Gestatten, HSV!

Am 25. Mai 1983, an dem Tag als der HSV mit dem Gewinn des Lan­des­meis­ter­po­kals den größten Tri­umph seiner Geschichte fei­erte, gab es Ober­lip­pen­bärte, Nacken­matten und Schien­beine ohne Schien­bein­schoner. Jerome Boateng und Dennis Aogo gab es noch nicht. Doch jedes Mal, wenn sie vor wich­tigen Spielen ins Volks­park­sta­dion ein­laufen, scheint sich dieses Datum über sie zu legen wie ein blei­erner Tep­pich. So auch letzte Saison: Wieder einmal war die Mann­schaft eifrig dabei, sich von den Fes­seln der Ver­gan­gen­heit zu befreien, lange Zeit umwehte den Volks­park der Geruch von Auf­bruch. Doch dann kamen Werder, eine Papier­kugel und Hiobs­bot­schaften en gros. Zunächst ver­ab­schie­dete sich Martin Jol non­cha­lant nach Ams­terdam, dann rauschte Dietmar Bei­ers­dorfer belei­digt ab und zuletzt stellte der Sta­di­on­sponsor, die HSH-Nord­bank, fest, dass eigent­lich gar kein Geld mehr da ist. Es blieb der Mann, den sie in der Nord­kurve abfällig den Impe­rator“ nennen: Bernd Hoff­mann. Der muss nun dafür sorgen, dass sich die zer­strit­tenen Gre­mien wieder mit leuch­tenden Augen an den Händen fassen. Das wird schwierig. Doch wie heißt es auf den T‑Shirts von einfühlsamen Phi­lo­so­phie-Stu­denten stets: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tan­zenden Stern gebären zu können.“ Ganz viel­leicht heißt dieser Stern Zé Roberto.



Die erstaun­liche Zahl

15 Minuten dis­ku­tierten angeb­lich Ende Juni zwei pro­mi­nente Spie­ler­be­rater und ein Anwalt über einen Bal­lack-Transfer zum HSV“. Das schrieb jeden­falls der Twitter-User @sachark, eigent­lich Pres­se­spre­cher der Online-Lern­platt­form scoyo“, auf seiner Seite. Der Anwalt und der Berater hätten angeb­lich an seinem Neben­tisch im ICE gesessen. Wo Bal­lacks Manager Michael Becker­viel lieber Auto fährt. Ver­schie­dene Ham­burger Medien griffen das Gerücht den­noch auf, weil Twitter inzwi­schen ja viel seriöser ist als die DPA“. Und grüßten damit herz­lich aus dem Som­mer­loch.

Das pro­phe­zeit der Lokal­jour­na­list

Vor jeder Saison glauben die Ham­burger mit dem Traum­schiff“ los­zu­se­geln und dabei an den schönsten Häfen anzu­legen. Wenn sie am Ende im Nir­gendwo stranden, ist die Ent­täu­schung groß. So war es auch in der letzten Saison, als drei Titel zum Greifen nahe waren und man mit sehr viel Glück den fünften Platz belegte. Nun steht der HSV wieder einmal vor einem Umbruch und vor noch mehr Fra­ge­zei­chen. Eines indes ist klar: Bernd Hoff­mann wird man auf die Finger schauen wie keinem anderen. Zumin­dest hat sich der HSV einen kom­pe­tenten Trainer geholt – ich mag den Lab­badia, denn er durch­denkt seine Trainer-Kar­riere wohl. Er hat in der Ober­liga begonnen und sich langsam an die Bun­des­liga her­an­ge­pirscht. Im Gegen­satz zu Jol, der als alter Hase zum ego­is­ti­schen Denken neigte, ist Lab­badia jemand, der sich noch beweisen und eine Hand­schrift hin­ter­lassen will. Ich bin mir ziem­lich sicher: Das wird er auch tun.“ Alex­ander Laux (Ham­burger Abend­blatt)

