch etwas abbe­kommen?


Michael Stahl: Klar. Für die Foto­grafen und das Regio­nal­fern­sehen musste ich auch mal pro­bieren.

Welche anderen Ter­mine dieser Art mussten Sie wahr­nehmen?


Michael Stahl: Ich habe die »Stahli, hau ihn rein« Shirts im Fan­shop ver­kauft. Es gab auch noch viele Fern­seh­ter­mine.

Wie konnten Sie diese ganzen Ter­mine über­haupt wahr­nehmen? Der Spiel­be­trieb in der Liga ging schließ­lich weiter.


Michael Stahl: Das war Zufall. Für das nächste Liga­spiel war ich gesperrt. Des­halb hatte ich eine Woche Zeit, all die Ter­mine wahr­zu­nehmen. Ich war damals jeden Tag von 10 bis 19 Uhr unter­wegs. Sat.1, RTL, Sport Bild und natür­lich die regio­nalen Zei­tungen wollten mit mir spre­chen. Auch aus Hol­land, Bra­si­lien und Japan hatten sich Fern­seh­teams ange­meldet. Die Japaner und die »Bild am Sonntag« wollten sogar, das ich den Schuss noch mal nach­stelle.

Und?


Michael Stahl: Von zehn Schüssen sind drei ins Tor gegangen. Aber das Tor war eine ein­ma­lige Sache. Ist auch gut so. Das könnte ja sonst jeder.

Haben Sie ein sol­ches Inter­esse nach dem Abpfiff für mög­lich gehalten?


Michael Stahl: Über­haupt nicht. Als ich das Tor geschossen habe, war mir schon klar, dass es eine geile Bude ist. Aber so einen Hype hatte ich nicht erwartet. Ich kam am Morgen danach zum Trai­ning mit einer Tüte Bröt­chen, hatte nicht geduscht, die Haare nicht gemacht und auf einmal warten schon die Fern­seh­teams auf mich. Da war ich erst ziem­lich scho­ckiert.

Ärgern Ihre Mit­spieler Sie seit dem Tor, wenn Sie zum Befrei­ungs­schlag aus­holen?


Michael Stahl: Den Ruf »Stahli, hau ihn weg!« musste ich mir schon ein, zwei Mal anhören.

Nach dem Tor hat die Bou­le­vard-Presse Ihnen Spitz­namen wie »Krach-Bumm-Stahli«, »Stahl­inho« oder »Iron Mike« ver­passt. Hat Ihnen einer von diesen Namen gefallen?


Michael Stahl: Alle. Aber beson­ders gut komme ich mit »Iron Mike« klar, obwohl der Name ja eigent­lich dem Boxer Mike Tyson gehört. Meine Mann­schafts­kol­legen hin­gegen haben mich, nachdem ich die Fleisch­wurst ver­kauft habe, auch »Fleisch­wurst« genannt. Das hat mir weniger gefallen (lacht).

Eines der Videos mit dem Tor wurde bei You­tube mitt­ler­weile 1,4 Mil­lionen Mal auf­ge­rufen. Für wie viele Klicks sind Sie ver­ant­wort­lich?


Michael Stahl: Für eine Hand voll. Aber ich habe die ARD- und ZDF-Rück­blicke zu Hause. Wenn ich mal bei You­tube war, habe ich immer nur rein­ge­schaut, wie viele Klicks mein Video gerade hatte. Und wenn ich dann schon da war, habe ich mir natür­lich auch das Tor noch mal ange­sehen (lacht).

Ab wann hat sich der Rummel um Ihre Person beru­higt?


Michael Stahl: Erst zwi­schen Mitte und Ende November wurde es weniger. Mitt­ler­weile kann ich nach dem Trai­ning auch wieder nach Hause fahren, ohne Pres­se­ter­mine wahr­zu­nehmen.

Waren Sie über­rascht, als Ihr Tor zum »Tor des Monats« gewählt wurde?


Michael Stahl: Daran hatte ich wirk­lich nie gedacht, bis unser Pres­se­spre­cher mir gesagt hat, das ich in der Aus­wahl bin. Irgend­wann bekamen wir dann einen Anruf von der ARD, dass es gut aus­sieht. Aber end­gültig habe ich es auch erst in der Sport­schau erfahren.

Die Wahl zum »Tor des Jahres« steht an. Rechnen Sie sich Chancen aus?


Michael Stahl: Ich weiß nicht. Ich habe mir alle Tore ange­sehen und da sind schon einige tolle dabei. Rob­bens Tor etwa gegen Man­chester United, das war Welt­klasse. Wenn ich unter die ersten Fünf käme, wäre das schon super.

Was machen Sie, wenn Sie eines Tages Ihre Kar­riere beenden und das Tor gegen Hertha das Ein­zige Ihrer Profi-Kar­riere bleibt?


Michael Stahl: Dann muss ich zum Ame­rican Foot­ball wech­seln und Field-Goal-Schütze werden. Zu mehr hat es dann wohl nicht gereicht. Aber ich hoffe schon, noch ein paar Mal zu treffen.

Glauben Sie, dass Sie dieses Tor noch mal über­treffen können?


Michael Stahl: Schön wär’s. Aber wenn es nicht klappt, kann sich dieses Tor auch sehen lassen.