Michael Owen gegen alle, alle gegen Michael Owen


»Er hat das Herz einer Erbse«


Ex-Wunderkind Michael Owen hat ein Buch geschrieben, in dem er so ziemlich gegen jeden schießt. Bloß: Nicht alle Geschmähten lassen sich das gefallen.

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Für den mittlerweile 52-jähirgen Joe Allon ist die Sachlage im Fall Michael Owen völlig klar: »Er hat das Herz einer Erbse«, polterte der frühere Newcastle-Profi Anfang der Woche in einem Radio-Interview. Warum Allon so harsch mit dem einstigen Wunderkind des Welt-Fußballs ins Gericht geht? Weil Michael Owen ein Buch geschrieben hat; Titel: »Reboot« (Neustart). In dem 352-seitigen Werk, das der »Daily Mirror« in Vorab-Auszügen veröffentlichen durfte, erzählt der 89-malige englische Nationalstürmer nicht nur aus seinem eigenen Leben, sondern zieht vor allem über alte Weggefährten her.

Natürlich – wenn ein Fußballer seine Autobiografie auf den Markt schmeißt, geht das selten geräuschlos über die Bühne. In jedem dieser Bücher trifft es zwei bis drei große Namen, die ein bisschen abgebasht werden. Das ist eingebautes Marketing, denn Bashing bringt Beef, Beef macht Noise, Noise erhöht die Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit steigert die Auflage. Wenn es danach geht, könnte Michael Owens am Donnerstag veröffentlichte Biografie schon bald Platz 1 der Bestseller-Tabelle erklimmen. Oder zumindest einen Champions-League-Rang. Denn der heute 39-Jährige ballert darin, gefühlt, gegen alles und jeden.

Capello? Absoluter Mist!

Der ehemalige englische Nationalcoach Fabio Capello beispielsweise war laut Owen »absoluter Mist!« Schließlich sei er, Capello, es gewesen, der seine Karriere im Nationaltrikot beendet habe. Owens zentrale Vorwürfe gegen den Italiener: Er sei sehr strikt gewesen, wenn es ums Essen ging. Und: Er habe kein Wort Englisch gesprochen, was auch seine mäßige Bilanz als Übungsleiter der »Three Lions« erkläre. »Wie sollte uns so jemand etwas erklären?« Dass Capello in Wahrheit sämtliche Pressekonferenzen in Owens Muttersprache abhielt, und sich dabei keineswegs zum Trapattoni machte, verschweigt der Autor.

Umso deutlicher wird Michael Owen in Bezug auf David Beckham und dessen tragische Rolle im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 1998 gegen Argentinien: »Becks« hatte sich zu einem Mini-Revanchefoul gegen Diego Simeone hinreißen lassen und dafür Rot gesehen. England schied anschließend (einmal mehr) im Elfmeterschießen aus, was für Owen auch nach über zwei Jahrzehnten noch Grund genug ist, den Ex-Teamkollegen zum Alleinschuldigen zu erklären: »Alles, was ich sagen kann, während ich hier sitze und das Buch schreibe ..., ist: Ich würde lügen, würde ich nicht sagen, dass David an diesem Tag jeden einzelnen im englischen Team im Stich ließ.«

»Es schien es leichter, Michael Owen die Schuld zu geben«

Nun ist bekannt, dass Owen und Beckham, die beiden Superstars, nie die allerbesten Freunde waren. Mit seinem früheren Sturmpartner Alan Shearer allerdings schien Owen wesentlich mehr zu verbinden – auf dem Platz und außerhalb. Jedenfalls früher, wie der Buchautor durchblicken lässt. Im Mai 2009 allerdings erklärte der damalige Newcastle-Profi Owen seinem Trainer Alan Shearer vor dem Abstiegs-Endspiel bei Aston Villa, er sei nicht einsatzbereit. Newcastle United, Shearers Herzensklub, bei dem der verletzungsanfällige Owen nie wirklich Fuß gefasst hatte, verlor 0:1 und flog aus der Premier League.

Im Rückblick schreibt Owen über den als Interimscoach eingesprungenen Shearer: »Er wurde als Retter empfangen, als der Junge von hier. Es hätte eine große Geschichte werden können. Aber er ist gescheitert. Anstatt seine eigenen Fehler zu analysieren, schien es leichter, Michael Owen die Schuld zu geben. Shearers Bilanz als Trainer in den letzten echt Spielen dieser Saison 2008/09 lautete: fünf Niederlagen, zwei Remis, ein Sieg. Das sind nicht gerade göttliche Zahlen.«