So wollen sie spielen


Bruno Lab­badia liebt es offensiv. Das 4 – 1‑3 – 2‑System, das er in Lever­kusen spielen ließ, würde sich auch in Ham­burg anbieten, wenn­gleich sich hier die Mit­tel­feld­raute eta­bliert hat. So würden auf der Sech­ser­po­si­tion David Jarolim oder Zé Roberto spielen, auch der Bra­si­lianer Alex Silva wäre denkbar. Auf den Außen kämen, je nach Aus­rich­tung, Mar­cell Jansen, Jona­than Pitroipa oder Zé Roberto zum Ein­satz. Piotr Tro­chowski würde bes­ten­falls nicht auf der 10er-Posi­tion, son­dern auf einer Halb­po­si­tion hinter den Spitzen agieren. Ver­än­de­rungen wird es auch in der Abwehr geben. Gut mög­lich, dass Jerome Boateng der neue Partner von Joris Mathijsen wird. Unter Martin Jol wurde er zumeist auf den Außen­bahnen ein­ge­setzt, doch bei der U 21-EM in Schweden bekam Boateng in der Innen­ver­tei­di­gung überragende Kri­tiken. Beim 2:0‑Sieg gegen Finn­land gewann er 100 Pro­zent seiner Zwei­kämpfe.

Das sagt Collin Ben­jamin

Von Ver­un­si­che­rung spüre ich nichts. Und wenn das später jemand im Falle des sport­li­chen Miss­erfolgs behaupten sollte, ist das nur eine bil­lige Aus­rede. Zumal wir von den ganzen Ver­eins­rei­be­reien kaum etwas mit­be­kommen haben. Plötz­lich war Bei­ers­dorfer weg. Ich habe ihn danach nicht mal mehr gesehen. Das ist schade, er war ein guter Mensch, ein guter Chef. Wir bli­cken nun nach vorne. Wir werden ver­su­chen, wieder einen inter­na­tio­nalen Wett­be­werb zu errei­chen. Seit acht Jahren spiele ich beim HSV, damals kam ich aus Windhoek in Namibia, und packte eines Tages ein­fach meinen Ruck­sack und fuhr los. Ins Blaue. Seitdem weiß ich: Du weißt im Fuß­ball nie, was pas­siert. Eine Phrase, ja natürlich, aber sie stimmt.“

Wie wird man Euro­pa­meister, Dennis Aogo?

Indem man an fast ver­ges­sene Tra­di­tionen anknüpft. Vor der U 21-EM nahmen die Junioren-Natio­nal­spieler gemeinsam mit DSDS-Gewinner Thomas Godoj den Song Helden gesucht“ auf. Aogo damals: So wollen wir unseren Weg in Schweden gehen und dort den Titel holen.“

Wie­viel brachte der Ver­kauf von Nigel de Jong tat­säch­lich?

Zunächst waberte ein Betrag von unglaub­li­chen 20 Mil­lionen Euro durch die Medien, später hieß es dann, de Jong würde für 18 Mil­lionen wech­seln. Auch nicht schlecht. Tat­säch­lich sieht der Deal so aus: Die Ablöse betrug 18 Mil­lionen Euro, zahlbar in drei Teilen. Die Schluss­rate wird erst am 1. Juli 2011 von Man­chester City überwiesen. Doch dann wird der HSV nur 15 Mil­lionen Euro erhalten haben – drei Mil­lionen Euro gehen an den geschäftstüchtigen Berater Rodger Linse.

Was macht eigent­lich Walter Lau­binger?

Die Ham­burger Presse taufte ihn Mitte der acht­ziger Jahre eupho­risch das Super-Talent“, Ernst Happel nannte ihn den Zau­berer“, weil er im Trai­ning einen Eck­ball direkt ver­senkte und der ehr­gei­zige Uli Stein im Tor vor Wut schnaubte. Nach etli­chen exzes­siven Trink­ge­lagen und Nächten, die zum Tage wurden, been­dete er seine Pro­fi­kar­riere aller­dings schon zwei Jahre später. Zuletzt war Walter Lau­binger Jugend­trainer beim SC Con­cordia Ham­burg.